App zur Kontaktverfolgung Was Sie über die Luca-App wissen müssen

MDR THÜRINGEN-Reporter Jonas Wölke
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Die Luca-App soll die Kontaktverfolgung für die Gesundheitsämter vereinfachen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und sein Kabinett halten die App für einen wichtigen Baustein, um wieder mehr Lockerungen der Corona-Regeln in Thüringen zuzulassen. Doch was macht die App und wo liegt der Unterschied zur Corona-Warn-App der Bundesregierung? Fragen und Antworten haben wir für Sie zusammen gefasst.

Luca-App
Die Luca-App könnte bald in ganz Thüringen eingesetzt werden zur Kontaktnachverfolgung. Bildrechte: culture4life GmbH

Wie funktioniert die Luca-App?

Die Handhabung ist recht einfach: Die App wird auf das Smartphone heruntergeladen, der Nutzer muss seine Daten eingeben und die Anmeldung mit einem Code bestätigen. Nun hat die App einen QR-Code erzeugt. Im Menü kann nun wählen, ob man "einchecken" möchte, beispielsweise bei seinem Restaurantbesuch oder einen weiteren QR-Code scannt, um beispielsweise an einem privaten Treffen teilzunehmen.

So entsteht nach und nach eine Art Kontakttagebuch, das sich in der App nachschauen lässt. Sobald ein Mensch positiv auf Covid-19 getestet wird, kann er seine Informationen aus dem Kontakttagebuch an das Gesundheitsamt übermitteln. Die Hoffnung: Informationen können schneller ausgetauscht werden und ebenfalls Betroffene werden schneller informiert.

Der Rapper "Smudo" erklärt, wie die Luca-App funktioniert 3 min
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Rapper Smudo von den "Fantastischen Vier" ist Mitinitiator der App. Im Video erklärt er, wie die App funktioniert und warum er sich eine flächendeckende Nutzung wünscht.

Fr 05.03.2021 14:50Uhr 02:38 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/video-smudo-erklaert-luca-app-100.html

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Video

Wie sieht die Luca-App aus datenschutzrechtlicher Perspektive aus?

Grundsätzlich gut, meint Thüringens Landesdatenschutzbeauftragter Lutz Hasse. Die Daten, die die App sammelt, werden verschlüsselt auf dem Gerät des Nutzers gespeichert und werden erst in dem Moment an das Gesundheitsamt übertragen, in dem der Nutzer seine Freigabe dafür erteilt. Die Daten werden 14 Tage in der App gespeichert.

Könnte mit der App die Dokumentationspflicht für die Gastronomie oder Veranstalter entfallen?

Nein, denn Gastronomie und Veranstalter sind weiterhin in der Pflicht, im Falle eines Covid-19-Falles in ihrem Lokal alle Gäste darüber zu informieren. Geregelt ist das in §3 der Thüringer Corona-Grundverordnung. Dort ist auch die Nutzung digitaler Kontaktverfolgungssysteme geregelt und dort steht: "Die Erfassung, Aufbewahrung und Verarbeitung der Kontaktdaten kann auch durch browserbasierte Webanwendungen oder Applikationen erfolgen."

Entscheidet sich ein Gastwirt also die Kontaktdaten ausschließlich mit der App zu registrieren, muss er auch sicherstellen, dass alle Gäste die App ebenfalls nutzen und ihre Daten darüber korrekt eintragen und im Falle des Falles zur Verfügung stellen. Kann der Wirt das nicht, muss er aber auch weiterhin die Daten auf Papier einsammeln.

Wie wird die Luca-App finanziert und wie funktioniert die Registrierung für Gastronome? Rapper und Mitinitiator Smudo erklärts. 1 min
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Was ist mit Menschen, die kein Smartphone haben?

Menschen ohne Smartphone können die App selbst natürlich nicht nutzen. Trotzdem wird in einigen Modellregionen bereits mit Schlüsselanhängern experimentiert, die ebenfalls einen QR-Code enthalten und von der App erkannt werden.

Das Einchecken geht aber auch ohne Smartphone oder Schlüsselanhänger: Nutzer können sich an Orten, die das Luca-System verwenden auch immer über ein Kontaktformular einchecken. Die Entwickler selbst empfehlen allerdings die Verwendung der Luca-App.

Sind die Thüringer Gesundheitsämter überhaupt schon an das System der App angeschlossen?

Nein, im Jenaer Gesundheitsamt lief zwar bereits im vergangenen Jahr der Testbetrieb, aber bis alle 22 Gesundheitsämter in Thüringen an das Luca-System angeschlossen sind, könnte es noch dauern. Immerhin: Das System soll in den nächsten Tagen im Thüringer Landeskabinett vorgestellt werden.

Sobald dann Details (Kosten, Finanzierung, Verträge, Ausschreibung) geklärt sind, könnte das System und damit auch die App flächendeckend in Thüringen eingesetzt werden, so das Thüringer Gesundheitsministerium auf MDR THÜRINGEN-Anfrage.

Wurde schon mal getestet, wie alltagstauglich diese Kontaktverfolgungs-Apps sind?

Ja und das sogar unter anderem bei uns in Thüringen. In Jena hat die Stadtverwaltung das Luca-System bei mehreren Stadtratssitzungen im vergangenen Jahr getestet. Dazu mussten sich Zuschauer, Mitarbeiter und Stadtratsmitglieder registrieren. Testweise wurde dann ein Mensch herausgesucht und als "Corona-positiv" ausgekundschaftet.

