Pandemie Der Lockdown - ein Knockdown? Was macht die Corona-Auszeit mit unseren Kindern?

Kein Fußballtraining, keine Probe mit dem Chor und die Freunde nur via Internet sehen. Der Lockdown verlangt auch Kindern und Jugendlichen Einiges ab. Bereits jetzt sind Folgen abzusehen. Die Gesundheit leidet. Ärzte und Psychologen schlagen Alarm.

Der Schatten eines Kindes mit Laufrad
Ein Kind fährt allein Laufrad. Aktuell müssen Kinder und Jugendliche auf viele Dinge verzichten, vor allem aber auf soziale Kontakte mit Gleichaltrigen. Die brauchen sie aber, um sich zu entwickeln. Eltern können das nicht ersetzen. Bildrechte: imago images / photothek

"Sie sind nachdenklicher geworden. Ihre Fragen sind tiefgründig und es fehlt die Unbeschwertheit", sagt Charlotte Grüner, Leiterin des Freizeitzentrums "Lindwurm" in Apolda. "Andererseits drehen sie auf, scheinen fast hyperaktiv." Jeden Tag darf die Erziehungswissenschaftlerin gemeinsam mit ihrem Team eine kleine Gruppe Kinder betreuen, auch in der Corona-Zeit. "Die letzten Monate haben die Kinder verändert," sagt sie. "Sie wollen zurück in die Schule und das will was heißen."

Den Kindern fehlt es an Struktur. Vor allem aber fehlen ihnen die Freunde. Das Freizeitzentrum schenkt Abwechslung, mit Bastelnachmittagen und einem Bewegungsangebot. Wann immer es geht, gehen Charlotte und ihr Team mit den Kindern nach draußen. Sie toben im Park oder erobern den Spielplatz. Betreuen dürfen die Mitarbeiter aber nur eine feste Gruppe von 15 Mädchen und Jungs.

Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen steigt

Die meisten Kinder haben nicht das Glück, den Nachmittag in einer Einrichtung wie dem "Lindwurm" verbringen zu dürfen. Sie sind daheim, hocken vor Fernseher, Tablet, Handy und Co.. Fatal, sagt die Weimarer Ärztin Svenja Sieglerschmidt. "Schon im letzten Jahr habe ich mir Sorgen um den Medienkonsum der Jüngsten gemacht und das wird in diesem Jahr noch viel mehr werden", sagt Sieglerschmidt. Sie leitet die Einschulungsuntersuchungen der Stadt Weimar, bekommt jeden der rund 700 Vorschüler zu Gesicht. Sieglerschmidt befürchtet Defizite, die regelrecht gezüchtet werden.

Auch Peggy Graziano, stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, in Weimar warnt: "Gewichtszunahme, weniger Geschick und Defizite in der Motorik sind unvermeidbar, wenn die Kinder im Lockdown allein gelassen werden." Graziano sucht das Gespräch mit den Eltern und versucht zu motivieren. "Legt den Kindern einen Block hin mit Zettel und Stift und schickt sie raus an die frische Luft."

Viele Eltern würden gern, aber können nicht. Sie sind beruflich eingespannt, oder aber schaffen es nicht, ihre Teenager zu motivieren. "Mein Sohn ist völlig inaktiv, fast lethargisch und das schon knapp ein Jahr", berichtet die Mutter eines 14-Jährigen. "Ich kann ihn nicht um 14 Uhr aus dem Bett tragen." Vielen Eltern fehlt inzwischen auch die Kraft. Sie haben selbst schwere Pakete zu tragen.

