Thüringen Generelle Corona-Impfungen bei Schwangeren: Frauenärzte skeptisch

Martin Hesse vom Berufsverband der Thüringer Frauenärzte sieht generelle Corona-Schutzimpfungen für Schwangere skeptisch. Der Landesvorsitzende sagte MDR THÜRINGEN, die Impfung von Schwangeren sei nicht erstrebenswert, solange es noch nicht ausreichend Daten gebe.

Symbolbild zum Thema: Impfung gegen Covid-19 auch für Schwangere
Schwangere sollen laut Empfehlung der Ständigen Impfkommission derzeit nur nach indvidueller Nutzen-Risiko-Abwägung gegen Corona geimpft werden. (Symbolbild) Bildrechte: imago images/photothek

Thüringer Frauenärzte sind Hesse zufolge seit der vergangenen Woche an der Impfkampagne beteiligt, halten sich aber an die Vorgabe der Ständigen Impfkommission (Stiko). Dort heißt es, dass Schwangeren die Impfung nur nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung angeboten werden darf, etwa bei Vorerkrankungen.

Zuvor hatten mehrere Mediziner gefordert, dass die Stiko ihre Empfehlung ändert. In anderen Ländern, darunter die USA, Großbritannien, Israel und Österreich, werden Schwangere bereits regulär geimpft. Dabei kommen in der Regel mRNA-Vakzine zum Einsatz.

Schwangere mit höherem Risiko

Auslöser der Forderung nach Impfungen für Schwangere waren Studienergebnisse, wonach schwangere Frauen ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf einer Covid-19-Erkrankung haben. In Thüringer Schwerpunkt-Krankenhäusern sind Schwangere mit schweren Verläufen aber eine Seltenheit. Die Mehrheit der sogenannten Level-1 Klinken, die im Freistaat Patienten mit schweren Verläufen versorgen, hat seit Beginn der Pandemie nur wenige Schwangere behandelt.

Im Klinikum Altenburger Land war die Zahl der Covid-infizierten Schwangeren seit Beginn der Pandemie nach Angaben einer Sprecherin "überschaubar". Dabei seien alle Verläufe mild gewesen. Ein ähnliches Bild zeichnet das Wald-Klinikum Gera, schwangere Infizierte seien Einzelfälle, ihre Zahl sei nicht gestiegen. Im St. Georg Klinikum Eisenach haben in den vergangenen Monaten vermehrt Covid-positive Frauen entbunden, intensivpflichtige Fälle habe es das bei nicht gegeben. Das Klinikum Jena dagegen meldet stark steigende Zahlen. In der ersten Welle hätte es nur wenige, nicht akute Fälle gegeben. Inzwischen aber seien jede Woche mehrere schwangere Frauen mit Covid-19 stationär behandlungspflichtig.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Mai 2021 | 15:00 Uhr

6 Kommentare

Sia vor 1 Wochen

Das ist eigentlich schon geklärt. Generell sind die Impfstoffe nicht plazentagängig. Viele Impfstoffe verbleiben meist eh an der Einstichstelle. Das Einzige was beim Bauchbewohner ankommt, sind die von der Mutter, als Reaktion auf den Impfstoff gebildeten Antikörper. Ähnliches gilt auch für die Muttermilch.
Das Problem ist einfach nur die geringe Datenlage. Nebenwirkungen der Impfung können eventuell auch den Bauchbewohner indirekt betreffen. Das kann aus ethischen Gründen nicht untersucht werden.

Matthi vor 1 Wochen

Schwangere Impfen oder nicht müsste doch von den Experten geklärt werden ob es dem ungeborenen Kind vielleicht schadet. Aktuell wurde die Zulassung für Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren beantragt darunter nicht. Ich bin kein Arzt oder Experte aber wenn die Schwangere Frau geimpft wird kommt dann nicht auch das ungeborene Kind mit dem Impfstoff in Berührung ? Wie ist das zu beurteilen das es aktuell keinen Impfstoff mit Zulassung für Kleinkinder gibt ? Sollte man nicht erstmal das klären bevor man eine Impf Empfehlung gibt ?

Anni22 vor 2 Wochen

Na gut, das ist aber auch der einzige Fall wo es für das Baby ausgesprochen empfohlen wird von der Stiko. Alles andere kann doch wirklich anders geplant geimpft werden ;-).

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