Wegen kurzer Haltbarkeit Biontech-Impfstoff in Thüringen auch an Jüngere verimpft

Der Corona-Impfstoff von Biontech wird in Thüringen in Ausnahmefällen auch Menschen verimpft, die nicht der dritten Prioritätsstufe angehören. Damit soll verhindert werden, dass das Vakzin wegen seiner kurzen Haltbarkeit entsorgt werden muss. Zuvor war bekannt geworden, dass in einer Polyklinik in Erfurt junge Erwachsene ohne Termin Biontech-Impfungen erhalten hatten.

Eine Impfung wird vorbereitet.
In Thüringen wurden auch Personen geimpft, die nicht der dritten Prioritätsstufe angehören, damit der Impfstoff nicht entsorgt werden muss. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

In Thüringen wird der Corona-Impfstoff von Biontech in Ausnahmefällen auch an junge und nicht vorerkrankte Menschen verimpft. Das bestätigte ein Sprecher des ambulanten Medizinversorgers Kielstein GmbH MDR THÜRINGEN. Man wolle damit verhindern, dass Impfdosen entsorgt werden müssten, hieß es.

Zuvor war bekannt geworden, dass beispielsweise in der von Kielstein betriebenen Polyklinik in Erfurt einige auch sehr junge Erwachsene ohne Termin Biontech-Impfungen erhalten haben und weiter erhalten.

Biontech-Vakzin muss aufgetaut schnell verimpft werden

Wie der Sprecher sagte, gibt es derzeit einen Überbestand am Biontech-Vakzin. Hintergrund sei die Tatsache, dass die Lieferungen zu Wochenbeginn einträfen und dann aufgetaut nur etwa 120 Stunden, also bis zum folgenden Wochenende, genutzt werden dürften. Gemäß der Bestimmungen könnten bei Ablauf der Frist auch Patienten damit versorgt werden, die nicht die sonst erforderlichen Kriterien der Priorisierung 3 erfüllen. So soll garantiert werden, dass das Serum nicht vernichtet werden muss.

Nicht mehr Impfdosen als andere Praxen

Das Unternehmen Kielstein bestellt nach eigenen Angaben die maximal mögliche Anzahl der Biontech- und Astrazeneca-Impfdosen für seine fast 100 Ärzte in Thüringen. In etwa sei das hälftig aufgeteilt. In der kommenden Woche werden mehr Biontech-Dosen als Astrazeneca-Ampullen erwartet. Insgesamt mehr Impfdosen als andere Praxen erhalte Kielstein nicht, heißt es.

Die Seren werden den Angaben zufolge gleichmäßig auf alle Niederlassungen verteilt. Das wird auf der firmeneigenen Internetseite anders dargestellt, wo Erfurt als überproportional gut versorgt eingestuft wird und ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zu sehen ist. Diese Darstellung sei falsch, so der Sprecher. Das liege allerdings nur daran, dass alle Mitarbeiter derzeit an ihrer Belastungsgrenze arbeiteten und die Online-Informationen zur Impfstoff-Verteilung nicht bis ins Detail aktualisiert werden könnten.

Impfen ohne Terminvergabe

Kielstein arbeitet beim Impfen meist ohne Terminvergabe. Die Zweitimpfungen seien trotzdem gewährleistet, heißt es. Erst am Freitag sei die Information gekommen, dass Ende Mai ausreichend Biontech-Impfstoff geliefert würde. Damit erhalte jeder, der jetzt die erste Dosis bekommt oder bekommen hat, auch die notwendige zweite Spritze. "Wir werden die zweite Impfung separieren und vergeben jetzt auch Termine dafür", so der Sprecher. "Die Betroffenen werden bevorzugt bedient, das geht ja gar nicht anders. Wir kriegen das hin."

Dennoch müssen sich die Verantwortlichen bei Kielstein auf die Lieferzusagen von Politik und Verbänden wie der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) verlassen. Sollten die Impflieferungen ins Stocken geraten, sind - anders als in den Impfzentren, wo immer beide Termine vergeben werden - die Zweitimpfungen gefährdet.

Hunderte Interessenten am Freitag in Erfurt

Hunderte Interessenten aller Altersgruppen drängten sich am Freitagmorgen vor der Erfurter Polyklinik. Die Nachfrage nach dem Vakzin von Biontech ist deutlich höher als beim Impfstoff von Astrazeneca. Die aktuelle Situation ist für Kielstein allerdings eine Ausnahme, das Biontech-Überangebot bestehe nur kurzzeitig. Alles werde deutlich einfacher, wenn die Priorisierungsgruppen aufgehoben seien, heißt es. Thüringen hält derzeit weiter an der Priorisierung fest.

Hohe Nachfrage nach Corona-Impfung zeigt sich auch in Impfzentren

Die enorme Nachfrage nach einer schnellen Impfung zeigt sich auch in den Thüringer Impfzentren. Seit Tagen sind lediglich noch Termine in Gera zu haben. Eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) sagte MDR THÜRINGEN, es sei nicht so, dass die Impfstoffe ungleichmäßig im Land verteilt würden. Impfstoffe umzuverteilen ist laut KVT nicht vorgesehen. Das würde im ungünstigsten Fall dazu führen, dass täglich Impfstoffe von A nach B gefahren werden müssten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jni

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Mai 2021 | 16:00 Uhr

24 Kommentare

Pelvicachromis pulcher vor 23 Wochen

"solidarisch handeln und dann klappt es auch."

Aber Frau Sauer, wenn ich von einem bestimmten Impfstoff überzeugt bin, kann ich doch keinen nehmen, wo ich Bedenken habe.
Das lässt mich ja dann nicht mehr ruhig schlafen.

Pelvicachromis pulcher vor 23 Wochen

Ein klein wenig OT von der Tageschau:
"Vitamin D könnte bei Covid-19 doch nützlich sein"

Die Wissenschaft steht nicht still und da bin ich ja gut dran, da ich Vitamin D einnehme.

Pelvicachromis pulcher vor 23 Wochen

es sei denn man war schon mal erkrankt.

"Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich am heutigen Freitag von seinem Hausarzt im münsterländischen Legden gegen Corona impfen lassen. Der 40-Jährige erhielt den Impfstoff der Firma Astrazeneca. Er habe sich nach einem Gespräch mit dem Arzt bewusst dafür entschieden, erklärte er nach Angaben eines Sprechers.

Für den kompletten Schutz brauche Spahn nur eine Impfung, da er bereits eine Corona-Erkrankung durchgemacht habe, sagte der Sprecher weiter. "

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