Pandemie Corona-News vom 28. Mai: Fast 40 Prozent der Thüringer haben erste Impfung erhalten

+++ Abgeordnete kehren in Plenarsaal zurück +++ Öffnungskonzept für kulturelles Leben +++ Landkreistag, Handwerk und Dehoga fordern Ausstiegszenario +++ Alle Corona-News im Überblick +++

Impfung gegen Covid 19 in einer Hausarztpraxis
Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums sind rund 841.600 Menschen in Thüringen bereits geimpft. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

So ging es am Samstag weiter

Thüringen | Infektionskurve weist weiter nach unten

Die Infektionskurve in Thüringen weist auch am Freitag nach unten. Die Gesundheitsämter meldeten 4.569 aktive Corona-Fälle, fast 250 weniger als am Donnerstag und gut 4.200 weniger als vor zwei Wochen. 13 weitere Menschen starben in Zusammenhang mit dem Virus.

Auch die Sieben-Tage-Inzidenz ist einen weiteren Tag in Folge gesunken, und zwar laut Robert Koch-Institut von 59 auf 56. Das war zwar ein kleinerer Schritt als in den Tagen zuvor, die Tendenz wird aber bestätigt.

Unterschiedliche Inzidenzwerte

In den vergangenen Tagen haben sich die Inzidenzwerte von MDR THÜRINGEN in den Kreisen Sonneberg und Nordhausen stark von den RKI-Zahlen unterschieden. Wie diese Differenzen zustande kommen, erklären wir hier:

Landtagsabgeordnete kehren in Plenarsaal zurück

Die Abgeordneten des Thüringer Landtags tagen künftig wieder im Plenarsaal des Parlaments. Angesichts der gesunkenen Corona-Infektionszahlen fänden die Plenarsitzungen nicht mehr in der Arena Erfurt, sondern wieder im Gebäude des Landtags statt, kündigte ein Sprecher des Parlaments am Freitag in Erfurt an. Das habe der Ältestenrat zuvor in seiner Sitzung einstimmig beschlossen.

Mit gesunkenen Inzidenzen sinke auch die Gefährdungs- und Risikostufe des Landtags, wonach sich der einzuhaltende Mindestabstand von zwei auf anderthalb Meter reduziere, erklärte der Sprecher. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert lag am Freitag laut Staatskanzlei landesweit bei 56,2 und in der Landeshauptstadt bei 33,2 bestätigten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Ungeachtet des Rückgangs der vergangenen Tage weise Thüringen aber immer noch bundesweit die höchste Inzidenz auf.

Fast 40 Prozent haben erste Impfung

Fast vier von zehn Thüringern haben inzwischen eine erste Impfung gegen Covid-19 erhalten. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums vom Freitag sind das rund 841.600 Menschen oder 39,5 Prozent der Bevölkerung. Mit zwei Spritzen vollständig immunisiert sind rund 399.000 Menschen - das entspricht einem Bevölkerungsanteil von 18,7 Prozent.

Bei den Menschen über 60 Jahre liegt der Anteil der vollständig Geimpften bei 35,6 Prozent, wie aus einer Übersicht des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Bei Jüngeren sind es knapp zehn Prozent. Von Donnerstag zum Freitag erhöhte sich die Zahl der Impfungen in Thüringen um knapp 26.000, dabei überwogen die Erstimpfungen.

Gotha | Landrat platzt der Kragen

Gothas Landrat Onno Eckert fordert vom Land zusätzliche Impfkontingente - und das sofort. Wiederholt habe das Land auf diese Bitte nicht reagiert. Ein erneutes Nein am Freitag bringe das Fass nun zum Überlaufen, so der SPD-Politiker verärgert. Bereits im April, als der Landkreis hohe Inzidenzen aufwies, sei eine Bitte um mehr Impfmöglichkeiten abgewiesen worden, so Eckert.

Das Land begründete die Entscheidung demnach so, dass bald ausreichend Impfstoff für ganz Thüringen zur Verfügung stehe. Das scheine aber nicht einzutreten, so Eckert. Sein Fazit: Die Landesregierung lässt den bevölkerungsreichsten Landkreis im Stich. Der Landrat will nun nach eigener Aussage Hilfe politisch einfordern. Laut Robert Koch-Institut lag die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag bei 114,2. Das ist thüringenweit der höchste Wert. Im Bundesvergleich gibt es nur einen Landkreis, der eine höhere Inzidenz aufweist.

Thüringen | Holter enttäuscht über fehlende Kinder-Impfdosen

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) hat sich enttäuscht darüber gezeigt, dass den Ländern keine zusätzlichen Impfdosen für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zur Verfügung gestellt werden. "Die große Hoffnung vor dem Impfgipfel war ja, dass zusätzlicher Impfstoff bereitgestellt wird. Das ist nicht aufgegangen und das ist eine große Enttäuschung", sagte Holter am Freitag.

