Corona-Pandemie Thüringer Kabinett stellt Fahrplan für Lockdown-Lockerungen vor

Rutscht der landesweite Coronavirus-Inzidenzwert unter 100, sollen Gaststätten, Einzelhandel und Friseursalons in Thüringen unter strengen Auflagen öffnen dürfen. So sieht es der Stufenplan der Landesregierung vor, der Mittwoch in die Bund-Länder-Konferenz eingebracht werden soll.

Einen Tag vor einer neuerlichen Corona-Beratung der Länder-Ministerpräsidenten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Thüringer Landesregierung am Dienstag einen Stufenplan für Lockerungen vorgestellt. Dieser soll in die Konferenz am Mittwoch eingebracht werden - und als Grundlage für kommende Corona-Verordnungen in Thüringen dienen.

Vorgesehen sind fünf Stufen mit einem unterschiedlichen Grad an Öffnungen - abhängig vor allem vom Infektionsgeschehen, aber auch unter Berücksichtigung der Impfquote und der Nachverfolgung von Infektionsketten. So ist etwa vorgesehen, dass Friseursalons und Kosmetikstudios bei einer Inzidenz (Neuinfektionen binnen sieben Tagen und gerechnet auf 100.000 Einwohner) unter 100 unter bestimmten Regularien geöffnet werden dürfen.

Plan sieht Lockerungen ab Inzidenz unter 100 vor

Auch Einzelhandel und Fitnessstudios sollen ab einer Inzidenz unter 100 ihre Kunden empfangen dürfen, ebenfalls unter strengen Hygieneauflagen. Gleiches gilt für die Gastronomie, jedoch nur bis 21 Uhr. Wenn die Inzidenz unter 50 fällt, sollen Treffen von maximal fünf Erwachsenen aus zwei Haushalten in privaten Räumen zulässig sein - Kinder unter 14 Jahren zählen dabei nicht mit. Ebenfalls sollen bei einer Inzidenz unter 50 religiöse Veranstaltungen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen mit bis zu 100 Gästen zulässig sein - soweit Abstand gehalten wird und Masken getragen werden.

An die mögliche Öffnung von Bars, Diskotheken und Clubs ist laut dem Stufenplan erst ab einer Inzidenz von unter 25 zu denken. Dienstagmittag lag der thüringenweite Wert für neue Infektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen bei 143.

Der Plan sei als "Orientierungsrahmen für Thüringen" zu verstehen, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am Dienstag. "Wir sind immer noch das Bundesland mit der höchsten Inzidenz." Eine Inzidenz von unter 10 sei das Ziel, aber die verschiedenen Stufen sollen dabei helfen, bei entsprechender Entwicklung "ein Stück weit Normalität zu ermöglichen".

Der Stufenplan der Landesregierung, der auch dem Landtag vorgelegt werden soll, stellt keine Verordnung dar, sondern soll als Grundlage neuer Verordnungen dienen. Die aktuelle Thüringer Corona-Verordnung gilt bis 19. Februar. Die Landesregierung hofft, dass die Inzidenz bis dahin unter 100 gefallen ist, um erste Lockerungen zu ermöglichen.

Rufe nach Lockdown-Ausstiegsszenario für Thüringen

Kammern und Wirtschaftsverbände hatten in den vergangenen Tagen ein verbindliches Ausstiegsszenario verlangt und teils eigene Vorschläge gemacht. Der Stufenplan der Landesregierung orientiert sich an denen von Schleswig-Holstein und Niedersachsen, setzt aber eigene Akzente. Auch die Thüringer CDU hatte einen Stufenplan zum Ausstieg aus dem Corona-Lockdown erarbeitet. 

Das Thüringer Kabinett will an dem Konzept auch dann festhalten, wenn die Ministerpräsidenten und Kanzlerin Merkel am Mittwoch keinen bundeseinheitlichen Stufenplan beschließen.

Thüringenweite Inzidenz bei 143

In Thüringen meldeten die Gesundheitsämter am Dienstag insgesamt 6.577 aktive Infektionen. Das sind 286 weniger als am Montag. Die Ämter verzeichneten binnen eines Tages 191 Neuinfektionen. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion stieg um 28 auf 2.450. Die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag gemäß der Statistik von MDR THÜRINGEN bei 143 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 09. Februar 2021 | 19:00 Uhr

183 Kommentare

dimehl vor 12 Wochen

Ich habe einen Ablauf und ein mögliches weiteres Szenario beschrieben. Ein Szenario, welches weitgehend unabhängig von politischen Einflussnahmen ablaufen könnte: Viren mutieren unabhängig davon, was Politiker wollen. Von Wirtschaft und Unterdrückung habe ich wo etwas geschrieben ? Davon abgesehen hat keine Regierung ein Interesse daran, die Wirtschaft des eigenen Landes bewusst "an die Wand zu fahren". Wenn dies passiert, dann weil Fehler gemacht wurden. Es besteht aber doch wohl ein Interesse, an der Macht zu bleiben und die Kontrolle zu behalten. Die Antiterrormassnahmen z. Bsp. können auch zu anderen Zwecken missbraucht werden. Wie andere Massnahmen vielleicht ja auch...

faultier vor 12 Wochen

Werter funkwerker ,wir Handwerker sind weder Baumarkt noch Kreditbank für den Kunden ,das sollten sie ja wohl schon mal mitgekriegt haben und wie wir unsere Betriebe in punkto Lagerhaltung führen geht sie eine Sch.Dreck an ,sie arbeiten wohl noch mit einem Rechenschieber oder gibts bei ihnen auch schon moderne Arbeitsweisen?

emlo vor 12 Wochen

Ihre Behauptung bezüglich der PCR-Tests ist schlichtweg falsch! Die WHO hat lediglich darauf hingewiesen, dass ein Test, der sehr auffällig nicht zum Gesundheitsbild des Getesteten passt, wiederholt werden sollte, um Fehler bei der Probennahme und bei der Auswertung im Labor auszuschließen. Das heißt aber nicht, dass ein positiver Test keine Aussagekraft hätte, schon gar nicht bei Testergebnissen mit niedrigem Ct-Wert (bedeutet hohe Virenanzahl).

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