Corona - und dann? Landeselternvertretung: "Fernlerntage" für ältere Schüler?

Das neue Schuljahr begann in Thüringen mit Corona-Tests und Maskenpflicht. Doch eins, so sagt Claudia Koch von der Landeselternvertretung, stimme sie optimistisch: Schulen sollen wieder dauerhaft geöffnet bleiben. Denkbar seien "Fernlerntage" für ältere Schüler.

die evangelische Grundschule Sömmerda im Online-Präsenz-Unterricht.
Gemeinsam im Klassenzimmer lernen - das war aufgrund der Corona-Pandemie oft nicht möglich. Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Schulen könnten auch nach der Corona-Pandemie regelmäßige "Fernlerntage" mit Distanzlernen von Zuhause aus ermöglichen. Dazu rät die Sprecherin der Thüringer Landeselternvertretung, Claudia Koch, im Gespräch mit MDR THÜRINGEN. Viele Schüler, besonders höherer Klassen, seien mit dem Distanzlernen während des Lockdowns gut klar gekommen, sagte sie. Manche könnten bestimmte Aufgaben zu Hause besser erledigen als in der Schule.

Koch sagte, beispielsweise könnten es Lehrer künftig einmal pro Woche ihren Schülerinnen und Schülern überlassen, ob sie zu Hause arbeiten wollen und ihnen dazu per Internet Konsultationen anbieten. Jugendliche, die Stoff aufzuholen hätten und dringend den Kontakt zu ihren Lehren bräuchten, könnten an diesen Tagen im Präsenzunterricht besser und individuell gefördert werden.

Digitalisierung der Schulen weiter ausbauen

Nötig sei dafür allerdings, sagte Koch, dass die Digitalisierung der Schulen auch nach der Corona-Pandemie vorangetrieben werde. Schnelle Internetverbindungen und sinnvolle Technikausrüstung seien Voraussetzungen fürs Distanzlernen.

Vor allem müsse die Medienkompetenz von Lehrern und Schülern ausgebaut werden, sodass die Lehrkonzepte auch an die digitalen Möglichkeiten angepasst würden. "Digitales Lernen heißt ja nicht nur ein digitales Gerät zu benutzen, sondern digitales Lernen bedeutet auch andere Konzepte und andere Lehrmethoden. Und da ist schon noch einige Arbeit zu leisten", sagte Claudia Koch.

Claudia Koch 24 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Normaler Schulalltag als großes Ziel

Generell aber gelte: "Zurückkommen zur Schule!", sagte Claudia Koch: "Wir brauchen wieder ganz normale Schule, und das ist eine der größten Herausforderungen überhaupt." Stetigkeit an den Schulen sei wichtig, so die Sprecherin der Landeselternvertretung.

Rund anderthalb Jahre sei Schule in einem Krisenmodus gewesen. Es habe regionale Unterschiede gegeben, mal seien Kinder zu Hause geblieben, dann wieder nicht. Es habe Unterschiede für die Altersgruppen gegeben, Unterschiede zwischen einzelnen Schulen - und sogar innerhalb einzelner Schulen.

Manchen Kindern fehlte Struktur im Alltag

Zurück zum Schulalltag - dies sei nun "eine riesengroße Aufgabe" angesichts einer, so sagt Claudia Koch, ohnehin prekären Situation, was Personalausstattung in den Schulen angehe und Probleme, die Thüringen bereits vor der Pandemie hatte.

Es klinge eigenartig, aber es habe tatsächlich Kinder gegeben, für die selbst Tag und Nacht "irgendwie kein großer Unterschied mehr war". Es habe die Struktur gefehlt.

Landeselternvertretung: Schülern jetzt Sicherheit bieten

Vor allem mit Kindern, die in diesem Jahr Prüfungen absolvieren müssten, sollten Schulen behutsam umgehen. Der Druck aus der Corona-Zeit dürfte jetzt nicht auf diese Schüler verlagert werden - etwa nach dem Motto: "Ihr müsst jetzt unbedingt alles nachholen". Schließlich sei die Pandemie höhere Gewalt gewesen.

Wichtig sei ihrer Meinung nach, so Koch, weniger Druck, sondern vielmehr, dass alle wieder miteinander konsistent arbeiten könnten und dass Ziele gesteckt würden, die erreichbar seien und so auch die Motivation erhöhten. Den Schülern müsse jetzt Sicherheit vermittelt werden.

Wenige Schulen haben Luftfilteranlagen

Die Schulen seien im Vergleich zum Beginn der Krise inzwischen besser gerüstet. Zufrieden sei sie jedoch nicht, sagte Koch. Noch seien nur wenige Schulen mit Luftfilteranlagen oder mit Luftreinigungsanlagen ausgestattet.

Die Förderung zur flächendeckenden Nachrüstung habe zu lange gedauert, es habe an Förderrichtlinien gefehlt und an Ideen, wie der Prozess beschleunigt werden könnte. Also seien Gelder vorhanden gewesen, jedoch seien sie nicht abgerufen worden. Etwaige Ausschreibungen hätten längst passieren müssen.

Nachhaltige digitale Konzepte für Schulen entwickeln

Viel getan habe sich dagegen bei der Digitalisierung der Schulen. Thüringen sei in Bezug auf Schulen zu Beginn der Pandemie ein "digitales Entwicklungsland" gewesen. Inzwischen würden Schulcloud und digitale Lernmittel weitgehend genutzt. Dieser Trend zur Digitalisierung dürfe mit dem möglichen Ende der Pandemie nicht gestoppt werden.

Allerdings, so warnte Claudia Koch, sollte jetzt auch nicht "blind" digitale Technik in die Schulen geschüttet werden. Schulen und Träger sollten vorab gemeinsam nachhaltige Konzepte für einen künftigen Unterricht mit digitaler Technik, mit Laptops und Internet entwickeln.

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Querdenker demonstrieren gegen die Coronamaßnahmen der Regierung Bildrechte: MDR/Peter Podjavorsek
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Quelle: MDR THÜRINGEN/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 25. September 2021 | 06:40 Uhr

2 Kommentare

Critica vor 3 Wochen

Will man eigentlich in Thüringen keine "Normalität" mehr?
Ich bekomme den Eindruck, es werden zwanghaft immer mehr neue Verordnungen gesucht. Kaum ist eine beschlossen, ist die nächste in Arbeit, so das 2G oder 3G-Modell, das ab Sonntag gelten soll.
Hört auf damit, schließlich wurde immer versprochen, wenn mehr als die Hälfte der Bürger geimpft sind.....
Aber ich glaube, man hört erst bei 127,45 Prozent auf :)

hansfriederleistner vor 3 Wochen

Dafür wurde bei den Freitagsdemos aber nicht demonstriert. Bildung ist ja auch nur Nebensache.

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