Bilanz Ein Jahr Impfstellen in Thüringen: 3,6 Millionen Impfungen gegen Corona

Vor einem Jahr, am 13. Januar 2021, haben die ersten Impfstellen in Thüringen den Betrieb aufgenommen. 3,6 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus sind seitdem verabreicht worden. Eine Bilanz.

In Thüringen sind bisher 3,6 Millionen Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht worden. Diese Zahl nannte die Kassenärztliche Vereinigung ein Jahr nach dem Start der Impfstellen. Am 13. Januar 2021 waren zunächst 14 von ihnen in Betrieb gegangen. Pro Tag konnten zunächst rund 1.000 Menschen gegen Covid-19 geimpft werden. Später waren es an manchen Tagen mehr als 100.000. Bisheriger Spitzenreiter waren 127.000 Impfungen Anfang Juni.

Inzwischen sind 66,6 Prozent der Thüringer vollständig geimpft. Im Vergleich zu anderen Bundesländern nimmt das Land dabei nach wie vor einen der hinteren Plätze ein. Als vollständig geimpft gilt jeder, der eine erforderliche Zweitimpfung mit den Impfstoffen von Biontech, Moderna und/oder Astrazeneca erhalten hat, oder mit dem Vakzin von Johnson & Johnson geimpft wurde, der auch bei einmaliger Impfung den vollen Schutz bietet.

Menschen bei einem Impftermin in Gotha. 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 27.12.2021 19:00Uhr 02:04 min

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Lieferengpässe und Wetterprobleme - Holpriger Impfstart

Für Thüringen war es ein holpriger Start. Einen Tag vor dem Jahreswechsel wurde das Impfportal freigeschaltet - und brach kurz darauf zusammen, weil zu viele Menschen gleichzeitig Termine buchen wollten. Dabei konnten sich anfangs nur über 80-Jährige und Mitarbeitende in der Pflege für einen Impftermin anmelden.

Weil zu wenig vom Impfstoff des Herstellers Biontech geliefert wurde, konnte außerdem nur jedes zweite Impfzentrum öffnen: unter anderem in Weimar, Meiningen, Gera, Eisenach und Bad Frankenhausen. Anfang Februar gingen weitere Impfzentren an den Start. Geimpft wurde nun auch im Weimarer Land, im Wartburgkreis oder im Landkreis Hildburghausen. Wenige Tage später mussten Impfzentren kurzzeitig wieder schließen, weil es in Thüringen einen heftigen Wintereinbruch gab. Die großen Impfzentren in Erfurt und Gera starteten am 10. März.

Corona-Impfstoff
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Drei Tage später musste Thüringen seine Impfstrategie ändern, weil der Impfstoff von Astrazeneca nicht geliefert wurde. Zwei weitere Impfzentren im Süden und Norden des Landes konnten nicht wie geplant nach Ostern öffnen. Mitte März traf es auch die großen Zentren in Erfurt und Gera. Dort mussten Impfwillige nach Hause geschickt und hunderte Termine abgesagt werden. Grund für den Lieferstopp waren Meldungen von Blutgerinnseln im zeitlichen Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung.

Impf-Rekorde und Kritik an "Impf-Party"

Mitte April hat die Impfkampagne mit den Impfungen bei den Hausärzten langsam Fahrt aufgenommen. Nach Impf-Rekorden im Juni fuhr Thüringen dann seine Kapazitäten zurück und schloss die großen Impfzentren. In Erfurt feierte man das auch ausgiebig mit einer knapp 200.000 Euro teuren Dankes-Party, bei der neben Helfern auch Politiker und Prominente dem Sänger Jan Delay lauschen konnten. Danach hagelte es Kritik. Die gab es auch immer wieder an den hohen Honoraren für Impfärzte von bis zu 175 Euro pro Stunde.

Positiv kamen hingegen das "Bratwurst-Impfen" und "Halloween-Impfen" in Sonneberg an, oder das Impfen bei Konzerten und Fußballspielen. Auch Familienimpftage wurden laut Kassenärztlicher Vereinigung gut angenommen, ebenso das spontane Impfen ohne Termin. Vor den Impfstellen warteten die Menschen teils stundenlang auf ihre Spritze. Einige mussten wieder weggeschickt werden, weil der Impfstoff aufgebraucht war.

30 Impfstellen in Thüringen

Aktuell gibt es in Thüringen 30 Impfstellen. Laut Kassenärztlicher Vereinigung will der Bund bis Ende des Jahres weiter zahlen, so dass die aktuellen Strukturen bestehen bleiben können.

Jeder dritte Thüringer "geboostert"

Über alle Altersgruppen hinweg lag der Anteil der Erstgeimpften in Thüringen zu Beginn der zweiten Januar-Woche bei knapp über 67 Prozent, die Zweitimpfung hatten rund 65 Prozent der Thüringer erhalten, die Auffrischung (Booster) knapp über 31 Prozent. In allen drei Kategorien gehört Thüringen zu den drei Bundesländern mit der niedrigsten Impfquote. Seit dem 3. Januar 2022 können auch Auffrischungsimpftermine für Kinder und Jugendliche (12 bis 17 Jahre alt) gebucht werden. Wie für Erwachsene gelte auch für die Teenager, dass die Booster-Impfungen bereits drei Monate nach der Zweitimpfung möglich ist.

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Quelle: MDR(fno)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. Januar 2022 | 08:00 Uhr

3 Kommentare

thoralf1 vor 18 Wochen

Sie haben vollkommen recht!

Ich bin zwar 1,5 h durch Thüringen nach Leinefelde gefahren, aber nur weil ich und meine Tochter einen verbindlichen Johnson+johnson Termin haben wollten. Lieber 3 h, hin und zurück, im warmen Auto als 2 h in der Kälte warten. War aber unsere eigene Entscheidung, deshalb keinerlei Vorwurf an Irgendjemanden.

Und in der Impfstelle, ok alte DDR Schule etwas "rustikal", war alles super organisiert. Absolutes Lob!

Conny1 vor 18 Wochen

Ich kann mich Ihnen nur anschließen. Wenn man überlegt, was an Logistik, Organisation, Personal, Zeitdruck und Finanzen dahintersteckt, kann man wirklich den Hut ziehen. Sicherlich gab es Pannen und manches hätte besser laufen können...
Aber bevor Grundnörgler und -miesmacher sich wieder ausdrücken: Mal überlegen wie aufwendig sich die Organisation eines Kindergeburtstages gestaltet... hier musste für über 2 Millionen Menschen und die Wirtschaft mitgedacht werden.
Danke... ich bin froh und dankbar für meine 3 Impfungen

gambit vor 18 Wochen

Auch wenn die im Artikel genannte Kritik teilweise sicher berechtigt ist – aus Nutzersicht kann ich die Impfstellen nur loben. Der Ablauf vor Ort war jedes Mal einwandfrei. Ebenso kann ich das Offenhalten der Einrichtungen nur gutheißen, ganz egal, ob es nun aus Weitsicht oder anderen Gründen geschehen ist. Bei Verwandten in anderen Bundesländern war "pünktlich" Ende September Schluss und im November folgten fast panisch Impfaktionen in ungeeigneten Räumen ohne Termin, bei denen Hochbetagte stundenlang in der Kälte Schlange standen. Kurzum: Ich bin dankbar für das komfortable Angebot in Thüringen.

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