Pandemie Corona-News vom 13. Dezember: Proteste gegen Corona-Regeln in Thüringen

+++ Proteste gegen Corona-Maßnahmen in vielen Thüringer Orten +++ Neue Allgemeinverfügung für Saalfeld-Rudolstadt, Hildburghausen und Sonneberg +++ Erste Lieferung mit Impfstoff für Kinder erwartet +++ Umfrage von MDRfragt: Eltern bei Kinder-Impfung skeptisch +++ Impftermine für Kinder unter 12 Jahren im Jenaer Kinderimpfzentrum verfügbar +++ Mehr Impfangebote im Wartburgkreis +++ Die Corona-News für Thüringen im Überblick +++

Protestierende und ein Polizei-Transporter mit dem Schriftzug "Ihre Versammlung ist aufgelöst!" in Erfurt
Die Polizei hat die Demonstranten in Erfurt dazu aufgefordert, sich vom Versammlungsort zu entfernen. Bildrechte: MDR/Axel Hemmerling

Thüringen | Menschen gehen gegen Corona-Maßnahmen auf die Straße

In mehreren Städten in Thüringen sind am Montagabend erneut zahlreiche Menschen gegen die Corona-Regeln auf die Straßen gegangen. Insgesamt waren der Polizei am Abend rund 14 Versammlungen bekannt. Insgesamt schätzte der Sprecher die Zahl der Teilnehmer in ganz Thüringen auf etwa 6.000 Menschen.

Gesundheitsministerin stellt Dienstag neue Corona-Regeln vor

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner stellt am Dienstagnachmittag die neuen Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie vor. Nach bisherigen Plänen sollen unter anderem strengere Besucher-Grenzen für Veranstaltungen eingeführt werden, wie bereits vorab bekannt wurde. Auch müssen sich die Thüringer zum Beispiel auf strengere Kontaktbeschränkungen einstellen, sobald bei einem Treffen eine Person dabei ist, die weder gegen das Coronavirus geimpft, noch von Covid-19 genesen ist.

Die Lockerung in 2G+-Bereichen für Menschen mit frischem Impfschutz gilt bereits. Menschen, die bereits eine Boosterimpfung erhalten haben, müssen in 2G+-Bereichen keinen negativen Corona-Test vorzeigen. Das gilt auch für Genesene und doppelt Geimpfte, sofern die Erkrankung oder die vollständige Impfung weniger als ein halbes Jahr her sind.

Hildburg­hausen | Landkreis schließt Gaststätten und Freizeiteinrichtungen ab Dienstag

Der Landkreis Hildburghausen hat als sogenannte Brennpunkt-Region die Corona-Regeln weiter verschärft. Gaststätten, kulturelle Veranstaltungen, Museen, Zoos und botanische Gärten sind laut Landratsamt ab Dienstag geschlossen. Nicht Geimpfte dürfen sich nur noch mit einem Haushaltsfremden treffen. In Geschäften, bei verschiedenen Veranstaltungen, in Taxen und im Nahverkehr muss eine FFP2-Maske getragen werden. Privat dürfen sich in Innenräumen nur 20 Geimpfte und Genesene treffen, draußen 30. Für Einzelhandel und bei öffentlichen Veranstaltungen gelten Platz-Beschränkungen. Zwischen 22 und 5 Uhr gilt ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum.

Sonneberg | Neue Corona-Regeln für den Landkreis

Strengere Regeln gelten auch im Landkreis Sonneberg, zum Beispiel bei den Kontaktbeschränkungen. Dort dürfen sich nicht Geimpfte nur noch eine haushaltsfremde Person treffen. Außerdem gilt an einigen öffentlichen Orten Maskenpflicht, unter anderem auf Marktplätzen und Wochenmärkten.

Saalfeld­Rudolstadt | Brennpunkt-Region lässt Gaststätten offen

Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt orientiert sich an den Regeln, die beim Überschreiten des 1.000er-Inzidenzwertes gelten sollen. Das bedeutet, dass unter anderem die 2G+-Regel greift. Gaststätten und Freizeiteinrichtungen können in der Brennpunkt-Region weiterhin geöffnet bleiben.

Hildburg­hausen | Zwangspause im Burgenmuseum

Das Deutsche Burgenmuseum auf der Veste Heldburg (Kreis Hildburghausen) geht in die Corona-Zwangspause. Das Museum bleibt nach Angaben von Direktorin Adina Rösch ab Dienstag bis einschließlich 7. Januar geschlossen. Wegen der aktuellen Corona-Regeln kämen deutlich weniger Besucher als üblich. Außerdem sollten Gäste und Mitarbeiter angesichts der derzeit sehr hohen Inzidenzen geschützt werden, so Rösch. Im kommenden Jahr sei unter anderem eine große Spielzeugausstellung "Burgen, Ritter und Burgfräulein" geplant.

