Der Redakteur | 11.11.2021 Landkreise fordern: Corona-Impfungen mit Impfstellen und -bussen erleichtern

Auf dem Land sind die Wege zum Arzt manchmal weit und die Bewohner nicht immer mobil. Könnten da Impfbusse die Lösung sein, um weiter gegen Corona zu impfen, wenn zum Jahresende die Impfzentren schließen?

Ein Thüringer Impfbus aus dem Landkreis Nordhausen
Impfbusse ermögliche Corona-Impfungen an verschiedenen Orten des Alltags. (Symbolfoto) Bildrechte: MDR/Landkreis Nordhausen

Zum Ende des Jahres will auch Thüringen die Impfzentren schließen. Die Hausarztpraxen stehen bereit und der Ansturm sei auch zu bewältigen, so der Thüringer Hausärzteverband. Auch die Kassenärztliche Vereinigungen Thüringen sieht das so, verwies darauf, dass die Mietverträge an den Impfstellen auslaufen und auch die Verträge mit dem Personal. Das war der Stand vom Anfang dieser Woche. Doch es gibt Widerspruch.

Das Thüringer Gesundheitsministerium schreibt beispielsweise, die gesetzliche Finanzierungsgrundlage sei bis 31. März 2022 auch gegeben. Eine Entscheidung über eine Verlängerung ist demnach noch nicht gefallen. Wichtig ist es, die niedrigschwelligen lokalen Angebote auszuweiten. Deshalb werden die mobilen Impfteams von zuletzt 25 auf 35 aufgestockt. Diese besuchen weiterhin unter anderem Pflegeeinrichtungen, sind aber auch bei lokalen Impfaktionen vor Ort.

Kritikpunkt: Zu wenige Ärzte für Corona-Impfung

Ein Kritikpunkt: In vielen Regionen impfen zu wenige Ärzte. Die Wege - gerade für ältere Menschen - sind zu weit. Seit der Entscheidung über die Schließung sind die Infektionszahlen in Thüringen förmlich explodiert, die Nachfrage nach Drittimpfungen ist stark gestiegen und die Landkreise befürchten, dass dieser Trend über den Jahreswechsel anhält. Deshalb mehren sich die Forderungen, die Impfstellen weiterhin offen zu lassen und dazu noch den Einsatz von Impfbussen im ländlichen Raum auszuweiten. Wir haben die Thüringer Landkreise um ihre Einschätzung gebeten. Das sind die Antworten:

Altenburger Land

Der Landkreis befürwortet den Einsatz eines Impfbusses. Im Landkreis impfen nicht alle Hausärzte und es gibt Regionen im Landkreis, die nicht ganz so gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, sodass es für ältere Menschen dort sehr schwer ist, eine Impfstelle aufzusuchen. Das wäre besonders dann sinnvoll, wenn das Impfzentrum in Schmölln tatsächlich zum Ende des Jahres schließen sollte. Allerdings wäre es angesichts der anstehenden Boosterimpfungen gerade wegen des hohen Anteils sehr betagter Menschen wichtig, die Impfstelle Schmölln auch über den 31. Dezember hinaus weiter zu betreiben und dazu regelmäßig die Pflegeheime zu kontaktieren, ob mobile Impfteams benötigt werden.

Eichsfeld

Der Landkreis Eichsfeld würde die Einrichtung eines Impfbusses noch in diesem Jahr begrüßen, der auch im kommenden Jahr noch fahren sollte. Auch sei es sinnvoll, die bestehende Impfstelle der KVT in Leinefelde weiterhin zu betreiben. In einer ersten Stellungnahme schließt auch das Thüringer Gesundheitsministerium nicht mehr aus, die Impfstellen auch im kommenden Jahr zu öffnen.

Gera

Die Stadt Gera ist dafür, dass die Impfstelle geöffnet bleibt, da schon jetzt die Termine für Auffrischungsimpfungen ausgebucht sind und die Hausärzte teilweise die Impfungen selbst nicht durchführen und auf die Impfstelle verweisen. Ansonsten ist Gera aufgeschlossen für alle Angebote zum Beispiel in den Einkaufszentren oder Ortsteilen und begrüßt alle kreativen Ideen wie etwa Impfbusse, die dazu beitragen, dass sich die Menschen impfen lassen können. Dazu gehören bereits jetzt Aufklärungsangebote in verschiedenen Sprachen für Menschen, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichen, um alles zu verstehen.

