Pandemie Impfen gegen Corona bisher nicht in Apotheken in Thüringen möglich

Eigentlich sollten auch Apotheker dabei helfen, das Tempo der Corona-Impf-Booster-Kampagne zu steigern. Doch nach dem entsprechenden Beschluss von Bund und Ländern Anfang Dezember sinkt die Zahl der wöchentlichen Impfungen inzwischen wieder. Und noch wird in Thüringen in keiner Apotheke geimpft. Nach Angaben des Apothekerverbands dürfte das auch flächendeckend so bald nicht passieren.

Ein Apotheker bereitet eine Spritze mit einer Dosis des Impfstoffs von Moderna vor bei einer Impfaktion in der Zentrale des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Rheinland-Pfalz.
Impfungen in Apotheken gegen das Coronavirus wird es so schnell nicht in Thüringen geben (Symbolfoto). Bildrechte: dpa

Wer sich im vergangenen Jahr im Frühjahr gegen das Coronavirus impfen und im Spätherbst boostern ließ, erinnert sich an die Schlangen vor Arztpraxen und Impfzentren. Da dachten sich Anfang Dezember die verantwortlichen Politiker in Land und Bund: Mehr potenzielle Impfstellen könnten das Problem lösen. Also brachte man auf den Weg, dass Tierärzte und Apotheker künftig grundsätzlich Impfungen gegen das Corona-Virus verabreichen dürfen. Seither sind einige Wochen vergangen, ohne dass bisher in Apotheken geimpft wird.

"Das wird in Thüringen so schnell in den nächsten Tagen in keiner Apotheke möglich sein", sagt Stefan Fink, Vorsitzender des Thüringer Apothekerverbands. "Die Apotheken müssen sich jetzt erstmal qualifizieren. Das setzt eine Schulung voraus der Bundesapothekerkammer und eine Schulung zusammen mit einem Arzt, damit das praktische und das theoretische und ein Erste-Hilfe-Kurs erstmal dazu befähigen, impfen zu dürfen." Zudem braucht es geeignete Räume - und ob die vom Verkaufsraum durch eine Tür getrennt sein müssen und vielleicht auch eine Liege brauchen, ist noch nicht ganz klar. "Das wird die Aufsichtsbehörde noch entscheiden müssen."

Zahl der Impfungen pro Woche sinkt

Aktuell geht die Nachfrage nach Impfungen gegen Corona auch wieder zurück. In der Woche bis 16. Januar verabreichten Ärzte in Thüringen noch 101.000 Impfungen. In der Woche vom 13. bis 19. Dezember waren es nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT) 155.000. Zugleich seien zehntausende Termine überall im Land schnell verfügbar.

"Wir haben reichlich freie Impftermine, so dass wir die Hilfe der Apotheker und Tierärzte nicht brauchen. Im Grunde war das ein bisschen eine populistische Maßnahme, diese beiden Gesundheitsberufe einzubeziehen, aber im Moment ist es im Grunde nicht notwendig", sagt KVT-Vorsitzende Annette Rommel. Grundsätzlich sei das Impfen aber bei Ärztinnen und Ärzten gut aufgehoben. "Wenn Impfreaktionen auftreteten kurz nach der Impfung, dann muss man tätig werden können. Und das können im Grunde nur Ärztinnen und Ärzte."

Nun gilt seit kurzem nur noch als genesen, wer eine Corona-Infektion vor weniger als drei Monaten überstanden hat. Bisher waren es sechs Monate. Das könnte die Nachfrage wieder steigen lassen. Ebenso wie eine mögliche Impfung gegen die Omikron-Variante. "Wenn es gar nicht anders geht und wenn die Termine immer weiter verkürzt werden, brauchen wir unsere Kolleginnen und Kollegen aus den anderen Gesundheitsberufen", ist Rommel überzeugt.

