Bilanz zum Muttertag Corona: Mütter zwischen Lohnarbeit, Hausarbeit und Homeschooling

Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, das ist seit der Pandemie deutlich aufwendiger und stressiger geworden. Besonders viel bleibt dabei an Müttern hängen. Die steigende Belastung führt zunehmend zu psychischen Erkrankungen. Eine Bilanz zum Muttertag.

Eine Mutter arbeitet Zuhause an einem Laptop, während ihre beiden Kinder neben ihr malen und ein Buch ansehen.
Eine Mutter und ihre Kinder beim Homeschooling. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Nach Ansicht von Frauenvertretern sind Mütter in der Corona-Pandemie häufig besonders belastet. Wie die Gleichstellungsbeauftragte des Landes, Gabi Ohler, MDR THÜRINGEN sagte, ist zu Hausarbeit und Lohnarbeit noch das Homeschooling hinzugekommen. Das führe vermehrt zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder gar Burn-out. Zudem sind es Ohler zufolge meist Frauen, die in systemrelevanten Berufen "das Land am Laufen halten".

Gesellschaft ist "existenziell abhängig von Frauen"

Frauen arbeiten demnach besonders häufig in Pflegeberufen, Erziehung, Schulen, Supermärkten und bei Reinigungsfirmen. Damit ist die Gesellschaft, wie die Gleichstellungsbeauftragte sagt, "existenziell abhängig von Frauen". Dabei sei die Gesellschaft aber nicht bereit, ihre Systemrelevanz angemessen zu vergüten. Die Berufe in den genannten Branchen sind vor allem im unteren Einkommenssegment angesiedelt. Berufstätige im Einzelhandel und der Gastronomie müssen gerade zudem meist mit Kurzarbeitergeld auskommen.

Das Koordinieren von Beruf und Familie ist seit der Pandemie aufwendiger und stressiger geworden. Das berichtet auch Christine Schwarzbach von Landfrauenverband. Demnach sind es vor allem Mütter, die pandemiebedingt zusätzlich weitere Aufgaben übernehmen, darunter zum Beispiel das Unterrichten der Kinder von Zuhause aus. Wie Schwarzbach sagt, müssen sich Mütter oft selbst erst den Zugang zu Themen und Lehrmethoden erarbeiten, bevor sie sich gemeinsam mit ihren Kindern an den Schreibtisch setzen können. Auch das Organisieren von Hygienematerialien, wie medizinischen Masken, sei meist Aufgabe der Frauen. Genauso, wie das Bestellen von Kleidung, Schuhen und Schulmaterialien.

Häusliche Gewalt hat während Corona zugenommen

Friederike Theile, Geschäftsführerin des Landesfrauenrats, berichtet zudem, dass häusliche Gewalt in der Pandemie zugenommen hat. Sie rechnet in der kommenden Zeit mit einer steigenden Zahl an Frauen, die Schutz in Frauenhäusern suchen. Bereits im ersten Lockdown ist demnach zu beobachten gewesen, dass Hilfetelefone zwanzig Prozent mehr Anrufe erhielten. Die Landesgleichstellungsbeauftragte bestätigt, dass während des Lockdowns zunehmend Fälle von häuslicher Gewalt registriert werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 09. Mai 2021 | 09:00 Uhr

17 Kommentare

knarf2 vor 6 Wochen

Frau Sauer:Sie haben vollkommen Recht.In dem Punkt immer nur die Reichen bzw.Superreichen zur Kasse zu bitten wäre vollkommen richtig.Der Verbrauch dieser Ressourcen darf dann absolut nicht nicht sinnlos sondern zielgerichtet eingesetzt werden!Daß unser Bildungssystem nicht gerade Weltruhm hat wegen z.B.Lehrermangel usw. hat uns gerade jetzt die Pandemie gezeigt.

Alexa007 vor 6 Wochen

Warum glauben Sie, dass gerade ihr (Windel-?)Kind soziale Kontakte mehr braucht als Kinder, bei denen die bestehenden Regeln angewendet werden und die deshalb zu Hause bleiben müssen? Das Ziel der Schließung von Einrichtungen soll doch die Kontaktvermeidung sein, damit möglichst kurzfristig alle wieder in die Einrichtung gehen können.

Sia vor 6 Wochen

Ja, zum Glück haben wir die Pest mit der Cholera getauscht. Heute hat man Demokratie und Reisefreiheit, aber kaum Geld um das westdeutsche Model zu leben. Dazu kommt noch die Tatsache, dass man oftmals als Mutter an den "Herd" gezwungen wird, da es kaum Ganztagsbetreuung oder einen Hort gibt, oder gerade Westdeutsche gerne Mobbing alla "Rabenmütter" betreiben. Leider gibt es nicht das Best of von beiden Systemen. Aber immerhin werden mehr und mehr Selbstverständlichkeiten aus der DDR als neue Errungenschaften im Westen gefeiert.

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