Austausch mit Gleichaltrigen fehlt

Kinder verschwinden gern unter dem Radar und das, so warnen auch Neuropsychologen, hat Folgen. Depressive Symptome verschlechtern sich und auch der Hang zum Traurigsein. Eine Studie der Universität Hamburg bestätigt das. Die Kinder klagen über Schlafstörungen, sie werden von Ängsten und Sorgen gequält. Der Austausch mit Gleichaltrigen fehlt. Von drei sozialen Räumen, in denen sich Kinder normalerweise bewegen, dem Raum der Familie, dem der Schule und der Freunde, sind zwei quasi komplett weggefallen. Was das mit den Kindern über lange Zeit macht, lässt sich nur erahnen. Doch Psychologen vermuten nichts Gutes.

Kinder müssen ausgepowert werden

Was aber können Eltern tun? Ideen kommen direkt aus der Nachbarschaft: Die Einen gehen jeden Tag mit ihren Kindern spazieren. "Nichts tut so gut, wie Sonne und frische Luft. Die Kinder müssen ausgepowert werden", sagt Charlotte Grüner vom "Lindwurm" Apolda. Andere lieben das gemeinsame Workout-Programm. Wichtig sind auch soziale Kontakte, wenn auch wieder über ein Internetprogramm. Die Videotelefonie mit Freunden ist ein kleiner Ersatz. Wieder Andere holen das "Mensch, ärgere Dich nicht"-Spiel raus oder aber binden ihre Kinder verstärkt in die Hausarbeit ein. To-Do-Listen sind im Trend und motivieren beim Homeschooling. Sie geben dem Tag eine Struktur.

Eine junge Frau mit zwei Kinderrn an einem Tisch
Oftmals kommen Eltern wegen Arbeit, Heimunterricht und Haushalt nicht dazu, sich ausreichend mit ihren Kindern zu beschäftigen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein Geheimrezept, so viel ist klar, das gibt es wohl nicht. Eltern können nur versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und ihren Kindern ein Ohr zu schenken, damit sie eben nicht mit ihren Sorgen allein gelassen werden und unter dem Radar verschwinden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Johannes und der Morgenhahn | 12. Februar 2021 | 07:15 Uhr

28 Kommentare

knarf2 vor 24 Wochen

Es ist eine Schande wie Sie über alte Menschen reden!Hoffen Sie mal daß Sie alt werden und dann nicht wie Sie es nennen„dummes Zeug"reden!Von viel Geist kann man bei dieser Aussage nicht sprechen!

Sozialberuflerin vor 24 Wochen

Sie haben leider nicht verstanden worum es geht!
Es lohnt auch nicht, das weiter zu erklären

Aber um eins klar zu stellen...
Auf gar keinen Fall, gebe ich Kindern an irgendwas die Schuld

Und ich stehe zu der Aussage, dass sie die leid tragenden sind!

Wie es derzeit in den Kitas und Schulen läuft, ist ausschließlich dem Bildungsministerium und Trägern zu zuschreiben!

In ihrem Fall ist das viel Meinung mit ganz wenig Ahnung!!




malaclyps vor 24 Wochen

Nein, das in den Ferien Schnee liegen wird war nicht absehbar. Wohl aber, das Pandemie und Lockdown auch jetzt noch nicht zu Ende sein würden. Eine absolut unsinnige, unnötige Entscheidung eben, die dazu geführt hätte das mein Sohn die lange ersehnten und geplanten Ferien bei seinem Freund nicht hätte genießen können. Dafür hat er jetzt etwas sehr wichtiges fürs Leben gelernt: Was ist Streik und das streiken immer legitim ist wenn man dies schlüssig Argumentiert.

Mehr aus Thüringen

Menschen stehen vor der Führerscheinstelle im Saale-orla-Kreis 1 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zu viele Termine an der Führerscheinstelle im Saale-Orla-Kreis werden nicht eingehalten. Dadurch entstehen Warteschlangen. Die Unabhängige Bürgervertretung des Landkreises fordert nun schnelle Abhilfe.

04.08.2021 | 14:24 Uhr

Mi 04.08.2021 12:48Uhr 00:28 min

https://www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/saale-orla/fuehrerscheinstelle-termine-wartezeit-offener-brief-102.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video