Natürlich war derjenige in Wirklichkeit gesund. Mit dem Ergebnis ist die Stadtverwaltung zufrieden. Denn die standardisierten Daten aus der App entlasten die Mitarbeiter im Gesundheitsamt, die nicht mehr wie ein Detektiv rätseln müssen, wer noch alles kontaktiert werden muss.

Test der Stadtverwaltung Jena mit Luca-System

Im Interview erklärt Carsten Müller, stellvertretender Werkleiter bei Jena Kultur, wie der Test des Luca-Systems im vergangenen Jahr in seiner Stadtverwaltung ablief und warum das System die Mitarbeiter des Gesundheitsamts entlastet.

Carsten Müller von JenaKultur erklärt den Test der Stadtverwaltung Jena 14 min
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Die Luca-App wurde im vergangenen Jahr von der Jenaer Stadtverwaltung getestet. Wie dieser Test ablief und warum sich Carsten Müller, stellvertretender Werkleiter bei JenaKultur, mehr Einheitlichkeit wünscht.

Fr 05.03.2021 14:55Uhr 14:20 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/luca-app-test-gesundheitsamt-jena100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Was ist der Unterschied zwischen Luca-App und der Corona-Warn-App der Bundesregierung?

Bei der Luca-App muss der Nutzer aktiv den QR-Code einscannen in der App. Diese Informationen können nach Freigabe des Nutzers verschlüsselt an das Gesundheitsamt weitergegeben werden, das diese dann wieder entschlüsseln kann.

Der Vorteil: Die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erhalten im Falle einer Erkrankung durch die App direkt auch die Kontaktdaten, die Nutzer bei der Anmeldung angegeben haben. Dadurch, so die Hoffnung, ist die Chance höher, dass auch nur die Menschen benachrichtigt werden, die sich wirklich zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort befanden und so dem potentiellen Risiko einer Infektion ausgesetzt waren.

Luca-App
Funktionsweise der Luca-App grafisch dargestellt. Bildrechte: culture4life GmbH

Apps wurden mit unterschiedlichen Ansprüchen entwickelt

Die Corona-Warn-App der Bundesregierung macht für den Nutzer den Job des Einscannens via Bluethooth im Hintergrund. So erfasst die App, welche Handys sich in letzter Zeit in der Nähe des eigenen Handys befanden. Allerdings funktioniert die Eingrenzung der Kontakte bei dieser App nur eingeschränkt. Der Nutzer kann nicht einsehen, mit wem er Kontakt hatte oder an welchen Orten er war.

Im Falle einer Covid-19-Infektion muss er sich das gemerkt oder in im Kontakttagebuch der App aktiv eingetragen haben und diese Informationen an sein Gesundheitsamt samt aller Kontaktdaten weitergeben. Das machen nicht alle Menschen, darum ist mit dieser App die Kontaktnachverfolgung nicht ganz so einfach.

Außerdem sind immer wieder Probleme mit dem Einlesen der Testergebnisse aufgetaucht. So kann es sein, dass sich Viele zwar getestet haben, ihr Ergebnis aber nicht in die App eingetragen haben, weil der QR-Code des Tests nicht richtig von der App erkannt wurde.

Wäre eine App für alles nicht eigentlich besser?

Aus Nutzersicht bestimmt. Jedoch haben beide Apps verschiedene Herangehensweisen an die Kontaktnachverfolgung und sind unterschiedlich entwickelt und weit verbreitet. Während die Corona-Warn-App der Bundesregierung bereits über 20 Millionen Mal heruntergeladen wurde, wurde die Luca-App nur ein paar hunderttausend Male heruntergeladen.

Damit das System überhaupt funktioniert, muss die App aber von möglichst vielen Menschen genutzt werden. Am Ende entscheiden also wir alle, wie zuverlässig die Daten der Apps sind.

Können dann bald wieder Konzerte stattfinden?

Obwohl der Rapper "Smudo" selbst Mitinitiator der Luca-App ist, sieht er Konzerte in der nächsten Zeit noch nicht. Bei Konzerten seien einfach zu viele Menschen auf einem Fleck. Das sei auch mit dem Einsatz von Kontaktverfolgungs-Apps weiterhin schwer vorstellbar.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Ramm am Nachmittag | 04. März 2021 | 16:40 Uhr

55 Kommentare

emlo vor 32 Wochen

Ein Selbständiger, der negativ getestet wurde (ggf. nach einem zweiten Test, um auf Nummer sicher zu gehen) muss nicht in Quarantäne bzw. kann sie nach dem zweiten negativen Test verlassen.

Freies Moria vor 32 Wochen

@emlo: Fragen Sie mal Kinder in einem Kinderheim die Corona-positiv sind und 14 Tage auf ihrem Zimmer hocken und dann wieder rauskommen, ob die sich stigmatisiert gefühlt haben. Oder einen Selbständigen, der in Quarantäne muß obwohl er gar nicht positiv ist (nur in der Nähe eine Positiven war) und negativ getestet wurde.

emlo vor 32 Wochen

@Ernst678: Sie können mir sicher erklären, wie die Corona-Warn-App den "Gläsernen Bürger noch durchsichtiger macht". Wie das mit anonymisierten Daten gehen soll, würde mich wirklich sehr interessieren. Was aber viel wahrscheinlicher ist: Sie quatschen irgendwelchen Blödsinn nach und haben nicht die blasseste Ahnung wie diese Apps funktionieren. Damit disqualifizieren Sie sich für eine ernsthafte Diskussion selbst. Schönen Sonntag noch!

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