Pandemie Corona-News vom 19. Oktober: Stadt berichtet von "gigantischen Infektionswellen" an Jenaer Schulen

+++ Teststrategie für Schulen nach Herbstferien vorgestellt +++ Mehr Landkreise in Warnstufe zwei +++ Infektionswellen an Jenaer Schulen +++ Corona-Inzidenz in Thüringen bundesweit am höchsten +++ Der Nachrichtenüberblick für Dienstag +++

Ein Mund- und Nasentschutz liegt im Unterricht auf einem Weltatlas.
In Jena sind zurzeit etwa 500 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne. Bildrechte: dpa

So geht es Mittwoch weiter

Sonneberg | Corona-Schwerpunkt an Schulen

Auch im Kreis Sonneberg verdichtet sich das Corona-Infektionsgeschehen an Schulen. Derzeit gibt es laut Landratsamt einen Schwerpunkt am Gymnasium Neuhaus am Rennweg. Von dort infizierten Schülern breiteten sich die Fälle auf Familien und über Geschwister auf andere Schulen und Kindergärten aus.

Betroffen seien unter anderem Steinach, Schalkau und Bachfeld. Mit 29 neuen Corona-Fällen am Dienstag habe der Kreis bei der Sieben-Tage-Inzidenz die rote Warnstufe erreicht. Insgesamt stehe er noch bei Gelb. Da die Infektionen auf wenige Einrichtungen eingrenzbar seien, sieht das Landratsamt noch keinen Anlass für strengere Regeln.

Thüringen | Kabinett einigt sich auf Teststrategie

Das Thüringer Kabinett hat sich auf eine Teststrategie an den Schulen geeinigt. Ähnlich wie nach den Sommerferien soll es nach den Herbstferien ein verbindliches Testangebot an allen Schulen geben. Kinder und Jugendliche, die nicht an den Tests teilnehmen, müssen dann in gesonderten Lerngruppen unterrichtet werden.

Die staatlichen Schulen werden damit verpflichtet, vom 8. November bis vorerst zum 25. November zwei Corona-Tests pro Woche anzubieten. Anders als nach den Sommerferien müssen Eltern aber damit nur in Warnstufe 3 mit einem Bußgeld rechnen. 

Kyffhäuser­kreis | Neue Corona-Regeln in Kraft

Im Kyffhäuserkreis ist die Testpflicht verschärft worden. Mit der am Dienstag in Kraft getretenen neuen Corona-Verordnung des Landkreises gilt jetzt die 3-G-Regel außer in Gaststätten und Freizeiteinrichtungen unter anderem auch bei öffentlichen Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit mehr als 50 Personen. Veranstaltungen mit mehr als 150 Personen in geschlossenen Räumen und mit mehr als 300 Personen unter freiem Himmel müssen bei der zuständigen Behörde beantragt werden.

Bei Verstößen sind Geldbußen bis 25.000 Euro möglich. Nach Angaben des Robert Koch-Institut liegt die Inzidenz am Dienstag im Kyffhäuserkreis bei 236. Das ist die höchste in Thüringen. Auch die Hospitalisierungsrate ist mit 20 die mit Abstand höchste im Freistaat.

Jena | Stadt sieht "gigantische Infektionswellen" an Schulen

In Jena sind nach Angaben der Stadt fast alle Schulen seit den Sommerferien von Corona-Infektionen betroffen gewesen. Derzeit müsse davon ausgegangen werden, dass 500 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte in Quarantäne sind, hieß es bei einer Pressekonferenz der Stadt am Dienstag. Die Rede war dabei von "gigantischen Infektionswellen an den Schulen". Zum Vergleich: Zuletzt gab es in Jena knapp 15.000 Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen.

Die Landesregierung habe bislang die Auffassung vertreten, dass Schulen keine signifikanten Infektionstreiber seien, sagte Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP). "Das ist natürlich hochgefährlich. Wir sehen das anders." Derzeit komme man mit der Eindämmung nicht mehr hinterher. Das habe zu einer Situation geführt, die nicht mehr zurückgedreht werden könne.

Thüringen | Anzeigen wegen gefälschter Impfausweise nehmen zu

In Thüringer Apotheken sind in den vergangenen Tagen mehrere Menschen mit gefälschten Impfausweisen erwischt worden. Die Polizei informierte am Dienstag über Fälle in Erfurt, Weißensee und Gebesee (beide Landkreis Sömmerda). Die Apothekenmitarbeiter seien stutzig geworden, weil sie die Chargennummern nicht finden konnten. Sogar die Arztstempel in den Ausweisen seien gefälscht worden, hieß es. Die Betroffenen müssen sich nun wegen Urkundenfälschung verantworten.

Erst vor wenigen Tagen hatten Kassenärztliche Vereinigung und Thüringer Gesundheitsministerium einen starken Anstieg solcher Delikte gemeldet. Die Frauen und Männer hofften, mit den gefälschten Unterlagen an digitale Impfzertifikate zu kommen. Apotheken seien sensibilisiert und angehalten, jeden Verstoß anzuzeigen.

Landeselternvertretung gegen allgemeine Testpflicht

Die Thüringer Landeselternvertretung warnt vor einer überstürzten Änderung der Corona-Test-Regeln an Schulen. Sprecherin Claudia Koch sagte MDR THÜRINGEN, es helfe wenig, die Regeln immer wieder umzuschreiben. Das sorge nur für Unruhe an den Schulen. Derzeit gibt es eine Testpflicht nur in den Landkreisen mit Corona-Warnstufe drei. Das betrifft momentan nur den Kyffhäuserkreis. Unter anderem die SPD hatte sich angesichts steigender Inzidenzen für eine Testpflicht ausgesprochen. Das Kabinett und der Koalitionsausschuss wollen in den nächsten Tagen neu über die Teststrategie beraten.

