Corona - und dann? Trotz Corona: Mehr Kinderwunsch-Behandlungen

Krisenzeiten gelten als prädestiniert für einen Geburtenknick. Noch geben die Statistiken keine Angaben her, ob angesichts der Corona-Pandemie weniger Kinder geboren werden. In den deutschen Kinderwunschzentren jedoch war bereits ein Trend zu spüren: Es kamen mehr Paare zur Behandlung.

Die Beinchen von drei Säuglingen
Die Corona-Krise hat mehr kinderlose Paare zu einer Behandlung in einem Kinderwunschzentrum gebracht. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Drei Monate dauerte die Verunsicherung. Von März bis Mai seien deutlich weniger Paare zur Behandlung gekommen, beschreibt Patricia Klinzing im Podcast "Corona - und dann?" die Situation zu Beginn der Pandemie. Sie leitet das Kinderwunschzentrum in Erfurt. Dort werden Paare behandelt, die ungewollt kinderlos bleiben.

Ab Juni habe sich die Praxis wieder gefüllt, rasch seien die Vorjahreszahlen erreicht worden, so die Ärztin. Insgesamt seien im ersten Corona-Jahr acht Prozent mehr Patienten mit Kinderwunsch gekommen.

Krise verstärkt Kinderwunsch bei Paaren

Das Deutsche IVF-Register (IVF steht für In-Vitro-Fertilisation) bestätigt diese Zahlen. Deutschlandweit drängten 2020 wesentlich mehr ungewollt kinderlose Paare auf eine Behandlung als im Jahr zuvor. Die Zahlen hätten sogar noch höher ausfallen können, die meisten Kinderwunschzentren der Universitäten waren nämlich in den Anfangsmonaten der Pandemie komplett geschlossen.

Offensichtlich ließen sich die Paare trotz der Unsicherheiten, die die Corona-Pandemie mit sich bringt, nicht abschrecken. Patricia Klinzing geht davon aus, dass vielen Patienten der Lockdown mit Homeoffice entgegenkam. Während einer Kinderwunschbehandlung fallen etliche Termine an. Dem Arbeitgeber oder auch den Kollegen seien die Paare nun nicht rechenschaftspflichtig gewesen.

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Ungewollte Kinderlosigkeit noch immer Tabuthema

Ungewollte Kinderlosigkeit sei, sagt Klinzing, für viele ein Tabuthema. Nun hätten die Paare ihre Zeit flexibler einteilen können. Ein weiterer Grund könnten die Kosten sein. 2020 fiel für viele Menschen der Urlaub aus. Das gesparte Geld hätten die Paare nun für Nachwuchs ausgeben können, sagt Klinzing. Eine Kinderwunschbehandlung kostet in der Regel eine vierstellige Summe.

Nur die Hälfte davon übernehmen die Krankenkassen, und das auch nur, wenn die Paare verheiratet sind. Hochgerechnet ist lediglich jeder fünfte Behandlungszyklus erfolgreich. In den meisten Fällen lassen sich Paare daher mehrmals hintereinander behandeln. Für die Patienten ist also unklar, mit welchen Kosten sie rechnen müssen.

Thüringen unterstützt Paare bei Kinderwunschbehandlung

Damit der von den Paaren zu tragende Eigenanteil nicht enorme Ausmaße annimmt, können sich auch Bund und Land an den Kosten beteiligen. Die Förderhöhe ist abhängig vom jeweiligen Bundesland, wo die Behandlung stattfindet. Thüringen ist eines der Länder, die den Paaren unter die Arme greifen. Hier werden auch unverheiratete Paare unterstützt. Seit April 2016, also seit fünf Jahren, gibt es diese Regelung.

Frauenärztin Dr. Patricia Klinzing in einer Videoschalte. 1 min
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Fr 09.04.2021 13:23Uhr 01:10 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/corona-impfung-schwangere-frauen-100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden so Kinderwunschbehandlung von 2.050 Paaren gefördert. Darunter auch jene von 130 Paaren ohne Trauschein. Insgesamt gab das Land dafür einen Betrag von deutlich über einer Million Euro aus.

Finanzielle Hilfe auch für unverheiratete Paare

Auf Anfrage von MDR THÜRINGEN sagte der Sprecher des Ministeriums, Frank Schenker, dass der Freistaat auch weiter unverheiratete Paare finanziell unterstützen werde. Ziel sei es, möglichst vielen Paaren ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Eine Förderung von unverheirateten Paaren sei zeitgemäß.

Aus freiwillig gemachten Angaben geht hervor, dass seit 2016 mindestens 450 Babys auf künstliche Weise in Thüringen gezeugt wurden. Die genaue Zahl ist nicht bekannt, aus datenschutzrechtlichen Gründen wird sie nicht erhoben.

Ein Baby schläft in den Armen der Mutter.
Seit 2016 sind mindestens 450 Babys auf künstliche Weise in Thüringen gezeugt worden. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Zahl der Neugeborenen in Thüringen seit Jahren rückläufig

Auch wenn die Corona-Pandemie eher einen Boom für die Kinderwunschzentren brachte, ist Patricia Klinzing skeptisch. Sie vermutet, dass die Krise insgesamt eher für einen Geburtenknick sorge. Statistische Angaben über Neugeborene gibt es für Thüringen bislang lediglich bis November 2020.

Demnach bestätigte sich der Trend der Vorjahre: In Thüringen ist die Zahl der Nachkommen rückläufig. Interessant werden die Statistiken ab Dezember 2020 sein, die ab kommenden Mai vorliegen. Dann wird sich zeigen, ob mit der Corona-Pandemie insgesamt noch weniger Kinder gezeugt wurden.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | 10. April 2021 | 07:50 Uhr

2 Kommentare

Matthi vor 3 Wochen

Nachtrag zu meiner Meinung. Ich habe mir verschiedene Internetseiten von Kinderwunsch Zentren Bundesweit angeschaut. Ergebnis eine Information zu Risiken und Nebenwirkungen die es gibt oder aktuell im Zusammenhang mit Corona fand ich nicht. Naja kann ich verstehen da geht es um viel Geld. Kommt womöglich erst das Geld verdienen und danach die Gesundheit der Frauen ? Jeder kennt den spruch wir Männer würden mit dem unteren Körperteil denken, ich Frage mal mit was denken Frauen wenns um den Kinderwunsch geht ? Schmeißen sie alle Risiken über Bord wenn die Biologische Uhr zu ticken anfängt ?

Matthi vor 3 Wochen

Ein Werbeartikel für Kinderwunsch Zentrum EF. Ich möchte betonen das ich keine Bewertung abgebe ob es richtig oder falsch ist nachzuhelfen. Ich pers. finde den Artikel oberflächlich da nicht auf Risiken und Nebenwirkungen eingegangen wird sondern in erster Linie wie Paare den Kinderwunsch finanzieren können, klingt wie Kundenwerbung Geldverdienen um jeden Preis ! Selbst wenn die Krankenkassen u. das Land Thüringen Zahlt bleibt ein vierstelliger Eigenanteil pro Versuch übrig, soviel ich weiß werden wohl nur 3 versuche von der Kasse bezahlt. Warum wurde im Artikel nichts zum Thema Hormontherapie Risiken für die Frau in Sachen erhöhtes Krebsrisiko (Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs) geschrieben, was ja bis heute nicht abschließend von Wissenschaftlern geklärt ist. Wir haben eine Corona Krise es wäre doch informativ gewesen, was passiert wenn sich eine Frau die gerade eine Hormontherapie macht Corona bekommt oder sich Impfen lässt. Darüber hätte doch die Leiterin aufklären können.

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