Landkreis Gotha

Gotha ist aktuell mit der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen in Gesprächen, eine "Impf-Roadshow" zu organisieren. Diese soll Ende November in drei Städten und Gemeinden des Landkreises Gotha Station machen. Die genauen Orte und Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben. 

Landkreis Greiz

Die Landrätin von Greiz, Martina Schweinsburg hat auf unsere Anfrage schriftlich beantwortet und deutlich gemacht, dass es die Aufgabe der Hausärzte und Impfstellen sei und zwar nach sorgfältiger Anamnese.

„Ob dies auch Impfbusse leisten können, vermag ich nicht einschätzen. Deshalb sehe ich den Erhalt der Impfstellen über den Jahreswechsel hinaus als sinnvoll an.

“Martina Schweinsburg plädiert auch für den erneuten Einsatz mobiler Impfteams in den Pflegeheimen, wo eine Auffrischungsimpfung Sinn macht und befürwortet kostenlose Testangebote, gern auch wieder in Testbussen.

Ilm-Kreis

Momentan werden im Ilm-Kreis keine Impfbusse eingesetzt. Die Planung und Durchführung der Impfungen obliegt der Kassenärztlichen Vereinigung. Impfbusse seien eine gute Möglichkeit, Menschen, die sich impfen lassen möchten und bisher keine Gelegenheit gefunden haben, zu unterstützen. Der Kreis würde es begrüßen, wenn die Impfstellen offen blieben.

Jena

Die Stadt Jena befürwortet den weiteren Betrieb der Impfstellen und unterstützt auch darüber hinausausgehende Sonderaktionen, die dazu führen, dass sich die Menschen einfach und unproblematisch impfen können.

Landkreis Nordhausen

Der Landkreis Nordhausen hat bezüglich der Nutzung des bisherigen Testbusses des Landkreises als Impfbus bereits Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung. Allerdings ist im Landkreis Nordhausen aufgrund der geografischen Situation und der zentralen Lage der Kreisstadt Nordhausen das Impfzentrum gut erreichbar. Der Landkreis hat außerdem schon jetzt eine vergleichsweise hohe Impfquote von 65 Prozent. Inwieweit sich die Impfung des Impfzentrums auswirken wird, hängt maßgeblich von der Kapazität der niedergelassenen Ärzte beim Thema Impfen ab.

Letztlich kann dies nur die KVT abschätzen, da der Landkreisverwaltung nicht bekannt ist, wie sich die Impfungen vielleicht schon jetzt 'verteilen', also  wie viele Impfungen entfallen aufs Impfzentrum, wie viele auf die niedergelassenen Ärzte.

Gerade im Bereich der Pflegeeinrichtungen sind insbesondere die mobilen Impfteams weiter erforderlich. Laut dem Impfmonitoring des Gesundheitsministeriums hält sich die Anzahl der erfolgten Auffrischungsimpfungen noch sehr in Grenzen. Besonders im Hinblick auf die ältere Bevölkerung sollte hier sicher das Impftempo erhöht werden.

Saale-Holzland-Kreis

Grundsätzlich würde der Saale-Orla-Kreis begrüßen, wenn die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen auch für den Saale-Holzland-Kreis einen Impfbus organisiert. Das Thema soll in der nächsten Sitzung des Covid-19-Koordinierungsstabes besprochen werden. Unabhängig davon hält es der Kreis für zielführend, wenn bei der KVT über eine Wiederinbetriebnahme der Impfstelle Eisenberg (auf dem Gelände der Waldkliniken) nachgedacht wird.

Der Saale-Holzland-Kreis unterstütze auch Impfaktionen von Kommunen, hieß es. So findet zum Beispiel am 18. November von 14 bis 17 Uhr eine Impfaktion ohne Termin in Kahla statt, wofür das Schulverwaltungsamt die Räumlichkeiten (Turnhalle der Regelschule 'Johann Wilhelm Heimbürge') zur Verfügung stellt. Solche Initiativen würde der Kreis nach eigenen Angaben auch in anderen Orten gern unterstützen.

