Pandemie Corona-News vom 03. März : Ramelow will in Thüringen mit Luca-App Öffnungen ermöglichen

+++ Lockerungen bei Inzidenz unter 100 im Gespräch +++ Gericht lehnt Eilantrag von Einzelhändler ab +++ Corona-Lage nahezu unverändert +++ Die Corona-News in Thüringen im Überblick +++

Ein Mann schreibt eine Nachricht auf einem Smartphone.
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So geht es am Donnerstag weiter

Thüringen | Hausärzte sollen ab spätestens April impfen dürfen

Die Menschen in Thüringen sollen sich spätestens Anfang April auch in Hausarztpraxen gegen das Coronavirus impfen lassen können. Das kündigte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nach der Bund-Länder-Konferenz an.

Über die nächsten Schritte wird nach Angaben von Ramelow am Donnerstag das Kabinett beraten. Voraussetzungen für vorsichtige Öffnungen würden mit flächendeckenden Tests sowie mehr Tempo bei den Impfungen geschaffen. Er sei froh, dass der Bund vom 8. März an die Kosten für Tests übernehme, sagte Ramelow.

Thüringen | Land will mit Luca-App Öffnungen ermöglichen

Lockerungen der Corona-Einschränkungen sollen mit Hilfe eines verstärkten Einsatzes technischer Mittel wie der Smartphone-App Luca möglich werden. Das kündigte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) am späten Mittwochabend nach dem Spitzengespräch von Bund und Ländern an. Dies solle etwa die Kontaktnachverfolgung in Geschäften, aber auch in der Gastronomie und bei Veranstaltungen ermöglichen. Auf diese Weise lasse sich sicherstellen, dass, "falls jemand eine Infektion in seiner Nähe hat, er auch die Nachricht kriegt", sagte Ramelow.

Zugleich werde dafür gesorgt, dass "nur die Person selber" diese Information bekomme, so dass der Datenschutz gewahrt bleibe. Thüringen habe mit den Entwicklern der Luca-App bereits eine Vereinbarung geschlossen, um deren Vernetzung mit den IT-Systemen des Landes sicherzustellen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe nun in den Beratungen dafür geworben, dieses Thüringer Modell bundesweit zu übernehmen, sagte Ramelow. Mitinitiator der App ist Smudo, Musiker der Fantastischen Vier.

Weimar | Gericht lehnt Eilantrag von Einzelhändler ab

Die Einzelhandelsgeschäfte in Thüringen bleiben vorerst geschlossen. Das hat das Oberverwaltungsgericht in Weimar entschieden und einen Eilantrag eines in Erfurt ansässigen Einzelhändlers abgelehnt. Das Textil-Unternehmen hatte gegen die angeordnete Schließung auf Grundlage der Thüringer Corona-Schutzverordnung bis zum 15. März geklagt. Zudem hatte sich das Unternehmen angesichts der geöffneten Geschäfte für Waren des täglichen Bedarfs auf eine fehlende Gleichbehandlung berufen.

Wie das Gericht am Mittwoch mitteilte, sind keine durchgreifenden Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Thüringer Verordnung erkennbar. Der Senat betonte in seiner Urteilsbegründung aber auch, dass das Land die dynamische Lage ständig beobachten, überprüfen und gegebenenfalls anpassen müsse. Eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus.

Thüringen | Corona-Lage am Mittwoch

In Thüringen ist die Zahl der aktiven Corona-Fälle am Mittwoch nahezu gleich geblieben. Mit 5.530 aktiv Infizierten meldeten die Gesundheitsämter fünf Fälle mehr als am Dienstag und 376 mehr als vor zwei Wochen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt landesweit nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 124. Am Dienstag lag sie bei 125.

Insgesamt haben sich seit Beginn der Pandemie rund 77.900 Thüringerinnen und Thüringer nachweislich mit dem Virus angesteckt. 2.977 Infizierte sind gestorben.

Thüringen | Lockerungen bei Inzidenz unter 100 im Gespräch

Bei den Corona-Beratungen von Bund und Ländern sind Lockerungen für Regionen im Gespräch, in denen eine Sieben-Tage-Inzidenz von 100 stabil unterschritten wird. Das geht aus einem aktualisierten Beschlussentwurf für die Gespräche der Länder-Regierungschefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch hervor.

