Pandemie Corona-News vom 8. April: 15 Prozent aller Thüringer zum ersten Mal geimpft

+++ Immer mehr Impfungen in Thüringen +++ Ramelow gegen Alleingang bei Sputnik V +++ Nordhausen will Modelprojekt verlängern +++ Wirtschaft spricht sich gegen Testpflicht für Unternehmen aus +++ Mehr als 100.000 Corona-Infektionen seit Pandemie-Beginn in Thüringen nachgewiesen +++

Eine Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft
Patientin wird in einer Hausarztpraxis gegen Corona geimpft (Symbolfoto). Bildrechte: imago images/Wilhelm Mierendorf

So geht es weiter | Ticker vom 9. April

Thüringen | Bedrohliche Lage auf den Intensivstationen

Die Infektionszahlen haben wieder ein bedrohliches Niveau erreicht, die Intensivmediziner schlagen Alarm. Deutlich mehr 20- bis 50-Jährige müssen im Krankenhaus behandelt werden. Ein Blick in drei Kliniken im Land. Zum Video:

Thüringen | Corona-Lage am Donnerstag

In Thüringen sind am Donnerstag nachweislich mehr als 10.400 Menschen aktiv mit dem Coronavirus infiziert gewesen. Das sind knapp 550 mehr als am Mittwoch und rund 1.400 mehr als vor zwei Wochen. Die landesweite Corona-Inzidenz ist weiter gesunken. Der Wert liegt jetzt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 181.

Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie rund 100.200 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Etwa 3.500 Infizierte sind gestorben.

Thüringen | SPD fordert mögliche Zweitimpfung mit Astrazeneca

Aus Sicht der SPD-Fraktion im Landtag sollten in Thüringen Zweitimpfungen mit Astrazeneca auf eigenen Wunsch möglich sein. Die Gesundheitspolitikerin Cornelia Klisch sagte, jeder solle selbst entscheiden können, ob er eine zweite Impfung mit dem umstrittenen Wirkstoff möchte oder nicht. Wer die erste Dosis Astrazenca gut vertragen habe, solle auch die zweite erhalten können, wenn er sich vorher vom Arzt beraten lasse.

Klisch hält es vor allem für Hochrisikopatienten für wichtig, dass diese schnell geimpft werden. Zudem gebe es bisher keine verlässlichen Daten darüber, wie gut ein zweiter Impfstoff wirkt und verträglich ist.

Thüringen | 15 Prozent aller Thüringer zum ersten Mal geimpft

15 Prozent aller Thüringerinnen und Thüringer sind zum ersten Mal gegen Corona geimpft worden. Das teilte das Thüringer Gesundheitsministerium mit. Am Mittwoch sind mit mehr als 16.500 Menschen thüringenweit so viele Menschen an einem Tag geimpft worden, wie noch nie. Allein bei den Hausärzten waren es gut 7.500 Menschen.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) sagte, besser hätte der Start in den Hausarztpraxen nicht laufen können. Sie hätten fast die Hälfte des gelieferten Impfstoffs gleich am ersten Tag genutzt. An einem Tag ist die Impfquote dadurch nach Angaben des Ministeriums um 0,7 Prozent gestiegen. Das zeige auch, dass in Thüringen noch viel mehr geimpft werden könne, wenn mehr Impfstoff vorhanden wäre.

Seit Mittwoch dürfen auch Hausarztpraxen in Thüringen ihre Patienten gegen Corona impfen. Sie hatten zunächst 20.000 Dosen bekommen. Nächste Woche soll noch einmal so viel geliefert werden.

Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum.
Ist die Ampulle von Biontech einmal geöffnet, muss der Impfstoff innerhalb weniger Stunden verimpft werden. Mal eben eine Corona-Impfung im Praxisalltag dazwischenschieben, geht damit kaum. Bildrechte: MDR/Martin Kliemank

Nord­hausen | Kreis will Modellprojekt verlängern

Nordhausens Landrat Matthias Jendricke (SPD) will auch in der kommenden Woche die Geschäfte im Kreis geöffnet lassen. Ein entsprechender Antrag ist am Donnerstagnachmittag beim Thüringer Gesundheitsministerium eingegangen. Der Landrat verweist dabei auf die niedrigen Inzidenzzahlen im Kreis Nordhausen. Zudem hätten sich die anfänglichen Schwierigkeiten bei dem Modellversuch in dieser Woche mit langen Wartezeiten bei den Schnelltestzentren inzwischen normalisiert. Weitere Testzentren seien geplant.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums soll spätestens bis Freitagmittag über den Antrag entschieden werden. Jedoch könne ein möglicher Beschluss von Ministerpräsidenten und Kanzlerin zu einem bundesweiten Lockdown am kommenden Montag das Nordhäuser Modell abrupt ausbremsen.

