Pandemie-Ticker Corona-News vom 05. März: Weiter hohe Inzidenz in Thüringen

+++ Corona-Lage in Thüringen bleibt angespannt +++ Dermbach wird zum Hotspot +++ Land will Shopping-Experiment in Erfurt prüfen +++ Alle Corona-News im Überblick +++

Kein Alkohol! sowie Volle Innenstadt? Maske auf! ist in der Innenstadt von Erfurt auf den Boden gesprüht
Hinweis zum Alkoholverbot und zur Maskenpflicht in der Erfurter Innenstadt. Bildrechte: MDR/Michael Frömmert

Thüringen | Woher kommt die hohe Inzidenz?

Niedersachsen meldete am Freitag eine Corona-Inzidenz von 59. Brandenburg von 63, Sachsen von 79 - und Thüringen weist zurzeit eine Inzidenz von 129 aus. Das ist der höchste Wert unter den Bundesländern. Schon seit Wochen ist Thüringen trauriges Corona-Schlusslicht. Warum ist das so? Laut Thüringer Gesundheitsministerium gibt es dafür eine ganze Reihe von Gründen:

Thüringen | Corona-Lage am Freitag

Die Corona-Inzidenz ist in Thüringen nahezu gleich geblieben. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt landesweit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 129. Am Donnerstag lag sie bei 128. Die Zahl der aktiven Corona-Fälle ist dagegen leicht gesunken.

Eine Grafik zeigt die vier höchsten 7-Tage-Inzidenzen in Thüringen. 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Gesundheitsämter in Thüringen meldeten am Donnerstag 5.718 aktiv Infizierte. Das waren 36 weniger als am Donnerstag und 173 mehr als vor zwei Wochen. 14 weitere Menschen sind am oder mit dem Virus verstorben, insgesamt sind es nun 3.006.

Thüringen | Was Sie über die Luca-App wissen müssen

Die Luca-App soll die Kontaktverfolgung für die Gesundheitsämter vereinfachen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) und sein Kabinett halten die App für einen wichtigen Baustein, um wieder mehr Lockerungen der Corona-Regeln in Thüringen zuzulassen. Doch was macht die App und wo liegt der Unterschied zur Corona-Warn-App der Bundesregierung? Fragen und Antworten für Sie zusammen gefasst:

Erfurt | Gesundheitsministerium will Shopping-Experiment prüfen

Thüringens Gesundheitsministerium will die Erfurter Pläne zur Ladenöffnung prüfen. Das erklärte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage. Zugleich warnte Ministerin Heike Werner (Linke) vor Experimenten beim Innenstadt-Shopping. "Klar ist, wir müssen überlegen, wie wir Öffnungsstrategien in Zukunft umsetzen können", sagte Werner. Im Interesse des Gesundheitsschutzes der Menschen sollte das aber nicht über Experimente ohne die erforderlichen Voraussetzungen passieren.

Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) plant, Geschäfte in der Stadt für einen beschränkten Zeitraum für Stadtbewohner mit negativen Corona-Testergebnis zu öffnen. Er sei verhalten optimistisch, dass die Pläne vom Land genehmigt würden.

Dermbach | Starke Ausbreitung offenbar durch britische Mutation

Die Gemeinde Dermbach hat sich zum Corona-Hotspot im südlichen Wartburgkreis entwickelt. Der Kreisbeigeordnete Martin Rosenstengel (CDU) sprach von einem fast explosiven Anstieg der Infektionszahlen. Allein von Donnerstag bis Freitagnachmittag sei die Zahl der aktiven Fälle von 69 auf 111 angewachsen.

Treiber sei offenbar eine britische Mutante, die sich deutlich schneller verbreite, sagte Rosenstengel MDR THÜRINGEN. Es gebe bisher keine Erklärung, wie es zu dem Ausbruch gekommen sei. Alle Kindergärten und Schulen in der Region seien von Corona-Infektionen betroffen, zahlreiche Menschen in Quarantäne. Für Dermbach erwägt das Landratsamt eine Schnelltest-Aktion, um das Infektionsgeschehen besser überschauen zu können. Am kommenden Montag soll darüber entschieden werden.

Wegen der gestiegenen Infektionszahlen bleiben ab Montag alle Schulen und Kindergärten im Landkreis geschlossen. Rosenstengel sagte, ab einer Inzidenz von 200 habe das Landratsamt keine andere Wahl. Auch wenn es die Corona-Lage im nördlichen Wartburgkreis vergleichsweise entspannt sei, könnten Schulen und Kitas nicht nur in einem Teil des Kreises geschlossen werden.