Neben Termin-Shopping-Angeboten könnten dann Museen, Galerien, zoologische und botanische Gärten "für Besucher mit vorheriger Terminbuchung" geöffnet werden. Ebenso könnte dort "Individualsport alleine oder zu zweit und Sport in Gruppen von bis zu zehn Kindern bis 14 Jahren im Außenbereich" erlaubt werden.

Der Plan könnte aber auch bedeuten, dass sich die Thüringer wegen der nach wie vor hohen Infektionszahlen noch in Geduld üben müssten. Mit 124,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tage wies der Freistaat auch am Mittwoch die bundesweit höchste Inzidenz auf. Thüringen ist damit das einzige Bundesland mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von über 100. Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz und ihre Konsequenzen für Thüringen würden in einer Kabinettssitzung voraussichtlich am Donnerstag beraten, hieß es von Mitgliedern der Landesregierung.

Die derzeitige Corona-Verordnung gilt bis einschließlich 14. März. Sie schreibt den Lockdown fort, hat aber Öffnungen an Schulen, von Friseursalons, Fahrschulen sowie Blumenläden, Gartencentern und Gärtnereien ermöglicht. Ob die Landesregierung an ihrem bisherigen Zeitplan festhält und eine neue Verordnung erst am 14. März in Kraft setzt, werde in den nächsten Tagen geklärt, hieß es.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hatte vor der Bund-Länder-Videokonferenz die Erwartung geäußert, dass sich die nächsten bundesweiten Schritte in der Corona-Pandemie nicht allein an Infektionswerten orientieren. Nach der Bund-Länder-Schalte am Abend will sich Ministerpräsident Ramelow äußern. Wir übertragen im Livestream.

Meiningen | Bus für spontane Tests

Für die Massenschnelltests im Landkreis Schmalkalden-Meiningen wird ab kommender Woche auch ein Bus mit geschultem Personal eingesetzt. Demnach soll der Bus beispielsweise vor Supermärkten oder anderen Orten mit viel Besucherverkehr halten und den Passanten auch spontane Tests auf das Coronavirus ermöglichen. Die jeweiligen Stationen werden tagesaktuell auf der Homepage des Landkreises veröffentlicht.

Noch mindestens in den nächsten zwei Wochen soll getestet werden. In Schmalkalden, Zella-Mehlis und Meiningen gibt es feste Testzentren. Außerdem sind mobile Testteams in den Gemeinden und Betrieben unterwegs. Bis Dienstagabend haben sich mehr als 3.000 Menschen per Antigen-Schnelltest freiwillig und kostenfrei testen lassen.

Thüringen | Wie benutzt man die Corona-Schnelltests richtig?

Habe ich Corona und sollte ich mich in Quarantäne begeben - oder ist es nur eine harmlose Erkältung? Eine sichere Antwort auf diese Frage kann nur ein Test geben, doch bislang war der Zugang dazu beschränkt. Jetzt aber sollen Corona-Schnelltests für zuhause genügend Testmöglichkeiten für alle bringen. Doch wie funktioniert der Test für daheim? Die wichtigsten Informationen haben unsere Kollegen von MDR WISSEN zusammengetragen:

Thüringen | Bei Schließung: Kita- und Hortgebühren werden bis Ende 2021 erstattet

Kita- und Hortbeiträge sollen in Thüringen während der Schließzeiten nun bis Ende 2021 erstattet werden. Linke, SPD und Grüne haben dazu Änderungen bei dem bereits vorgelegten Gesetzentwurf beschlossen. Grund sei die nicht absehbare Pandemieentwicklung. Zudem reagiert Rot-Rot-Grün auf die Kritik der CDU. Sie hatte moniert, das Elternbeiträge nur bei landesweiten Schließungen erstattet werden. Das wurde nun geändert. Nach dem jetzigen Entwurf sollen die Beiträge auch bei regionalen Kita-und Hortschließungen ausgesetzt werden, die auf landesrechtlichen Vorgaben beruhen. Die dadurch entstehenden Einnahmeausfälle sollen den Kommunen vollständig ersetzt werden.