Bei einer Gesundheitsministerkonferenz Anfang Mai hatten sich Bund und Länder darauf verständigt, dass die Länder Konzepte erarbeiten, um bis Ende August allen Kindern und Jugendlichen ab zwölf Jahren ein Impfangebot machen zu können. Der Bund sollte dafür die nötigen Impfdosen zusätzlich bereitstellen. Bei dem Impfgipfel am Donnerstag hieß es dann aber nach Angaben des Thüringer Gesundheitsministeriums, es werde keine zusätzlichen Impfdosen geben.

Es sei nun eine Herausforderung zu regeln, wie der Impfstoff verteilt werden soll, sagte Holter. "Jetzt muss geschaut werden: Wie kann man das Impf-Angebot für die Kinder und Jugendlichen auch mit der Versorgung der Kinderärzte und der Impfstellen absichern?" Thüringen werde bei der nächsten Beratung der Gesundheitsminister an die Zusage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) erinnern, kündigte das Gesundheitsressort in Erfurt an. Die Aussage der Bundesregierung, es werde keinen zusätzlichen Impfstoff geben, habe beim Impfgipfel überrascht.

Deutsch-land und die Welt | Überregionale Corona-Nachrichten

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Thüringen | Landkreistag und Handwerk fordern Ausstiegsszenario

Die Landräte und Landrätinnen in Thüringen fordern von der Landesregierung ein Corona-Ausstiegsszenario. Sich in einer vierten Welle von Verordnung zu Verordnung zu hangeln, sei im Interesse aller nicht mehr zu verantworten, heißt es in einem Statement des Landkreistages. Unterhalb der Bundesnotbremse könne die Sieben-Tage-Inzidenz nicht mehr das alleinige Kriterium für viele Einschränkungen sein. Vor allem im Außenbereich müsse unverzüglich wieder Normalität unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ermöglicht werden. Ab einer Inzidenz unter 35 dürfte es zudem keinerlei rechtliche Einschränkungen mehr geben.

Ähnlich äußerte sich das Thüringer Handwerk. Mit der neuen Verordnung müsse den weitreichenden Einschränkungen ein Ende gesetzt werden. Statt weiterhin auf restriktive Auflagen zu bauen, bräuchten die Betriebe endlich Erleichterungen, sagte Handwerkstag-Präsident Stefan Lobenstein. Vor allem müsse geklärt werden, ab wann Kontaktbeschränkungen, Schließungen, Test- und Maskenpflicht wegfallen. Auf Kritik stößt auch die Einführung einer Inzidenz-Untergrenze von 35. Das führe zu Verwirrung und Unübersichtlichkeit, so Lobenstein.

Auch Gaststättengewerbe kritisiert neue Corona-Verordnung

Kritik an der neuen Corona-Verordnung kam auch vom Hotel- und Gaststättenverband in Thüringen. Dehoga-Präsident Mark Kühnelt sagte, es könne nicht sein, dass alle anderen Bundesländer lockerten und Thüringen die restriktivsten Regeln beschließe und diese bis Ende Juni zementieren wolle. Wenn Gesundheitsministerin Heike Werner weiter bremsen wolle, dann sei sie verantwortlich dafür, dass Tourismus und Gastgewerbe in Thüringen massiver Schaden zugefügt werde.

Kühnelt forderte erneut, dass Hotels und Gaststätten im Innenbereich bereits ab einer Inzidenz unter 100 öffnen dürfen. Das Gastgewerbe sei kein Pandemietreiber. Im Entwurf der neuen Corona-Verordnung ist vorgesehen, dass das Gastgewerbe im Innenbereich erst ab einer Inzidenz unter 50 öffnen darf - und dann auch nur mit Terminvergabe, Testpflicht und Kontaktnachverfolgung für die Gäste.

Kyffhäuser­kreis | Keine Masken auf Wochenmarkt

Auf dem Sondershäuser Wochenmarkt muss ab nächsten Dienstag keine Maske mehr getragen werden. Wie die Stadt am Freitag mitteilte, ist die entsprechende Allgemeinverfügung des Kyffhäuserkreises ab 1. Juni aufgehoben und damit auch die Maskenpflicht im Freien. Auf dem Markt gelten demnach aber weiter die Abstandsregeln. In öffentlichen Innenräumen müsse außerdem weiter Maske getragen werden.

Suhl | Stadt prüft Protestaktion mit gehäkelten Masken

Gehäkelte Masken an Wanderparkplatzen in Suhl beschäftigen derzeit die Stadtverwaltung. Die Masken wurden von Unbekannten an Bäume gebunden und tragen die Aufschrift "Es reicht“. Offenbar soll mit der Aktion gegen die aktuellen Corona-Regeln protestiert werden. Der Stadtverwaltung war die Aktion bisher unbekannt. Nach einer Anfrage von MDR THÜRINGEN soll der Vorfall nun geprüft werden.

In Suhl wurde in der letzten Zeit immer wieder gegen die Corona-Regeln protestiert. Unter anderem gab es Autokorsos.

Thüringen | Weniger Geburten und mehr Sterbefälle

Die Corona-Pandemie hat sich in Thüringen laut Statistik noch nicht auf die Zahl der Geburten ausgewirkt. So wurden in Thüringen im vergangenen Jahr 15.991 Kinder geboren. Das waren 656 weniger als 2019. Der Rückgang fiel mit 3,9 Prozent damit nicht so hoch wie befürchtet aus. Laut Landesamt für Statistik sind andere Ursachen für die sinkenden Zahlen verantwortlich, wie zum Beispiel der Rückgang der Zahl der Frauen im gebärfähigen Alter.

