Corona - und dann? Massiver Geldfluss für Corona-Forschung - Jenaer Mediziner fordert langfristige Forschungsförderung

Weltweit bestimmen Coronaviren und Covid-19 gegenwärtig die medizinische Forschung. Deutschland hat massiv Gelder ausgeschüttet, um die Corona-Forschung voranzutreiben. Angesichts der Pandemie sei diese Forschung nötig, sagt Thomas Kamradt, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Uni Jena. Doch die raschen Erfolge beim Kampf gegen Corona beruhen auf jahrzehntelange Vorarbeit.

Medizintechniker bereiten im Institut für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen.
Medizintechniker bereiten im Institut für Infektionskrankheiten des Universitätsklinikums Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen. Bildrechte: dpa

Im Interview mit MDR THÜRINGEN zieht der Arzt und Immunologe Kamradt eine Parallele zur letzten SARS-Pandemie von 2002/2003. Damals sei die Seuche deutlich glimpflicher abgelaufen. Nach dem Ende habe der Eindruck geherrscht, das Problem sei "gelöst und weg". Doch Wissenschaftler schlugen damals schon Alarm: Die Frage sei nicht, ob, sondern wann die nächste Pandemie komme.

Ärztin, die einen Impfstoff für einen Patienten vorbereitet
Die nächste Pandemie kommt - durch Grundlagenforschung können schnell Medikamente entwickelt werden. Bildrechte: imago images / Westend61

Forschung ist abhängig von Förderung, die vor allem vom Staat kommt. Damals wie heute sei viel Geld für die Erforschung der Seuche geflossen. Thomas Kamradt sagt, Forschungsgelder sollten nicht nur "situativ" für ein bestimmtes aktuelles Thema ausgeschüttet werden. Das sei eine der wesentlichen Lehren aus der jetzigen Corona-Pandemie.

Wir wissen nicht, was die nächste Gesundheitskrise sein wird. Und das einzige, was uns hilft, ist Grundlagenforschung, auf die dann aufgebaut werden kann, um die akuten Probleme zu lösen.

Thomas Kamradt, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Uni Jena

Forschungsziele nachweisen

Normalerweise unterliegt die Vergabe von Forschungsgeldern strikten Qualitätskontrollen beispielsweise durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft, DFG. Um Gelder für ihre Projekte zu erhalten, müssen Wissenschaftler vorab ihre Vorarbeiten, Ziele und den Nutzen ihrer geplanten Forschung nachweisen. Das ist in der Regel ein aufwändiger Prozess. Viele Projekte werden zunächst abgelehnt. Das ist der übliche Weg der Wissenschaft in Deutschland. In der jetzigen Pandemie war einiges anders. Es musste schnell gehen.

Mit heißer Nadel gestrickt?

Kamradt glaubt, dass viele Forscher in dieser Zeit "ein bisschen mit dem Kopf geschüttelt haben". Teilweise mussten Gelder für die Forschung binnen weniger Monate ausgegeben werden. Das sei schwierig, denn ganz abgesehen von inhaltlichen Schwerpunkten müssten bei jeder Forschung zunächst Mitarbeiter gewonnen und eingestellt werden. Da sei einiges "mit heißer Nadel gestrickt" worden. Trotzdem sei "viel Sinnvolles" herausgekommen, sagt Kamradt. Die Behandlungsmöglichkeiten gegen Covid-19 hätten sich in kurzer Zeit enorm verbessert. Wenn die Pandemie überwunden sei, gelte es allerdings, wieder mehr nach den strikten Kriterien und strengen Qualitätskontrollen Gelder zu vergeben.

Grundlagenforschung nötig

Noch immer gebe es offene grundsätzliche Fragen in der Medizin. Als Beispiel nennt Kamradt sein eigenes Fachgebiet, die Immunologie: Wie funktioniert das immunologische Gedächtnis? Wie tragen langlebige Zellen das immunologische Gedächtnis? Was kann man machen, um sie am Leben zu erhalten? Wie werden sie möglicherweise gestört?

Erkenntnisse solcher grundlegenden Fragen hätten keinen unmittelbaren Bezug auf irgendeine bestimmte Erkrankung, sondern dienten dem Verständnis von Krankheitserregern und der körpereigenen Antwort auf sie. Solches Wissen helfe dann, eine jeweils aktuelle Infektionskrankheit zu bekämpfen. Kamradt sagt, niemand wisse, ob die nächste Pandemie Covid-23 oder Covid-35 heiße. "Aber das wieder so was kommen wird, ist gewiss".

Ein Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeitet in einem Labor.
Ein Mitarbeiter des Biotechnologie-Unternehmens Biontech arbeitet in einem Labor. Bildrechte: Biontech/dpa

Die Person Thomas Kamradt ist Dekan der Medizinischen Fakultät an der Uni Jena. Sein Fachgebiet ist die Immunologie.

Serie

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Anke Langner, Erziehungswissenschaftlerin der TU Dresden
Bildrechte: MDR/Technische Universität Dresden
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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 05. Juni 2021 | 05:00 Uhr

1 Kommentar

Goldloeckchen vor 13 Wochen

„ Deutschland hat massiv Gelder ausgeschüttet, um die Corona-Forschung voranzutreiben“

Corona?
Geht es nicht um covid 19?

😳🙄🤔

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