Saale-Orla-Kreis

Im Saale-Orla-Kreis gibt es eine Impfstelle im Krankenhaus Pößneck, an der etwa 200 bis 250 Menschen täglich geimpft werden können. Landrat Thomas Fügmanns schreibt: "Ich habe eine Mitteilung der Kassenärztlichen Vereinigung bekommen, dass diese Impfstelle zum 14.12.2021 geschlossen werden soll. Das kann ich nicht nachvollziehen." Auch einen Impfbus befürwortet der Landkreis - und zwar ab sofort und bis ins nächste Jahr hinein. Von der Lage her ist Pößneck als Impfstelle nicht optimal, Schleiz wäre für die Masse der Bevölkerung besser erreichbar.

Saalfeld-Rudolstadt

Aus Sicht des Landkreises Saalfeld-Rudolstadt ist die Aufrechterhaltung des Angebotes in der Impfstelle Rudolstadt wünschenswert. Die Impfstelle hat in den vergangenen Monaten hervorragende Arbeit geleistet. Mit der Ergänzung durch die Impfung durch Hausärzte wird das Angebot als ausreichend eingeschätzt. Priorität hat jetzt die Boosterimpfung in den Alten- und Pflegeheimen, die von mobilen Impfteams der Kassenärztlichen Vereinigung abgedeckt werden.

Landkreis Sömmerda

Derzeit ist im Landkreis Sömmerda noch kein Impfbus im Einsatz. Landrat Harald Henning begrüßt den Einsatz eines solchen Busses. Der Landkreis unterstütze jede Initiative und jedes Angebot, die dazu führen, dass sich noch mehr Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen und sich vor einer schweren Erkrankung schützen wollen.

Landkreis Schmalkalden-Meiningen

Aus Sicht des Landkreises sollten sowohl die Impfstellen offen bleiben, als auch niederschwellige Impfangebote wie der Impfbus 2022 fortgesetzt werden. Gerade im Kontext der Auffrischungsimpfung steige derzeit die Nachfrage enorm, sodass über die Hausärzte hinaus Angebote vorgehalten werden müssen, um eine schnelle Boosterung der Bevölkerung zu erreichen. Die Fahrzeiten des Impfbusses finden Sie hier.

Sonneberg

Im Landkreis Sonneberg gibt es bereits seit geraumer Zeit einen Impfbus, der den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort ein Impfangebot ermöglicht. Die mobile Impf-Einheit sei im Auftrag der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) sowie mit Unterstützung durch den Sonneberger DRK-Kreisverband und weiterer Helfer im Einsatz, um die Impfquote im Kreis zu erhöhen. Der Landkreis Sonneberg unterstützt den Impfbus über seine kreiseigene Omnibusverkehrsgesellschaft (die OVG Sonneberg, die einen Bus und den Fahrer stellt) sowie im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit.

Der Einsatz des Impfbusses obliegt jedoch - wie der gesamte Bereich der Coronavirus-Schutzimpfung in Thüringen - der KVT. Zur Erhöhung der Impfquote würde der Landkreis es begrüßen, wenn "unser Impfbus weiter im Einsatz bleiben und den Menschen vor Ort eine Coronavirus-Schutzimpfung ermöglichen könnte", heißt es auf die Anfrage von MDR THÜRINGEN.

Weimar

Weimar wünscht sich eine Betreibung der Impfstelle über das Jahresende hinaus. Ob dies realistisch ist, soll beim nächsten Zusammentreffen mit der Führung der Kassenärztlichen Vereinigung besprochen werden. Zum jetzigen Zeitpunkt sieht Weimar noch keine Notwendigkeit für einen Impfbus. Im nächsten Jahr unter Umständen aber schon.