Heike Werner (l, Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, und Annette Rommel, Erste Vorsitzende der Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (kvt)
Gesundheitsministerin Heike Werner (links) und Annette Rommel, KVT-Vorsitzende. Bildrechte: dpa

Thüringer Gesundheitsministerin: Werden im Herbst nochmal impfen müssen

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) erwartet, dass es mit der Drittimpfung nicht getan ist: "Wir werden irgendwann eine vierte Impfung vielleicht haben, es wird einen neuen Impfstoff geben. Wir werden sicherlich im nächsten Herbst nochmal impfen müssen." Deswegen seien mehr Orte zum Impfen eine gute Sache.

Apothekerverband: Wenige Impflinge rechnen sich nicht

Für die Apothekerinnen und Apotheker stellen sich aber auch wirtschaftliche Fragen: So müsse man Zeit und Personal für Schulungen und Impfungen aufwenden, Räume bereitstellen, Termine koordinieren. "Die Kolleginnen und Kollegen müssen sich das genau überlegen. Wenn sie impfen, müssen sie auch höhere Stückzahlen impfen", sagt Apotheker Fink. Nur zwei oder drei Personen pro Woche könnten die Kosten nicht decken. Und vielleicht könne man ja einige Menschen erreichen, die normalerweise nicht zum Arzt gehen. Manche Kunden würden ein niedrigschwelliges Angebot in der Apotheke schätzen. "Oder jene, die sich durch die Impf-Pflicht sagen: Ich brauche jetzt schnell einen Termin. Da helfen wir dann gerne."

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 23. Januar 2022 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

Freies Moria vor 17 Wochen

@Ralf G: Luther hätte seine Freude an Ihnen, oder besser gesagt der damalige Pabst! Denn "Freikaufen" durch Impfen kann und wird nicht gehen. Es ging noch nie, war nur ein billiges und inhaltsleeres Versprechen der Politik.
Denn Impfen schützt Dritte nicht, weil die Geimpften weiter infektiös sein können. Und genau deshalb kann die Impfung auch kein Freibrief sein. Denn geimpfte Fußballer haben gerade Myokarditis bekommen (Herzmuskelentzündung), üble Sache das. Kam angeblich durch Corona, die Ansteckung hätte also durch andere Geimpfte passiert sein können.
Also: Impfen SIe so viel Sie mögen, wenn es für Sie so richtig ist, gönne ich Ihnen die Quartalsspritze, und das Impfzentrum nimmt gern das Geld. Aber andere schützen Sie damit nicht, das sind Märchen aus 2020.

Freies Moria vor 17 Wochen

Die Tierärzte könnten doch impfen? Oder andere Doktoren, z.B. Ingenieure oder Physiker?
Ist da ernsthaft ein Mangel an Impfgelegenheiten oder geht es nur darum, noch ein paar "Lieblingen" schnell Geld zuzuschieben, wie es mit Impfzentren und Testzentren, Masken und Corona-Hilfen ja schon des öfteren erfolgreich betrieben wurde?
Und wieso brauchen wir jetzt gerade Impfzentren, wohl doch der große Lauterbach öffentlich feststellte: Gegen die aktuelle Welle hilft es nicht!
Und ich sage noch einmal: Der Omikron-Impfstoff kommt zwangsläufig zu spät, und jeder andere auch, das liegt in der Natur der Sache - man muß den Erreger erst sehen, und dann dauert es länger als die Welle da ist. Doof, aber das wusste man seit es Grippe gibt - die Grippe-Impfungen sind genau deshalb so wenig effektiv (Cocktails, in denen die "wahrscheinlichen" Varianten hoffentlich abgedeckt sind).

Ralf G vor 17 Wochen

Da ich mich seit zig Jahren immer im Herbst gegen Influenza impfen lasse hätte ich auch mit einer jährlichen Coronaimpfung kein Problem. Ob das dann das vierte, fünfte oder sechste Mal ist, egal. Alles kein Drama. Hauptsache die Beschränkungen fallen weg. Man sollte das entspannt sehen.

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