Thüringen | Lockerung bei Testpflicht

Die Landesregierung hat die Lockerung der 2G-plus-Regeln bestätigt. Eine zusätzliche Testpflicht gilt ab sofort nur noch für Geimpfte, deren letzte Impfung länger als sechs Monate her ist. Das hatte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bereits Ende vergangener Woche verkündet, aber nun wurde die spezielle Regelung noch einmal vom Ministerium bestätigt. Zuvor hatte es viele Nachfragen gegeben.

Somit brauchen Menschen keinen Test mehr, die bereits ihre Booster-Impfung erhalten haben oder deren vollständige Impfung nicht länger als sechs Monate her ist. Das gilt auch für Genesene, deren Erkrankung noch kein halbes Jahr zurückliegt. Die Erleichterung betrifft insbesondere Fitnessstudios und Freizeitsportangebote oder Spielhallen und Wettbüros.

Demonstranten instrumentalisieren teils Kinder

Die Vorsitzende der Thüringer Gewerkschaft der Polizei, Mandy Koch, hat sich entsetzt über das Vorgehen von Gegnern der Corona-Politik bei Demonstrationen wie in Greiz gezeigt. Es sei unerträglich, dass teils Kinder mit dabei seien und diese auch bewusst instrumentalisiert würden, sagte Koch am Montag.

Bei einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen im ostthüringischen Greiz waren am Wochenende 14 Polizisten verletzt worden. Die Polizei setzte teils Reizstoff ein.

Bei solchen Demonstrationen liefen normale Bürger - teils Familien - neben Gruppen, die dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen seien. "Da steht an einer Polizeikette ein Vater mit einem Kind an der Hand und sagt, er sei nur spazieren und wolle durch. Dann gehen die Diskussionen los", berichtete die Gewerkschaftschefin. Die Polizisten müssten demnach auch immer abwägen: In Situationen, wo Kinder beteiligt seien, könne man nicht einfach Reizmittel einsetzen.

Erste Lieferung mit Impfstoff für Kinder erwartet

Die ersten Lieferungen mit Impfstoff für Kinder sollen am Dienstagabend in Thüringen ankommen. Ab Mittwochnachmittag sollen dann in Erfurt, ab Donnerstag auch an den Impfstellen in Leinefelde, Gera und Sömmerda Impfungen für Kinder von fünf bis elf Jahre möglich sein, wie eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringens (KVT) am Montag sagte.

Für die Impfstellen werde so viel Impfstoff erwartet, dass es für 39.000 Erst- und Folgeimpfungen reicht. Bis Ende des Jahres sei genug Impfstoff vorhanden, so die KVT. Ab 27. Dezember sollen die Kinderimpfungen dann auf die Impfstellen in ganz Thüringen ausgedehnt werden. Nach einer Unterbrechung am Silvestertag und dem Neujahrswochenende soll es am 3. Januar weitergehen.

Eltern skeptisch beim Kinder-Impfen

Thüringer Eltern stehen der Kinder-Impfung eher skeptisch gegenüber. Das ergab eine nicht-repräsentative Befragung von "MDRfragt". Dabei antworteten 54 Prozent auf die Frage, ob sie vorhaben, ihre fünf- bis elfjährigen Kinder gegen Corona impfen zu lassen, mit Nein. In Thüringen beteiligten sich 524 Eltern von Kindern zwischen 5 und 11 Jahren freiwillig an der Befragung, in allen drei Bundesländern waren es 2.013 Eltern.

18 Prozent der an der Befragung beteiligten Eltern aus Thüringen würden ihre Kinder so bald wie möglich impfen lassen. 15 Prozent sind unentschlossen. Zwölf Prozent stehen der Kinderimpfung generell aufgeschlossen gegenüber, möchten aber noch abwarten. In Sachsen sprach sich mit 53 Prozent ebenfalls die Mehrheit gegen die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren aus, in Sachsen-Anhalt lehnen nur 47 Prozent die Impfung ab.

