Corona - und dann? Corona-Krise: Landschaftsarchitektin fordert mehr Grün

Die Landschaftsplanerin Catrin Schmidt fordert im Zuge der Corona-Pandemie mehr städtische Grünflächen. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte die Direktorin des Instituts für Landschaftsarchitektur der TU Dresden, die Menschen bräuchten neben ihrem Wohnraum "mindestens genau dieselbe Fläche im Freiraum".

Zahlreiche Menschen haben sich in einem Park versammelt, gehen spazieren und spielen Tischtennis
Spazieren, spielen, relaxen - viele Menschen suchen Ausgleich in Grünanlagen. Bildrechte: Kevin Müller

Schmidt stützt sich auf aktuelle Umfragen. So konnte die Techniker Krankenkasse zeigen, dass bundesweit 45 Prozent mehr Menschen im Lockdown häufiger spazieren gehen als vorher. Bei einer Befragung in Leipzig waren es 28 Prozent, die häufiger die Parks um die Ecke nutzen.

Mit der Pandemie veränderten sich auch die Nutzer und damit die Altersgruppen, die das Grün um die Ecke wertschätzten. Dabei gehe es nicht allein ums Spazieren oder um die Spielplätze für Kinder. Fehlende Grünanlagen seien beim Freizeitsport deutlich zu spüren. Allein für Jogger bedürfe es Laufstrecken von "mindestens zehn Kilometer" im Grünen.

Grünanlagen gegen Hitze im Sommer

Die Landschaftsplanerin sagte, durch den Klimawandel gebe es jährlich etwa doppelt bis dreimal so viele Hitzetage wie im Mittel vor rund 50 Jahren. Grünanlagen könnten diese Hitze mindern. Durch die vermehrte Trockenheit jedoch sei die Vegetation in Parks vorgeschädigt. Nun komme eine verstärkte Nutzung hinzu.

Kind bekommt einen Eimer Wasser übergeschüttet.
In den Sommermonaten werden Betonstädte zur glühenden Wüste. Bildrechte: imago/ZUMA Press

Die Pandemie zeige einen Handlungsbedarf der Städte, sagte Schmidt: "Grünanlagen sind kein 'Nice-to-have', sondern schlichtweg ganz notwendig". Der "Megatrend" zur Urbanisierung, also zu mehr Verkehr und Bebauung, werde anhalten, könnte jedoch im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung abgebremst werden.

Kontraproduktiv wäre, wenn nach der Pandemie der anhaltende Trend zum Eigenheim "noch viel stärker gelebt werden würde", da dann die Flächeninanspruchnahme an Verkehrs- und an Siedlungsflächen weiter voranschreite. Schmidt forderte, das diese Krise dazu dienen sollte, "unsere Kreativität zu fordern" - vielleicht gebe es neue Lebenskonzepte und Wohnformen.

Mann kühlt sich auf seiner Terrasse mit einem Ventilator ab 19 min
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MDR THÜRINGEN - Das Radio Sa 24.04.2021 05:00Uhr 19:04 min

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Corona-Krise als Chance zum Umdenken

Die Krise biete die Möglichkeit, aus gewohnten Denkmustern auszubrechen. Angesichts des Klimawandels sei das auch nötig. Als Beispiel nannte Schmidt den weltweiten Ressourcenverbrauch. Gegenwärtig würden die Menschen so leben, als hätten sie 1,6 Erden zur Verfügung. Die Menschen verbrauchten also deutlich mehr, als die Natur regenerieren könne.

Zwei Mädchen spazieren durch den Wald.
Kinder brauchen frische Luft und Bewegung. Bildrechte: Colourbox.de

Sie habe es bezeichnend gefunden, dass im vergangenen Jahr der so genannte Earth Overshoot Day, also der Tag, an dem die globalen Ressourcen des Jahres verbraucht sind, erstmalig deutlich nach hinten rückte. Hochrechnungen zufolge war der Earth Overshoot Day 2019 am 29. Juli, im ersten Corona-Jahr dagegen erst am 22. August. Damit ähnelte der weltweite Ressourcenverbrauch dem Jahr 2005.

Schmidt sagte, das sei zwar nicht Folge einer nachhaltigen Veränderung gewesen, zeige aber, dass es sinnvoll sei, Dinge in der Gesellschaft zu überdenken.

Catrin Schmidt, Direktorin des Instituts für Landschaftsarchitektur der TU Dresden 2 min
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Mo 19.04.2021 12:30Uhr 02:22 min

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Zur Person Landschaftsarchitektin Catrin Schmidt ist Professorin für Landschaftsplanung an der TU Dresden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

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Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 24. April 2021 | 05:00 Uhr

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