Weimarer Land

Es wäre sinnvoll die Impfstellen weiterzuführen, um ein noch breiteres Impfangebot anbieten und so vielleicht auch die Hausärzte entlasten zu können. Amtsärztin Sabine Sieg: "In Landkreisen ist der Impfbus eine gute Idee! Ich weiß aber auch, dass viele Hausärzte schon viele (auch Booster-) Impfungen durchgeführt haben. Man muss schauen, wo wird er benötigt, wo haben Bürger kaum Zugang zu Impfstellen. Wer besetzt ihn? Wer organisiert das?"

Thüringer Gesundheitsministerium und Kassenärztliche Vereinigung Thüringen reagieren

In einer ersten Stellungnahme schließt auch das Thüringer Gesundheitsministerium  nicht mehr aus, die Impfstellen auch im kommenden Jahr zu öffnen. Die gesetzliche Finanzierungsgrundlage wäre bis 31.3.2022 auch gegeben. Eine Entscheidung über eine Verlängerung ist aber noch nicht gefallen. Wichtig ist es, die niedrigschwelligen lokalen Angebote auszuweiten. Deshalb werden die mobilen Impfteams von zuletzt 25 auf 35 aufgestockt. Diese besuchen weiterhin u.a. Pflegeeinrichtungen, sind aber auch bei lokalen Impfaktionen vor Ort.

Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen hat heute signalisiert, morgen in der wöchentlichen Schalte mit dem Gesundheitsministerium darüber zu sprechen, wie die Impfstellen weiter betrieben werden können, wo die Mietverträge verlängert werden können und auch das Personal noch zur Verfügung steht.

Wir haben gesehen, dass in den Praxen so viel Überlastung vorliegt. Deswegen haben wir gestern in unserer Vertreterversammlung den Auftrag bekommen, dass wir mit dem Land verhandeln sollen, auch weiterhin Impfstellen offen zu lassen.

Dr. Annette Rommel, Vorsitzende KVT

Ziel sei es, so Rommel, dieses Angebot über ganz Thüringen zu verteilen und auch das Angebot der Impfbusse auszubauen. Außerdem wurden die Hausarztpraxen aufgerufen „Partnerpraxen“ zu werden für das Impfen und dort im größeren Umfang zu impfen. Ganz offenbar hat die aktuelle Lage in den Krankenhäusern zu einem Umdenken in der Bevölkerung geführt, die Nachfrage nach Impfungen ist jedenfalls sprunghaft angestiegen und kurzfristige Termine in den Impfstellen sind kaum noch zu bekommen. 

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 11. November 2021 | 07:10 Uhr

21 Kommentare

bola vor 45 Wochen

Sicher sind vllt keine Virologen oder andere „Experten“ hier, aber in erster Linie Menschen die sich Sorgen machen und über dem Maße gestresst sind.
Ich stelle eine Aussage in den Raum:
- die EMA (Impfstoffzulassungsbehörde in Europa), hat nur Notfallzulassungen für die Impfstoffe erteilt; diese laufen Ende Dezember bzw. für Biontech am 06.01. aus.
Eine Verlängerung wurde nicht beantragt!
Wie ist das zu beurteilen? Wie passt das mit den übergriffigen Kommentaren der Politiker zusammen??
Hoch lebe die Pharmamafia!
By the was: Moderna ist für unter 30-jährige nicht empfohlen, aber beantragt ein Zulassung für ein Kinderpräparat in Deutschland.
Verstand = Ausschalten

TomTom vor 45 Wochen

Sorry, aber so ein Unsinn, einfach irgendeine vermeintliche Studie als absolute Wahrheit zu verkaufen. Zumal die Zahlen völliger Käse sind. Weiter geht's mit "Geimpfte infektiös". Das wäre überhaupt kein Problem, wenn alle, die können, geimpft wären. Dann würde nämlich kaum noch jemand schwer erkranken, die Geimpften haben etwas Schnupfen und in wenigen Wochen wäre der Spuk vorbei. Nachzulesen bei Drosten & Co.

DER Beobachter vor 45 Wochen

Strolchi, weiß nicht, wie es so in Th. ist, aber in DD kam man immer ganz gut, wenn man kurz nach Mitternacht in die elektronische Impfanmeldung ging, da kam man dann ganz gut auch kurzfristig an die abgesagten Termine...