Corona - und dann? Wirtschaft weiter intakt: Forscher sieht keine Pleitewelle

Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sieht keine Anzeichen für eine Pleitewelle nach der Corona-Pandemie. Im Interview mit MDR THÜRINGEN sagte Präsident Reint Gropp, es gebe zwar weiter eine große Unsicherheit, wie sich die Wirtschaft entwickeln werde. Er gehe jedoch davon aus, dass die staatlichen Hilfen, etwa das Kurzarbeitergeld oder die Aussetzung der Insolvenzpflicht, "tatsächlich auch funktionieren".

Arbeiter eines Automobilzulieferers
Bildrechte: IMAGO / photothek

Der Wirtschaftsforscher Reint Gropp zeigt sich insgesamt optimistisch, was die wirtschaftliche Lage in Deutschland betrifft. Zwar fehlten entsprechende Vergleichsdaten für eine Pandemie-Wirtschaft – die letzte Pandemie war vor 100 Jahren und somit seien die Unsicherheiten sogar größer als zur Finanzkrise. Jedoch fehlten momentan insgesamt Anzeichen für eine große Pleitewelle nach der Corona-Pandemie.

Wirtschaftsforscher und IWH-Präsident Reint Gropp
Wirtschaftsforscher und IWH-Präsident Reint Gropp Bildrechte: MDR/IWH, (c) Fotowerk BF

Gropp sagte, wenn es Deutschland gelingen würde, bis zum Sommer mit Testen und Impfen aus dem Lockdown "mehr oder minder" herauszukommen, dann könne es auch einen "Aufholeffekt im Konsum" geben. Dieser würde dann jene Branchen betreffen, die in der Corona-Zeit gelitten hätten. Insofern sei er optimistisch, dass auch die befürchteten negativen Folgen für das Finanzsystem ausblieben. Die Banken müssten Kredite von Unternehmen nicht abschreiben und damit keine Verluste anerkennen.

Wirtschaftsforscher und IWH-Präsident Reint Gropp im Interview 1 min
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Hilfen helfen tatsächlich

Insgesamt gehe er also davon aus, dass die staatlichen Überbrückungshilfen für die Wirtschaft erfolgreich gegriffen hätten. Sein Institut, das IWH, stellt gemeinsam mit anderen Instituten die offizielle Wirtschaftsprognose für die Bundesregierung. Gropp sagte, es gebe für die deutsche Wirtschaft eine "große Bandbreite von möglichen Schätzungen". Aber die vorliegenden Daten würden eher einen optimistischen Ausblick unterstützen. Das sei durchaus überraschend.

Karteireiter mit der Aufschrift Kurzarbeitergeld.
Kurzarbeitergeld war ein hilfreiches Instrument, sagt Gropp. Bildrechte: imago images / Jens Schicke

Flott raus aus der Pandemie

Auch die Börse mit Dax-Höchstständen gehe momentan davon aus, dass Deutschland und andere Länder "relativ flott und schnell und stark aus dieser Pandemie wieder rauskommen" würden. Die Märkte würden auch nicht mit einer starken Erhöhung der Inflation rechnen. Kurzfristig werde sie bei bis zu drei Prozent liegen: "Aber dann werden wir mehr oder minder da sein, wo die Europäische Zentralbank uns auch haben will, so bei etwa bei unter zwei Prozent".

Schwierige Situation für Arbeitslose und Nachwuchs

Im Interview ging Gropp auch auf die negativen Folgen für die Wirtschaft ein. Rund eine halbe Million Menschen habe in einem Jahr die Arbeit verloren und damit den Großteil des Einkommens. Insbesondere für Menschen, die bereits vor der Pandemie arbeitslos waren, verschlechtere sich damit die Perspektive für eine Wiedereingliederung in die Arbeitswelt.

Gebäude der Agentur für Arbeit
Wer vor der Pandemie arbeitslos war, hat es nun noch schwerer, schätzt Gropp. Bildrechte: IMAGO / Lichtgut

Besonders negative Folgen der Pandemie sieht Gropp jedoch vor allem beim Nachwuchs: "Ich glaube, wer hier besonders betroffen ist und wo wir sicherlich Effekte sehen werden, ist bei den Kindern und Jugendlichen, die nicht in die Schule gehen konnten. Also schon ein halbes Jahr weniger Schulbildung hat große Einkommenseffekte, später im Leben das können wir zeigen." Die Konsequenzen würden sich in 20, 30 Jahren zeigen.

Die Person Reint Gropp ist Wirtschaftsforscher und Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH)

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Der Morgen | 22. Mai 2021 | 05:00 Uhr

3 Kommentare

Frank 1 vor 17 Wochen

Herr Gropp, diverse Studien anderer Wirtschaftsinstitute sagen genau das Gegenteil und dass sollte Ihnen bekannt sein, als "Experte". Irgendwann laufen die Sonderregelungen für Kurzarbeitergeld und Insolvenz aus. Danach wird es ein böses Erwachen geben, was nur logisch ist. Denn die Sonderregelungen übertünchen die Probleme nur, lösen sie aber nicht. Deshalb nennt man sie Sonderregelungen. Wer das nicht sehen will, kann gerne in seiner selbst gebastelten Scheinwelt vor sich hin träumen. Das Erwachen in der Realität wird dann allerdings einiges schmerzhafter werden. Versprochen!

aus Elbflorenz vor 17 Wochen

Der Unterschied zu früher: früher stand's direkt in de Zeitung, heutzutage kommen die gleichen Sprechblasen aus "Expertenmund".
Was gleich geblieben: der Unterschied zur Realität ist weiterhin sichtbar. In die leerstehenden Geschäft sind keine Potemkin-Shops eingezogen.

jackblack vor 17 Wochen

Komisch, Tips geben immer Leute, die AUSREICHEND Geld haben.

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