Corona-Pandemie Lange Wartezeiten: PCR-Test-Labore am Anschlag

MDR THÜRINGEN-Reporter Olaf Nenninger
Bildrechte: MDR/Daniela Dufft

Viele kennen das: Der Schnelltest ist postiv, der zweite auch. Dann heißt es PCR, um Gewissheit zu haben. Und das Warten fängt an. Manchmal tagelang. Denn die Labore hierzulande sind völlig am Anschlag mit den Corona-PCR-Tests. Von 125 Prozent Auslastung ist die Rede. Mehr Personal würde helfen - oder kürzere Testverfahren.

Die Thüringer PCR-Testlabore arbeiten an der Belastungsgrenze. "Wir sind am Anschlag. Unser Personal ist müde und erschöpft", sagt Joachim Pum, ärztlicher Leiter von Bioscientia in Jena. Der Laborverbund hat 19 Standorte in Deutschland. Die 100 Jenaer Mitarbeiter verarbeiten rund 4.000 Corona-Tests am Tag. Alles schafft man hier nicht. Viele Proben werden an andere Labore im Verbund verschickt, je nachdem wo Kapazitäten frei sind. Teilweise gehen die Tests per Kurier bis nach Moers.

Wir sind am Anschlag. Unser Personal ist müde und erschöpft.

Joachim Pum, ärztlicher Leiter Bioscientia Jena

Am Morgen geben sich in Jena die Probenlieferanten die Klinke in die Hand. Ab späten Vormittag wird an den großen Analysemaschinen oft bis Mitternacht ausgewertet. Plum sieht die Auslastung bei den Corona-PCR-Tests derzeit bei 125 Prozent. Da könne es schon auch zu Verzögerungen kommen. "Dennoch versuchen wir, binnen 24 Stunden zu liefern, mindestens jedoch innerhalb von 48 Stunden."

Priorität haben die Proben, die aus Arztpraxen und Krankenhäusern kommen. PCR-Tests, die beispielsweise für eine Urlaubsreise gebraucht werden, müssen hintenanstehen. Der Einzugsbereich von Bioscientia Jena ist riesig, umfasst nicht nur Thüringen, sondern auch Sachsen-Anhalt, Sachsen und Nordbayern. Dabei ist das Labor nur eins von vielen hierzulande.

Joachim Pum, ärztlicher Leiter von Bioscentia in Jena
Joachim Pum ist ärztlicher Leiter von Bioscientia in Jena. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Personalmangel in den Laboren

Sie könnten mehr schaffen, wenn es genügend Personal gäbe. Das fehlt auch in der Erfurter Blumenstraße. Ein Mitarbeiter sagt auf telefonische Anfrage, er könne sich vorstellen, dass auch Studenten und Bundeswehrsoldaten in den Laboren arbeiten könnten. Der Jenaer Joachim Pum winkt da ab: Laborarbeit ist und bleibt den medizinisch-technischen Assistenten vorbehalten. Von ihnen gebe es derzeit zu wenige.

Ein Schild mit der Aufschrift Bioscientia Labor Jena
In Laboren, wie bei Bioscientia in Jena, fehlt das Personal. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Personal-Situation in den Laboren erinnert ein wenig an die auf den Intensivstationen. Corona bindet einen großen Teil der Kapazitäten. Dabei gibt es nicht nur Covid. Auch die Testproben für andere Krankheiten wollen noch untersucht werden: Zum Tagesgeschäft gehören auch Tuberkulose, Grippe oder Diabetes. Alles in allem kann es da schon mal zu mehrtägigen Wartezeiten auf das Corona-Testergebnis kommen.

Alternative zum PCR-Test

Das bekommen Patienten in den Kielstein-Praxen bereits nach einer Viertelstunde. An fünf Standorten in Erfurt, Jena und Sömmerda stehen Maschinen für den Abbott-ID-Now-Test. Sie spucken ihre Ergebnisse nach 15 Minuten aus und sind in bestimmten Situationen den PCR-Tests gleichgestellt. "In einem thüringenweiten Pilotprojekt können sich Patienten ohne Symptome nach einem positiven Antigentest die Bestätigung holen, ob sie wirklich Corona haben oder nicht. Außerdem kann man sich damit aus einer Quarantäne frei testen", erläutert Volker Kielstein die Möglichkeiten des speziellen Testverfahrens.

Zulassung fehlt

Bei Symptomen muss allerdings immer noch ein klassischer PCR-Test her. Der dann viel länger dauert und aus Sicht von Kielstein auch nicht genauer ist als der Abbott-ID-Now-Test. Bezahlt wird er von der Krankenkasse nur in dem genau definierten Rahmen des Pilotprojektes. Bis zu 500 Tests am Tag kann Kielstein mit seinen Geräten machen.

Würde der alternative Test großzügiger zugelassen, dann könnten damit die PCR-Labore deutlich entlastet werden und die Patienten schneller Gewissheit haben, ist Kielstein überzeugt. Warum das nicht gemacht werde? "Es gibt eingespielte Vertragsbeziehungen mit den Laborunternehmen. Das sind Dinge, die muss die Politik entscheiden."

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 06. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

Mehr aus Thüringen