Hörerfrage: Offene Grundschulen trotz steigender Inzidenzen?

Wegen den hohen Inzidenzzahlen müssen die Grundschulen in Südthüringen wieder schließen. Dabei könnten theoretisch die Schüler auch in kleineren Gruppen, dafür mit mehr Platz, unterrichtet werden. Ein Lehrer, der wegen seiner Anstellung beim Freistaat Thüringen anonym bleiben will, fragt sich, wie viel Platz Schülern und Lehrern überhaupt zur Verfügung stehen sollte, mit dem Hintergrund, dass zum Beispiel Angestellten im Großraumbüro etwa zehn Quadratmeter zustehen.

Pfiffelbach | Grundschule geschlossen

Das Landratsamt Weimarer Land hat die Grundschule in Pfiffelbach geschlossen. Die Zahl der mit Corona-infizierten Schüler hat sich auf inzwischen elf erhöht, wie es hieß. Auch ein Pädagoge sei positiv getestet worden, hieß es. Mehrere Klassen sind betroffen. Bis mindestens 12. März müssen die 63 Schüler und sechs Pädagogen zu Hause bleiben. Sie sind in Quarantäne, wie das Gesundheitsamt mitteilte. Am Mittwoch wurden auch die 5. und 6. Klassen der benachbarten Regelschule auf Corona getestet. Die Ergebnisse stehen noch aus, hieß es.

Erfurt | Ab Donnerstag: Präsenzunterricht wieder für alle Altersklassen

In Erfurt können alle Schüler ab Donnerstag wieder in die Schule. Der entsprechende Erlass des Thüringer Bildungsministeriums sei ihm am Mittwochmittag per Mail zugegangen, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) MDR THÜRINGEN. Die Schulen seien trotz der Kurzfristigkeit auf den Schulstart am Donnerstag gut vorbereitet, da sie die notwendigen Inzidenz-Werte seit Wochen kennen, so Bausewein.

In Erfurt liegt der Wert seit einer Woche unter der 100er-Marke. Damit dürfen alle Schulen öffnen und die Schüler aller Altersstufen wieder am Präsenzunterricht teilnehmen. Ob die Schulen Wechselunterricht anbieten sei ihnen überlassen, hieß es. In drei Schulen und sechs Kindergärten gibt es nach Stadtangaben aktuell Corona-Fälle, betroffen seien aber nur einzelne Erzieher, Klassen oder Gruppen. Schulen und Einrichtungen müssten deshalb nicht geschlossen werden.

Weimar | Weitere Corona-Fälle in zwei Firmen

In Weimar sind weitere Coronavirus-Infektionen in zwei mittelständischen Unternehmen bekannt geworden, darunter auch die britische Mutation B.1.1.7. Die Ansteckungen haben mittlerweile auch die Familien der Mitarbeiter erfasst, so die Stadtververwaltung. In den vergangenen 24 Stunden registrierte das Gesundheitsamt insgesamt zwölf neue Infektionen. Der Inzidenzwert lag laut Angaben des Robert-Koch-Instituts am Mittwochvormittag bei 61 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage.

Erfurt | Neues Impfzentrum an der Messe -Tausende Termine bereits vergeben

Für das Impfzentrum an der Erfurter Messe sind bisher 2.100 Termine vergeben worden. Das sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVT). Zunächst soll dort der Astrazeneca-Impfstoff verwendet werden. Das Impfzentrum Mittelthüringen in Erfurt soll in sieben Tagen, am 10. März, seinen Betrieb aufnehmen. Bis 1.440 Thüringer sollen hier pro Tag geimpft werden. Besonders Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, die zuhause gepflegt werden und Kontaktpersonen von Schwangeren könnten sich hier mit Astrazeneca impfen lassen.

Auch in Gera öffnet das Impfzentrum am 10. März. Auch hier wurden bis jetzt bereits über 1.300 Termine vergeben (Stand Mittwochvormittag).