MDRfragt zu Kinderimpfungen Gemäß der wissenschaftlichen Definition sind die Befragungen von MDRfragt nicht repräsentativ, da es sich um eine sogenannte Selbstrekrutierung handelt. Das heißt, jeder in Mitteldeutschland ab 16 Jahren hat Zugang zu den Befragungen bei MDRfragt, wir schließen niemanden aus - jeder kann mitmachen. So sind beim mitteldeutschen Meinungsbarometer mittlerweile knapp 50.000 Menschen angemeldet, die Ergebnisse werden nach wissenschaftlichen Kriterien gewichtet und die Arbeit von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet. Wir sind überzeugt, auf diese Weise ein realistisches Stimmungsbild aus Mitteldeutschland einholen zu können. Dies erkennen wir auch, wenn wir die Ergebnisse von MDRfragt mit den Ergebnissen von repräsentativen Befragungen - die stets mit einer bedeutend kleineren Anzahl an Teilnehmern arbeiten - vergleichen. In diesem Fall bezieht sich das Stimmungsbild im Übrigen auf mehr als 2.000 Eltern von Kindern zwischen 5 und 11 Jahren - aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Jena | Impftermine für Kinder unter 12 Jahren verfügbar

Für das neue Jenaer Kinderimpfzentrum im Volkshaus sind ab sofort Impftermine über das Impfportal der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen buchbar. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, können Eltern von Kindern zwischen fünf und elf Jahren damit ein Angebot zentral in der Stadt nutzen. Das Impfzentrum soll am Donnerstag in Betrieb gehen. Geimpft wird täglich von 9 bis 19 Uhr - auch an den Feiertagen, zu Weihnachten und Silvester. Laut Stadt werden für diese Tage noch die genauen Öffnungszeiten bekannt gegeben.

Auch ohne Termin können dort Familien ihre Kinder impfen lassen. Interessierte sollten bis spätestens 18:30 Uhr im Volkshaus sein. Durch ein Nummernsystem soll es keine lange Wartezeit geben. Jenas Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) sagte, er sei froh über die neue Impfmöglichkeit. Viele Familien hätten schon seit langer Zeit darauf gewartet, dass auch kleinere Kinder Impfangebote wahrnehmen können, so Gerlitz. Die Inzidenz bei Grundschülern liege derzeit in Jena bei 2.444, mehr als zehnmal so hoch wie bei den 65- bis 80-Jährigen. Deshalb sei es wichtig, mit einem raschen Impfangebot für Kinder auch zum sicheren Schulbetrieb beizutragen.

Sonneberg | Erste Drive-in-Teststelle im Landkreis

Im Landkreis Sonneberg hat im Sonneberger Ortsteil Hönbach seit Montag erstmals eine Drive-in-Teststelle geöffnet. Sie ist wochentags jeweils von 7 bis 9 Uhr sowie von 14 bis 16:30 Uhr geöffnet. Die Ergebnisse der Coronatests werden direkt per E-Mail versandt. Wartezeiten sollen dadurch verkürzt werden. Bei dem Angebot handelt es sich laut Landratsamt ausschließlich um kostenlose Corona-Schnelltests. Vorher muss über das Internet oder telefonisch ein Termin vereinbart werden.

Wartburg­kreis | Mehr Impfmöglichkeiten

Der Wartburgkreis verstärkt ab dieser Woche seine Aktivitäten zum Impfen gegen Corona. In der Eisenacher Georgenstraße eröffnet am Montag eine kommunale Impfstelle, für die wöchentlich bis zu 1.000 Dosen Moderna und Biontech zur Verfügung stehen. Termine für die Impfstelle werden ausschließlich über die Internetseite des Landratsamtes vergeben. Für den Betrieb hat der Landkreis rund 50 freiwillige Helfer von Rettungsdiensten, Feuerwehr und Verwaltung gewonnen.

Gleichzeitig startet ein mobiles Impfteam des Landkreises Sonderaktionen ohne Termin. Es geht los am Montag in Vacha im Kulturzentrum Vachwerk, am Dienstagnachmittag ist das Team in der Normannsteinhalle Treffurt und am Mittwoch im Rautenkranz Gerstungen. Fortgesetzt werden die Aktionen in dieser Woche in Mihla und Behringen, in der kommenden Woche in Dermbach, Tiefenort und Geisa.

Thüringen | Höchste Corona-Inzidenz - Ausnahmen bei 2G+

Thüringen ist wieder das Bundesland mit der höchsten Corona-Inzidenz - auch wenn sich der Wert hier zuletzt stabilisiert hat. Dennoch: So viele aktive Infektionen wie am Wochenende gab es noch nie zuvor. Unterdessen hat die Landesregierung eine neue Regelung zu 2G+ vorgezogen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/fno, the, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 13. Dezember 2021 | 19:00 Uhr

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