Medizinische Versorgung Wegen Kapazitätsproblemen: Schwerkranke aus Thüringen verlegt

Die Situation auf den Intensivstationen in Thüringer Krankenhäusern bleibt äußerst kritisch. Fünf Patienten aus Thüringen mussten am Freitag zur Weiterbehandlung in andere Bundesländer verlegt werden. Thüringen bleibt das von der Pandemie am schwersten betroffene Bundesland.

Leeres Patientenbett, bereit für die Aufnahme eines Patienten.
Landesweit waren am Freitag noch knapp zehn Prozent der aktuell betreibbaren rund 700 Intensivbetten frei (Symbolbild) Bildrechte: imago/Jochen Tack

Die Situation auf den Intensivstationen in Thüringer Krankenhäusern bleibt äußerst kritisch. Zwar ging die Zahl der dort behandelten Covid-19-Erkrankten im Laufe des Freitags leicht auf 216 zurück, wie aus dem bundesweiten Intensivbettenregister hervorging.

Dennoch ist die Situation so angespannt, dass Patienten in andere Bundesländer verlegt werden mussten. Am Freitag wurden fünf an Covid-19 erkrankte Patienten aus Thüringen zur Weiterbehandlung nach Hamburg, Niedersachsen und Bayern transportiert, wie der Intensivmediziner Professor Michael Bauer vom Universitätsklinikum Jena auf Anfrage sagte.

Knapp zehn Prozent der Intensivbetten in Thüringen frei

Die Schwerkranken, die ans Uniklinikum Hamburg-Eppendorf, ein Krankenhaus in Bad Kissingen und zwei Kliniken in Wolfsburg und Osnabrück gebracht wurden, waren zuvor am Jenaer Klinikum beziehungsweise in Greiz behandelt worden. Die Vorbereitungen auf die Verlegung hatten am Donnerstag begonnen, wegen schlechten Wetters habe ein Hubschraubertransport aber auf Freitag verlegt werden müssen, sagte Bauer. Das Uniklinikum koordiniert die intensivmedizinische Versorgung von Covid-19-Patienten in Thüringen.

Landesweit waren am Freitag noch knapp zehn Prozent der aktuell betreibbaren rund 700 Intensivbetten frei - wobei hier auch andere Schwerkranke wie Herz- und Krebspatienten oder Verletzte nach Unfällen versorgt werden müssen.

Thüringen am schwersten von Corona betroffen

Entspannung in der Pandemiesituation scheint nicht in Sicht. Vom Donnerstag zum Freitag wurden erneut mehr als 1000 Neuinfektionen gemeldet, die Staatskanzlei gab deren Zahl mit 1039 an. Die Inzidenz, also die Zahl der Infektionen je 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen, lag bei 256. Das entspricht dem Niveau der zweiten Pandemiewelle Ende Dezember. Thüringen bleibt das am schwersten von der Pandemie betroffene Bundesland. Unter den Landkreisen ist der Kreis Greiz mit einer Inzidenz von rund 473 bundesweiter Negativ-Spitzenreiter.

Bundesweites Corona-Gedenken am Wochenende

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) rief am Freitag die Menschen in Thüringen auf, sich an dem bundesweiten Gedenken für die Todesopfer der Corona-Pandemie zu beteiligen. Allein in Thüringen sind seit Pandemiebeginn mehr als 3600 mit dem Coronavirus infizierte Menschen gestorben. Nachgewiesen wurde das Virus bei 106 200 Menschen.

Bundesweit sind die Menschen aufgerufen, an den Abenden von Freitag bis Sonntag als Zeichen der Erinnerung an die Corona-Toten brennende Kerzen in die Fenster zu stellen. In Berlin wird am Sonntag auf Initiative von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine zentrale Gedenkfeier für die Todesopfer der Pandemie abgehalten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa,jni

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 16. April 2021 | 20:00 Uhr

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