Mittel­deutschland | MDR-Befragung zu Lockerungen im Lockdown

Ab dem kommenden Montag werden in Deutschland weitere Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen möglich. Viele davon sind jedoch abhängig von den regionalen Sieben-Tage-Inzidenzwerten, in Thüringen beispielsweise wird es erst eine Woche später Öffnungen geben. Gelingt es Ihnen, bei den Corona-Regeln den Überblick zu behalten? Was halten Sie von den beschlossenen Lockerungen? Und wie stehen Sie zu Impfungen und Schnelltests? Machen Sie mit bei der Online-Befragung MDRfragt!

Wartburg-kreis | Schulen und Kitas ab Montag geschlossen

Im Wartburgkreis sind ab Montag alle Schulen und Kindergärten geschlossen. Grund ist laut Landratsamt, dass der Kreis am Wochenende wahrscheinlich die Sieben-Tage-Inzidenz von 200 Corona-Neuinfektionen überschreiten wird. Deshalb sei eine neue Allgemeinverfügung erlassen worden, um auch den Beteiligten Planungssicherheit zu geben. Die Stadt Eisenach ist demnach nicht betroffen. Für Erst- bis Sechstklässler gibt es eine Notbetreuung. Laut Landesverordnung müssen Schulen und Kindergärten sofort geschlossen werden, wenn der Sieben-Tage-Wert 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner erreicht.

Auch der Landkreis Greiz schließt ab Montag alle Kindergärten und Schulen. Bereits geschlossen sind die Einrichtungen im Saale-Orla-Kreis, im Kyffhäuserkreis und in den Landkreis Schmalkalden-Meiningen und Hildburghausen. Hier liegt die Zahl der Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage über 200. In solchen Fällen hat das Bildungsministerium die Schließung angeordnet.

Thüringen | Erfurt wird zur Galerie - Kunst hinter Schaufenstern

Kunst ins Schaufenster und damit wieder sichtbar machen: Das ist die Idee des Re:boot Erfurt. Vom 5. bis 8 März verwandelt sich die Thüringer Landeshauptstadt in eine Galerie mit Ausstellungen an 50 verschiedenen Orten.

Bildungsministerium bei Schulöffnungen zurückhaltend

Das Thüringer Bildungsministerium will an den Corona-Grenzwerten für Schulöffnungen festhalten. Damit reagiert das Ministerium auf Äußerungen der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst. Sie hatte erklärt, die Schulen würden im März für alle Schüler wieder öffnen. Ein Sprecher des Ministeriums sagte, zurzeit sei noch nicht abzusehen, ob das im März für alle Schüler in Thüringen möglich sei.

Laut Thüringer Verordnung dürfen Schüler der oberen Klassen nur dann in die Schule gehen, wenn die Inzidenz eine Woche lang stabil unter 100 liegt. Der Thüringer Lehrerverband erklärte, die Schulen seien wegen der teilweise hohen Inzidenzen nach wie vor kein sicherer Ort.

Jena | Keine Großveranstaltungen im Frühjahr

Wie schon im vergangenen Jahr sind in Jena alle Großveranstaltungen im Frühjahr abgesagt worden. Neben dem Thüringer Holzmarkt, Anfang April, werden auch der Jenaer Frühlingsmarkt und das Kinder- und Familienfest "Dein Tag im Paradies" nicht stattfinden. Das teilte der Veranstalter JenaKultur am Freitag mit. Die Kulturarena im Sommer soll aber stattfinden.

Grund für die erneuten Absagen sind die momentane Pandemie-Situation und die unklare Verordnungslage. Die Zeit des Stillstands dauere immer länger, macht Carsten Müller, Vize-Chef von JenaKultur, seinem Unmut Luft. Auch die vergangene Ministerpräsidenten-Konferenz zeige der Veranstaltungsbranche keinen Planungshorizont. Die Absage der Märkte und Großveranstaltungen bedeute wieder keine Einnahmen für Künstler, Schausteller, Techniker und Caterer. Spätestens die nächste MP-Runde mit der Kanzlerin Ende März müsse verbindliche bundesweit geltende Regeln für die Veranstaltungsbranche bringen, so Müller.

Die Planungen für die Kulturarena Jena im Juli und August gehen indes weiter. Das mehrwöchige Open-air-Festival könne auch unter Corona-Bedingungen stattfinden - mit vielen Sitzkonzerten und abgestimmten Hygieneplan, so die Veranstalter.