Einen möglichen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie sieht die Behörde jedoch bei den Todesfällen. Auch wenn eine Auswertung der Todesursachen für 2020 noch nicht möglich sei, liefere die Analyse der monatlichen Geburten- und Sterbefallzahlen Anhaltspunkte dafür, dass die Corona-Pandemie im Jahr 2020 sich auf die Zahl der Gestorbenen ausgewirkt habe, so das Amt. Den Angaben nach stieg die Zahl der Gestorbenen vor allem ab Oktober 2020 deutlich an. Im Vergleich zu 2019 wurden insgesamt rund 1.000 mehr Todesfälle registriert.

In Erfurt und Jena wurden die meisten Kinder geboren, die wenigsten im Kreis Sonneberg. Die meisten Sterbefälle wurden, wie auch im Vorjahr, in Erfurt erfasst, die wenigsten in Eisenach, Suhl und Weimar.

Öffnungskonzept für das kulturelle Leben

In Thüringer Landkreisen mit niedrigen Inzidenzen kann das kulturelle Leben ab Mitte kommender Woche wieder anlaufen. Der Entwurf der neuen Corona-Verordnung des Landes lockert die Regeln in mehreren Bereichen. So sollen Theater, Opern und Freizeiteinrichtungen bei einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 ihre Innenräume öffnen dürfen. Besucher müssen dabei einen negativen Corona-Test vorlegen und ihre Kontaktdaten hinterlassen. Bei einer Inzidenz unter 35 soll die Testpflicht entfallen.

Veranstaltungen im Freien sollen ab einer Inzidenz unter 100 möglich sein, müssen aber beim zuständigen Gesundheitsamt beantragt werden. Außerdem soll bei einer Inzidenz unter 100 auch wieder Unterricht in Kleingruppen in Musikschulen möglich sein. Auch Chöre und Blasorchester sollen dann wieder gemeinsam unter freiem Himmel proben dürfen.

Sport soll in Gruppen von bis zu 20 Menschen ab einer Inzidenz von 100 möglich sein. Unterricht in Ballettschulen kann dem Entwurf zufolge ab einer Inzidenz unter 50 wieder stattfinden, dabei besteht eine Testpflicht. Die neue Verordnung wird derzeit noch beraten. Sie soll am kommenden Dienstag verabschiedet werden, am Mittwoch in Kraft treten und bis Ende Juni gelten.

Weimarer Land | Freilichtmuseum öffnet eingeschränkt

Am Wochenende öffnet das Gelände des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden im Weimarer Land wieder für Besucher. Allerdings bleiben die Häuser selbst geschlossen, wie Museumsleiterin Franziska Zschäck mitteilte. Blicke seien coronabedingt nur durch die Fenster möglich. Jedoch gebe es auch so einiges zu entdecken, hieß es.

Das Gelände ist weiträumig und wächst weiter. So wird beispielsweise aktuell ein altes Bauernhaus aus dem Kyffhäuserkreis aufgebaut. In der vergangenen Woche wurde sein Strohdach fertig gestellt. Auch ein Haus aus Südthüringen wird aufgebaut.

Alten­burger Land | Luftfahrt-Museum öffnet wieder

Das einzige Luftfahrt-Museum in Thüringen darf wieder für Besucher öffnen. Beim Verein Flugwelt Altenburg-Nobitz können sich Gäste ab Samstag wieder Flugzeuge und Hubschrauber aus nächster Nähe ansehen. Zugänglich sind 15 zivile und militärische Maschinen im Freigelände. Der Vorsitzende Patrick Nieswand sagte MDR THÜRINGEN, der Museumsverein habe durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr bereits mehr als 50.000 Euro Verluste hinnehmen müssen. Trotzdem halbiert der Verein zum verspäteten Saisonstart seinen Eintritt auf drei Euro pro Person. Diese Regelung gelte, so lange die Innenräume noch geschlossen bleiben müssen, so Nieswand.

Das Museum neben dem Flugplatz in Nobitz ist an Wochenenden und Feiertagen von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Betrieben wird es vom 2004 gegründeten Verein Flugwelt Altenburg-Nobitz. Als größtes Exponat können Besucher einen Lufttransporter vom Typ Transall besichtigen. 

Saale-Holzland-Kreiss | Tiergartenbesuch ohne Test

Der Tiergarten am Geyersberg in Eisenberg kann wieder ohne aktuellen Corona-Test besucht werden. Das teilte die Stadtverwaltung mit. Allerdings müssten sich Besucher weiterhin online vorab anmelden, damit eine Kontaktnachverfolgung möglich sei. Der Tiergarten Eisenberg lockt zurzeit mit Nachwuchs bei Mini-Schafen, Erdmännchen und Kängurus.

Rückblick: Der Corona-Ticker von Donnerstag

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Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 28. Mai 2021 | 19:00 Uhr

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