Thüringen | Ramelow für bundeseinheitliches Vorgehen bei Sputnik V

Die Thüringer Landesregierung will den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V nicht selbst bestellen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte MDR THÜRINGEN, er habe immer darauf gedrängt, Vorverträge für die Lieferung des Impfstoffes auf Bundesebene zu verhandeln. Das sei sinnvoller, als wenn jedes Bundesland einzeln Verträge abschließe. Die CDU und FDP im Landtag forderten Ramelow dagegen zum Handeln auf. Thüringen solle einen Vorvertrag für Sputnik abschließen, sagte der CDU-Fraktionschef Mario Voigt.

Thüringen | Wirtschaftsverbände gegen Testpflicht in Unternehmen

Nach der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen haben sich auch die IHK Erfurt und der Verband der Wirtschaft Thüringen (VWT) gegen eine Corona-Testpflicht für Unternehmen ausgesprochen. Der VWT erklärte, eine solche Testpflicht wäre eine "pauschale Misstrauenserklärung, für die es keine Grundlage gibt". Die Verbände verwiesen darauf, dass ein Großteil der Unternehmen freiwillig ihren Beschäftigten regelmäßige Corona-Tests anböten.

Die IHK Erfurt erklärte zudem, verpflichtende Tests würden die Unternehmen finanziell zusätzlich belasten. Die Beschäftigten sollten besser die zahlreichen Testzentren nutzen. Diese werden aus öffentlichen Kassen finanziert. Bundesweit wird angesichts hoher Corona-Infektionszahlen in der dritten Pandemiewelle eine Testpflicht für Beschäftigte in Unternehmen diskutiert.

Eisenach | Schulen und Kitas bleiben geschlossen

In der Wartburgregion bleiben Schulen und Kindergärten auch nach den Osterferien geschlossen. Nach Angaben des Landratsamtes ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen weiter sehr hoch. Die Auslastung der Kliniken und der Intensivbetten bewegt sich laut Landrat Reinhard Krebs (CDU) am Limit. Es seien derzeit keine Beatmungsbetten mehr verfügbar. Er bezeichnete es als unverantwortlich, Schulen und Kindergärten in dieser Situation wieder zu öffnen. Betroffen ist neben dem Wartburgkreis auch die Stadt Eisenach. Eine Notbetreuung soll es wie bisher geben. Die neue Regelung muss noch vom Land genehmigt werden.

Schmölln | Bürgermeister fordert Testpflicht an Schulen

Der Schmöllner Bürgermeister Sven Schrade (SPD) fordert eine Corona-Testpflicht an Thüringer Schulen. In einem offenen Brief an Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) schrieb er, freiwillige Tests seien kein sicherer Weg. Am Präsenzunterricht in den Schulen sollten nur Schüler teilnehmen dürfen, die zuvor negativ getestet wurden. Ansonsten könne nur online am Unterricht teilgenommen werden, fordert Schrade.

Thüringen | 100.000 Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie

In Thüringen ist am Donnerstag die Marke von 100.000 nachgewiesenen Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie überschritten worden. Die meisten - mehr als 8.000 Fälle - wurden bislang im Kreis Schmalkalden-Meiningen registriert. Die wenigsten zählte die Stadt Eisenach: Knapp 1.500. Insgesamt gelten knapp 86.000 frühere Infizierte als wieder genesen, mögliche Covid-Langzeitfolgen erfasst die Zahl jedoch noch.

In den vergangenen Wochen war der Wert aktiver Corona-Fälle im Freistaat stark gestiegen, seit Ostern geht die Sieben-Tage-Inzidenz zurück, zuletzt fiel sie wieder unter 200. Allerdings betont das Robert Koch-Institut auf seiner Website, dass sinkende Zahlen auch daran liegen könnten, dass rund um Ostern weniger Menschen einen Arzt aufsuchten und somit weniger getestet werde. Außerdem könne es sein, dass nicht alle Gesundheitsämter und Landesbehörden ihre Fallzahlen übermittelten.