Thüringen | Mobiles Impfteam auch in betreuten Wohnungen unterwegs

Auch in Thüringer Einrichtungen für betreutes Wohnen sind inzwischen mobile Impfteams im Einsatz. Wie ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung sagte, fuhren die Impfteams bisher vor allem klassische stationäre Pflegeheime an. Die Bewohner im Großteil der Pflegeheime hätten inzwischen ihre erste Impfdosis erhalten. Weiterhin sind 15 mobile Impfteams in Einsatz, die teilweise mehrere kleinere Einrichtungen in einer Tagestour zusammenfassen. Die Voraussetzung dafür, dass ein mobiles Impfteam eine Einrichtung besucht, ist die korrekte Anmeldung durch Heimleitung oder Träger.

Lehrerverband: Schulen sind keine sicheren Orte

Der Thüringer Lehrerverband betrachtet angesichts der Corona-Lage die Schulen als unsichere Orte. Nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Konferenz sagte Verbandschef Rolf Busch, die Gesundheit der Beschäftigten werde ebenso aufs Spiel gesetzt wie die der Schülerinnen und Schüler. Er sorge sich, weil sich die britische Corona-Mutante unter jüngeren Kindern offenbar verbreitet.

Die Annahme, dass Schulen vergleichsweise sicher seien, weil sich überwiegend Erwachsene mit infizieren, beruhe auf veralteten Untersuchungen zur ursprünglichen Virusvariante. Busch sagte, es sei anerkennenswert, dass Thüringen jetzt bevorzugt das Personal von Grundschulen und Kindergärten impft. Der Lehrerverband fordert daher, die weiterführenden Schulen erst dann zu öffnen, wenn auch dort das Personal die Chance hatte, sich impfen zu lassen.

Hild­burghausen | Mittlerweile 30 Klinikmitarbeiter mit Coronavirus infiziert

Am Krankenhaus in Hildburghausen haben sich inzwischen rund 30 Mitarbeiter mit dem Coronavirus infiziert. Wie ein Sprecher des Regiomed Klinikverbundes MDR THÜRINGEN am Freitag sagte, gab es auf drei Stationen diffuse Ausbrüche, die sich rasant ausgebreitet haben. Um die Versorgung der Patienten aufrecht zu erhalten, wurde eine Station vorübergehend geschlossen. Seit Freitag ist das Krankenhaus aber wieder im Normalbetrieb.

Alle Mitarbeiter und Patienten wurden den Angaben nach getestet. Insgesamt waren das rund 360 Tests. Von den meisten davon liegen die Ergebnisse bereits vor. Derzeit werden in dem Krankenhaus noch 21 Patienten auf der Coronastation versorgt.

Erfurt | Mai-Ausweichtermin für Kunstmesse "artthuer" abgesagt

Die Thüringer Kunstmesse "artthuer" findet auch zum Ausweichtermin im Mai 2021 nicht statt. Das teilte der Verband Bildender Künstler mit. Auch in diesem Frühjahr lasse die Corona-Pandemie keine Publikumsmesse mit mehreren Tausend Besuchern zu. Die Messe gilt als Leistungsschau der Bildenden Kunst im Freistaat und war ursprünglich für November 2020 geplant. Nun planen die Veranstalter mit November 2022.

Kritik an Shopping-Experiment für Erfurter wächst

Nach dem Vorschlag der Stadt Erfurt, den Einzelhandel in der Innenstadt an zwei Tagen für Corona-Negativ-Getestete zu öffnen, wächst die Kritik. Angesichts von stagnierenden Inzidenzwerten und Virus-Mutationen sei dieses Vorhaben nicht zu verantworten, so einige Thüringer Politiker.

Bad Köstritz | Bierverkauf im Einzelhandel stabil

Die Köstritzer Schwarzbierbrauerei (Landkreis Greiz) setzt weiter auf den Flaschenverkauf im Einzelhandel. Dort blieben die Zahlen stabil, während in der Gastronomie wegen des Lockdowns rund 49 Prozent weniger Bier verkauft wurde, heißt es in der Jahresmeldung des Unternehmens. Insgesamt schließt die Köstritzer Brauerei das Geschäftsjahr 2020 mit einem Umsatzminus von zwölf Prozent ab. Aktuell sind in der Brauerei 160 Mitarbeiter beschäftigt; darunter elf Auszubildende. Für dieses Jahr ist noch ein Ausbildungsplatz zum Maschinen- und Anlagenführer zu besetzen.

Der Corona-Überblick vom Donnerstag

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml/uka/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. März 2021 | 19:00 Uhr

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