Warnstufe zwei für weitere Kreise - Mehr freie Betten auf Intensivstationen

Drei weitere Regionen in Thüringen sind in die Warnstufe zwei des Corona-Frühwarnsystems gerutscht. Neben Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen befinden sich nun auch die Landkreise Saale-Holzland, Greiz und die Stadt Gera in der zweiten Warnstufe, wie das Gesundheitsministerium am Dienstag in Erfurt mitteilte. Mit dem Auslösen der Warnstufe zwei können strengere Corona-Maßnahmen einhergehen. In der Warnstufe drei befindet sich derzeit der Landkreis Kyffhäuser, der eine Sieben-Tage-Inzidenz von 236,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche hat.

Die landesweite Belegung von Intensivbetten mit Covid-19-Patienten - einer der kritischen Faktoren für das Auslösen von Warnstufen - sank am Dienstag allerdings wieder knapp unter den wichtigen Schwellenwert von 6,0 Prozent, auf 5,9 Prozent. Liegt dieser Wert drei Tage in Folge über 6,0 Prozent, rutschen alle Landkreise und kreisfreien Städte mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz über 100 in die Warnstufe zwei.

Weimar | Stadt will 3G-Regeln einführen

In Weimar gilt ab Mittwoch nun doch die 3G-Regel in vielen öffentlichen Bereichen. Nach Angaben eines Sprechers hat die Stadt eine entsprechende Allgemeinverfügung erlassen - auf Weisung des Landes. Sie soll zunächst bis Ende Oktober gelten. Demnach dürfen nur noch Geimpfte, Genesene oder Getestete zum Beispiel Restaurants und Fitnessstudios nutzen oder in Hotels übernachten. In Weimar gilt aktuell Corona-Warnstufe 1. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut Robert Koch-Institut bei 180, die Hospitalisierungsinzidenz bei 1,5.

Jena | Sorge wegen Infektionen bei Jüngeren

Nicht nur Covid-19, sondern auch andere Infektionskrankheiten bei Kindern und jüngeren Menschen bereiten Thüringer Medizinern Sorgen. Wie der Jenaer Infektiologe Mathias Pletz mitteilte, liegen in Jena auch immer mehr jüngere, ungeimpfte Menschen zwischen Ende 20 und Mitte 40 auf der Intensivstation. Zudem sei die Zahl der Patienten mit dem Atemwegserreger RSV in der Klinik gestiegen. Das Problem sei, dass diese Infektionen nun alle zeitgleich auftreten würde, so Pletz.

Zwar treten schwere Covid-19-Verläufe bei Kindern nach Einschätzung des Leiters der Jenaer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, James F. Beck, eher seltener auf. Dennoch gebe es Fälle, bei denen Covid-19 Autoimmunerkrankungen nach sich ziehen würde.

Weimarer Land | Coronavirus breitet sich in Schulen weiter aus

Das Corona-Virus breitet sich vor allem an den Schulen in Weimar und im Weimarer Land weiter aus. So wurden Grundschüler aus Kranichfeld nach einer bekannt gewordenen Infektion in Quarantäne geschickt. Auch an der Regelschule Schöndorf und den drei Weimarer Gymnasien Goethe, Schiller und Humboldt wurden mehrere Infektionen nachgewiesen. Das Bildungsministerium spricht dort von einem "erweiterten Infektionsgeschehen". Das bedeutet, dass mehr als fünf Prozent der Personen in einer Einrichtung infiziert oder mehr als ein Viertel in Quarantäne sind.

Suhl | Zentralklinikum verschärft weiter Besuchsregeln

Das Suhler SRH Zentralklinikum verschärft die Besuchsregeln erneut. Wie ein Kliniksprecher mitteilte, können Patienten ab Mittwoch wegen der Corona-Lage nur noch in Ausnahmefällen besucht werden. Diese gelten unter anderem für Schwerstkranke und Patienten auf den Kinderstationen. Besucher müssen geimpft, genesen oder getestet sein. Zudem ist nur ein Besucher pro Patient zugelassen. Persönliche Arztgespräche sind für Angehörige nach vorheriger Absprache möglich. Väter dürfen weiterhin bei der Entbindung dabei sein. Alle Besuchsregeln sind auf der Internetseite des Klinikums abrufbar.

Thüringen | Corona-Inzidenz deutschlandweit am höchsten

Das Corona-Infektionsgeschehen in Thüringen nimmt weiter zu. Das Robert Koch-Institut (RKI) wies die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche am Dienstag mit 147,1 aus. Das ist weiter die höchste Sieben-Tage-Inzidenz unter allen Bundesländern. Am Montag hatte die Ansteckungsrate noch bei 138,9 gelegen. Deutschlandweit beträgt sie laut RKI 75,1, nach 74,4 am Vortag.
Die Gesundheitsämter in Thüringen meldeten seitdem nach RKI-Angaben 419 Neuinfektionen sowie sieben neue Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung. .

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem

Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Warnstufen-System für Corona-Regeln in Thüringen ab 24. August

Warnstufen-System für Corona-Regeln in Thüringen ab 24. August

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 19. Oktober 2021 | 19:00 Uhr

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