Jena | Hautärzte raten zu Desinfektionsmitteln statt Seife

Ständiges Händewaschen mit Seife in der Corona-Pandemie hat zu mehr Handekzemen geführt. Darauf weist die Deutsche Dermatologische Gesellschaft hin. Sie empfiehlt, lieber zu Desinfektionsmittel zu greifen. "Die empfohlenen intensivierten Maßnahmen der Handhygiene bergen ein nicht unerhebliches Gesundheitsrisiko für die Entstehung von Handekzemen", sagte der Sprecher der Gesellschaft, Peter Elsner vom Uniklinikum Jena. Seife löse die Fette aus der Haut, die natürliche Barriere des Körpers werde zerstört.

Händewaschen mit Seife
Händewaschen mit Seife hilft gegen Krankheitserreger, belastet aber auch die Haut. (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/Jochen Tack

Unstrut-Hainich-Kreis | CO2-Ampeln für alle Schulen im Kreis

Der Unstrut-Hainich Kreis testet derzeit an zwei Schulen sogenannte CO2-Ampeln. Die Sensoren messen den Kohlendioxid-Gehalt in der Raumluft. Die Messwerte sollen Rückschlüsse auf den Aerosolgehalt in den Unterrichtsräumen geben. Durch die Anzeige kann genauer bestimmt werden, wann gelüftet werden sollte, so das Landratsamt. Damit soll eine eventuelle Virenbelastung in der Atemluft verhindert werden. Zudem erhöhe eine Umgebungsluft mit weniger Kohlendioxid auch die Konzentrationsfähigkeit. Wie Landrat Harald Zanker (SPD) mitteilte, erhielt der Kreis rund 230.000 Euro Fördermittel vom Land, um bis Ende Mai alle Schulen mit solchen CO2-Ampeln auszustatten.

Günstiges CO2 Messgerät mahnt zum Lüften
Sogenannte CO2-Ampeln sollen anzeigen, wann die Raumluft verbraucht ist. (Symbolfoto) Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Erfurt | Zoo sagt alle Sommer-Veranstaltungen ab

Der Erfurter Zoo hat für diesen Sommer alle Feste abgesagt. Die Corona-Pandemie lasse eine Planung und Verträge mit Künstlern nicht zu, erklärt Zoopark-Direktorin Sabine Merz gegenüber MDR THÜRINGEN. Betroffen sind das Kinderfest im Juni und die Tropenächte Mitte Juli. Einzig die Eigenveranstaltungen im Herbst ohne Bühnenauftritte wie die "Erfurter Zootage" im Oktober und die "Magischen Lichternächte" im November seien noch nicht gestrichen. Hier sei man flexibel und könne die Veranstaltung je nach Pandemie-Lage auch um eine oder zwei Wochen verschieben.

Ab Sonnabend darf der Zoo Erfurt wieder Besucher empfangen. Mehr dazu erfahren Sie hier:

Thüringen | CDU-Fraktionschef will Sputnik V so schnell wie möglich

Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt hat sich dafür ausgesprochen, dem Beispiel Bayerns zu folgen und einen Vorvertrag zum Bezug des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V abzuschließen. Die Landesregierung sollte aufhören zu zögern und sich umgehend Sputnik-Impfdosen sichern, so Voigt. Bereits vor einigen Tagen hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) den Einsatz von Sputnik V befürwortet. Die Bundesregierung solle die EU bitten, beim Hersteller entsprechende Impfmengen zu bestellen. Dies lehnt die EU jedoch ab, weil genügend Impfstoff anderer Hersteller bestellt sei.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft derzeit den Antrag auf Zulassung von Sputnik V in der EU. Bayern will sich jedoch schon vor einer möglichen EU-Zulassung Millionen Dosen des Vakzins sichern. Dazu wollte Bayern nach Angaben der Staatskanzlei einen Vorvertrag mit einer Produktionsfirma im schwäbischen Illertissen unterzeichnen. Es gehe um 2,5 Millionen Impfdosen. Inzwischen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass Deutschland im Alleingang ohne die EU bilateral mit Russland über eventuelle Lieferungen reden wolle.

Rückblick: Corona-Ticker für Thüringen von Mittwoch, 7. April

Quelle: MDR THÜRINGEN/seg/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 08. April 2021 | 19:00 Uhr

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