Diskussion um Zugangsmodelle Pro & Contra 2G/3G+: So argumentieren Land und Landkreistag

Aktuell sind alle Thüringer Kommunen in der höchsten Corona-Warnstufe 3, müssten die Zugangsmodelle 2G oder 3G+ vorschreiben. Hier spricht sich die Greizer Landrätin Martina Schweinsburg dagegen aus - und das Land dafür.

Schild an der Tür mit der Aufschrift 2G-Nachweispflicht
Schild an einer Tür mit der Aufschrift 2G-Nachweispflicht. Bildrechte: IMAGO / Bihlmayerfotografie

Bundesweit steigt seit Wochen die Zahl der Corona-Infektionen. Am Donnerstag wurde mit mehr als 37.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden ein neuer Höchstwert aufgestellt. Noch nie gab es seit Pandemiebeginn mehr Ansteckungen binnen eines Tages. In Thüringen sind inzwischen alle Landkreise und kreisfreien Städte in der höchsten Corona-Warnstufe 3.

Um das Infektionsgeschehen in den Griff zu kriegen, häufen sich Forderungen nach umfassenderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. Dabei wird auch die verpflichtende Einführung der Zugangsmodelle 2G (gegen das Coronavirus geimpft/von Covid19 genesen) und 3G+ (geimpft/genesen/PCR-negativ getestet) für Gastronomie, Hotellerie oder Veranstaltungen im Innenbereich diskutiert. Die Thüringer Landesregierung hält sich diese Option offen, wenn Landkreise die Maßnahmen nicht von selbst träfen - wie sie es aktuell tun müssten. Pro & Contra: Welche Argumente gibt es für und wider 2G und 3G+?

Pro: Landesregierung will medizinische Versorgung sicherstellen

Das Thüringer Gesundheitsministerium argumentiert, dass es bei 2G/3G+ nicht nur um Gesundheitsschutz geht, sondern auch darum, die medizinische Versorgung der gesamten Bevölkerung sicherzustellen. Veranstalter und Betreiber hätten mehr Planungssicherheit. "Die 2G und 3G+ Optionsmodelle tragen diesem Ziel Rechnung und bieten eine deutlich höhere Sicherheit für den Gesundheitsschutz als das herkömmliche 3G-Modell, welches nur Antigenschnelltests mit deutlich geringerer Sensitivität und Zuverlässigkeit als PCR-Tests (oder alternative Nukleinsäure-Amplifikationsverfahren) vorsieht", heißt es seitens des Gesundheitsministeriums.

Es geht natürlich um den Gesundheitsschutz, aber auch um die Sicherstellung der medizinischen Versorgung für alle.

Sprecherin des Thüringer Gesundheitsministeriums

Das Ministerium weist darauf hin, dass die Infektionszahlen und Hospitalisierungsraten vor allem bei Menschen ohne Corona-Schutzimpfung sehr hoch seien. Bei vollständig geimpften Personen gebe es viel seltener schwere Erkrankungen, in der Regel vor allem bei Risikogruppen. Ein Beispiel: 12 von 16 Personen, die zwischen dem 25. und dem 31. Oktober auf die Intensivstationen eingewiesen worden seien, seien ungeimpft. Ungeimpfte Menschen seien also eine höhere Belastung für das Gesundheitssystem als geimpfte.

Contra: Landkreistagspräsidentin für zielgerichtete Maßnahmen

Gegen eine landesweite Einführung der Zugangsmodelle 2G und 3G+ spricht sich die Präsidentin des Thüringischen Landkreistags und Greizer Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) aus. "Für die Landräte Thüringens fordere ich eine klare Übernahme der Verantwortung durch die Landesregierung", sagte sie bei MDR THÜRINGEN. Die Landräte stünden als konstruktive Partner auf Augenhöhe gerne zur Verfügung, seien aber nicht die Befehlsempfänger "sinnentleerter und nicht zielführender Anordnungen."

Aktionismus lehne ich nach wie vor ab.

Martina Schweinsburg Landkreistagspräsidentin

"Auch, wenn das Gesundheitsministerium auf seine 2G- und 3G+ Regelung pocht, sehe ich, und mit mir viele Kollegen, diese Maßnahmen nicht als das geeignete Mittel, um der steigenden Infektionen Herr zu werden", führt Schweinsburg aus. Es brauche zielgerichtete Maßnahmen, die sich am konkreten Infektionsgeschehen vor Ort orientierten, welches gründlich analysiert und bewertet werden müsse.

"Wenn sich wie bei uns im Landkreis Greiz das Infektionsgeschehen auf Schulen und teilweise auch auf Pflegeeinrichtungen konzentriert, macht es wenig Sinn, den gesamten Landkreis mit Beschränkungen und schärferen Regeln zu überziehen oder die Regeln 2G- oder 3G+ Regeln für die Gastronomie festzulegen, weil nachgewiesenermaßen Gaststättenbesuche nicht zur Ausbreitung des Virus beitragen", heißt es weiter.

Schweinsburg hält 2G und 3G+ indes für angemessen bei organisierten Veranstaltungen im größeren Rahmen in Innenräumen, wie etwa bei Betriebs- oder Weihnachts- und Silvesterfeiern. Dabei sollte die Wahl den Veranstaltern überlassen werden.

Impfungen als gemeinsamer Nenner

In einem Punkt sind sich allerdings sowohl das Gesundheitsministerium als auch die Präsidentin des Landkreistages einig: Impfungen sind das Mittel der Wahl. Laut Ministerium sind Impfungen der beste Schutz vor schweren Krankheitsverläufen und vor einer Überlastung des Gesundheitssystems.

"Bedeutend effektiver wäre jetzt eine erneute Impfaktion in den Pflegeeinrichtungen", meint auch Martina Schweinsburg. Seit den Impfungen im Frühjahr seien sechs bis acht Monate vergangen, so dass Auffrischungsimpfungen unbedingt angebracht wären. Am kommenden Dienstag wolle sich Gesundheitsministerin Heike Werner auf der Regierungsmedienkonferenz zu der Thematik äußern.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 05. November 2021 | 19:00 Uhr

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