Corona-Pandemie Unterschiede in Inzidenzen zwischen RKI und MDR - das sind die Gründe

In den vergangenen Tagen haben sich die Inzidenzwerte von MDR THÜRINGEN in den Kreisen Sonneberg und Nordhausen stark von den RKI-Zahlen unterschieden. Wie diese Differenzen zustande kommen, erklären wir hier.

Logo am Eingang des Robert Koch-Instituts
Für die Frage, wann in welchem Kreis gelockert wird, ist dabei die RKI-Inzidenz entscheidend. Bildrechte: imago images/Christian Spicker

Die Sieben-Tage-Inzidenz für einen Kreis oder eine kreisfreie Stadt gibt an, wie viele Menschen sich innerhalb von sieben Tagen gerechnet auf 100.000 Einwohner mit dem Coronavirus infiziert haben. Für das Robert Koch-Institut (RKI) ist dabei entscheidend, wann eine Infektion beim Gesundheitsamt gemeldet wird. Wird ein Infizierter erst nach über sieben Tagen gemeldet, erfasst ihn die RKI-Statistik rückwirkend. In die Sieben-Tage-Inzidenz zählt er jedoch nicht mit hinein.

Abweichungen durch zeitlichen Verzug

Die meisten Fälle werden dem RKI am gleichen Tag übermittelt, an dem ein Gesundheitsamt sie elektronisch registriert. Manchmal kommt es aber zu einem Meldeverzug. Das bedeutet: Die bei den Kreisen und kreisfreien Städten bereits registrierten Fälle kommen erst verzögert beim RKI an. Zum Beispiel, weil sie von der zuständigen Landesbehörde, dem Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz, noch nicht weitergeleitet wurden.

Durch den zeitlichen Verzug beim Übermitteln der Daten kann es dazu kommen, dass das RKI die Sieben-Tage-Inzidenz unterschätzt - also einen zu niedrigen Wert angibt. Würden die Inzidenzen rückwirkend betrachtet, läge der Wert oft höher. Das kommt nach Angaben des RKI vor allem dann vor, wenn das Infektionsgeschehen sich besonders dynamisch entwickelt.

Eine weitere Fehlerquelle ist die automatische und elektronische Übermittlung der Daten. Im Nachgang findet immer eine sogenannte Qualitätskontrolle statt. Dabei werden Datensätze mitunter korrigiert und ergänzt. Dadurch kann es auch passieren, dass sich eine negative Differenz zum Vortag entsteht.

Tägliche Meldungen der Landratsämter

Die zweite Sieben-Tage-Inzidenz, die der MDR zusätzlich angibt, hat die täglichen Meldungen der Landratsämter zur Grundlage. Es wird also errechnet, wie viele Fälle innerhalb von sieben Tagen zur Gesamtzahl der Infizierten hinzugekommen sind. Die Inzidenzen werden dabei über den Tag hinweg immer wieder angepasst, wenn aus den Kreisen neue Infektionen gemeldet werden. Das RKI dagegen aktualisiert seine Statistik immer um Mitternacht.

Damit führen zwei Faktoren dazu, dass die beiden Inzidenzwerte sich unterscheiden: Zum einen die unterschiedlichen Zeitpunkte innerhalb eines Tages, an dem die Inzidenz errechnet wird, zum anderen verzögerte Infektionsmeldungen.

60 nachgemeldete Corona-Fälle

Besonders starke Abweichungen gab es in den vergangenen Tagen in den Landkreisen Sonneberg, Nordhausen und Schmalkalden-Meiningen.

Der Landkreis Nordhausen erklärt das damit, dass am vergangenen Samstag 60 Fälle nachgemeldet wurden. Nachgemeldete Fälle sind solche, die schon länger zurückliegen, aber bisher nicht in die Statistik eingeflossen sind. Nach Angaben des Landratsamts reichen die aktuell nachgemeldeten Fälle bis in den Februar zurück. Von der RKI-Inzidenz werden sie damit Großteiles nicht mehr erfasst, in die durch den MDR berechneten Inzidenz fallen sie hinein.

RKI-Inzidenz entscheidend

Der Landkreis Sonneberg kann nach eigenen Angaben nicht erklären, wie die unterschiedlichen Werte zustande kommen. Es gibt aber Differenzen zwischen den Fällen, die der Landkreis meldete und den Fällen, die beim RKI registriert wurden. So meldete das Landratsamt etwa am vergangenen Samstag, den 22. Mai 2021, 35 Neuinfektionen. Das RKI registrierte für diesen Tag aber nur vier davon.

Für die Frage, wann in welchem Kreis gelockert wird, ist die RKI-Inzidenz entscheidend. Das gilt sowohl für die Bundesnotbremse als auch für die Regeln der Thüringer Verordnung.

Nur noch RKI-Inzidenzen bei MDR THÜRINGEN

In den vergangenen Tagen und Wochen erreichten uns zahlreiche Nachfragen bezüglich der unterschiedlichen Werte. Um Missverständnisse zu vermeiden, werden wir in unseren Angeboten künftig nur noch die RKI-Inzidenzen veröffentlichen. Denn wie bereits beschrieben, sind allein diese ausschlaggebend für Entscheidungen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 28. Mai 2021 | 17:30 Uhr

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