Gotha | Ehrenamtliche Impfpaten gesucht

Der Landkreis Gotha sucht ehrenamtliche Impf-Paten. Sie sollen laut Diakoniewerk helfen, den über 80-jährigen Einwohnern einen Impftermin zu verschaffen. Für viele ältere Menschen seien die Online-Registrierung zur Terminvergabe und das Ausfüllen der Unterlagen nur schwer oder gar nicht zu bewältigen, sagte eine Sprecherin. Impf-Paten könnten älteren Menschen in ihrer Nachbarschaft, die keine familiäre Unterstützung haben, helfen.

Es gehe nicht darum, die Senioren zum Impftermin zu begleiten. Die Freiwilligenagentur Gotha bringt Impf-Paten und Impf-Willige telefonisch zusammen. Am Telefon füllen sie gemeinsam die Formulare aus. Impf-Paten benötigen ein Telefon, einen internetfähigen Computer und einen Drucker. Interessierte können sich bei der Freiwilligenagentur Gotha melden.

Thüringen | Fettleibigkeit und Medienkonsum: Corona-Folgen für Kinder

Kinderärzte in Deutschland befürchten drastische Folgen durch die Coronapandemie. Dominik Schneider von der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin sagte MDR THÜRINGEN, nicht das Virus sei für Kinder die große Gefahr, sondern das, was danach kommt. So würden Forschungen belegen, dass der Medienkonsum selbst bei Kindern unter vier Jahre deutlich zugenommen hat. Auch würden viele Schulkinder mit einem unstrukturierten Tag im Lockdown nicht zurecht kommen.

Thüringen | Kindergartengebühren: CDU kritisiert, Linke ist verwundert

Die in Thüringen von Linke, SPD und Grünen geplante Erstattung der Kita-Gebühren stößt bei der CDU auf Kritik. Nach Angaben der Union sieht der von Rot-Rot-Grün vorgelegte Gesetzentwurf vor, dass die Gebühren nur dann den Eltern erstattet werden, wenn die Kindergärten landesweit geschlossen waren. Dadurch würden die Eltern in den Landkreisen leer ausgehen, in denen Kindergärten wegen regionaler Corona-Fälle geschlossen worden seien. Es sei nicht zu verstehen, dass diese Eltern trotzdem weiter die Kita-Gebühren zahlen sollten. Zudem sollen laut CDU bei der Erstattung die Kosten zugrunde gelegt werden, die bei der Betreuung größerer Kinder entstehen. Die höheren Kosten für Kleinkinder würden aber nicht berücksichtigt.

Die Thüringer Linke zeigte sich über die Kritik der Union verwundert. Der Gesetzentwurf sei mit der CDU abgestimmt, sagte der bildungspolitische Sprecher Torsten Wolf. Der Entwurf sehe vor, dass es zwar regionale Schließungen geben könne, diese würden aber vom Land angeordnet. Damit würden auch die Kita-Gebühren bei regionalen Schließungen bis Jahresende unter bestimmten Bestimmungen erstattet.

Gera | Impftermine in neuem Impfzentrum verfügbar

Für das neue Geraer Impfzentrum in der Panndorfhalle können ab sofort die Termine gebucht werden. Allerdings können sich derzeit nur Menschen unter 65 Jahre mit bestimmten Berufen oder nachgewiesenen Vorerkrankungen registrieren. Für sie ist der Impfstoff von Astrazeneca vorgesehen. Laut Stadtverwaltung Gera wird ab dem 10. März geimpft. Die Termine können im Internet oder per Telefon gebucht werden.

Eisenach | Einsatz der Bundeswehr verlängert

Der Bundeswehr-Einsatz in zwei Eisenacher Pflegeheimen ist um weitere drei Wochen verlängert worden. Die drei Soldaten haben die Corona-Schnelltests übernommen für Besucher, Therapeuten und Mitarbeiter. Sie sind seit dem 12. Februar im Caritas Altenzentrum Elisabethenruhe und im Azurit Seniorenzentrum eingesetzt.

Der Corona-Überblick vom Dienstag

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 03. März 2021 | 19:00 Uhr

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