Bildungsministerium Nach Weihnachtsferien: Schulen können doch Präsenzunterricht anbieten

Das Thüringer Bildungsministerium ändert die Vorgaben für den Unterricht nach den Weihnachtsferien erneut: Ab dem 5. Januar soll Präsenzunterricht möglich sein, wenn die Corona-Lage in der Region es zulässt. Die Thüringer Schulen und Behörden sollen die Infektionslage demnach selbst bewerten und entscheiden, ob in den Distanzunterricht gewechselt wird.

Thüringens Bildungsministerium hat die Vorgaben für den Unterricht nach den Weihnachtsferien erneut geändert. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die am späten Dienstagabend veröffentlicht wurde.

Eingeschränkter Präsenzunterricht ab 5. Januar 2022 möglich

Ab Mittwoch, 5. Januar 2022, soll demnach auch eingeschränkter Präsenzunterricht möglich sein, wenn die regionale Corona-Infektionslage es zulässt. So können die Kinder bis zur sechsten Klasse in festen Lerngruppen unterrichtet werden - oder im Wechselunterricht ab der siebten Klasse. Eine Notbetreuung sei gesichert. Welche Unterrichtsmöglichkeiten angeboten werden, sollen die Schulen in Absprache mit den Schul- und Gesundheitsämtern entscheiden - so der Plan des Bildungsministeriums.

Eilverfahren beim Oberverwaltungsgericht

Zumindest die ersten beiden Schultage am 3. und 4. Januar sollen die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben und dort bereits gelernten Stoff vertiefen und wiederholen. Ob dieser Plan so bleibt, ist jedoch angesichts eines Eilverfahrens beim Oberverwaltungsgericht in Weimar unklar.

Das Gericht soll entscheiden, ob an Thüringens Schulen nach den Weihnachtsferien Präsenzunterricht stattfinden muss. Dies wolle ein Antragsteller mit mehreren Anträgen erreichen, sagte eine Sprecherin des Oberverwaltungsgerichts. Das Bildungsministerium habe in diesem Verfahren bis Donnerstagmittag Zeit für eine Stellungnahme. "Der Senat will dann zeitnah entscheiden."

Holter: Keine Rechtsgrundlage für landesweite Schulschließungen

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte am Mittwoch, die Omikron-Variante gehe nicht spurlos an Kindern vorüber. Um vor die erwartete Welle zu kommen, müsse vor Ort entschieden werden. Anders sei es rechtlich nicht möglich. Für eine landesweit einheitliche Regel mit flächendeckenden Schulschließungen fehlt laut Holter eine Rechtsgrundlage.

Er sprach sich daher für eine Änderung des Bundesinfektionsschutzgesetzes aus, um an Schulen auch flächendeckend Distanzunterricht zu ermöglichen. Er erwarte, dass sich die Kultusministerkonferenz (KMK) noch vor der nächsten Schalte der Regierungschefs von Bund und Ländern am 7. Januar verständigt und neue Empfehlungen formuliert. "Die Lage hat sich einfach verändert und deswegen brauchen wir in der KMK auch eine neue Lagebewertung", sagte Holter. Er sei der Überzeugung, dass der Bildungsbereich auf die Omikron-Variante des Coronavirus reagieren müsse.

Regeln erst vor Kurzem geändert

Bislang war geplant, dass alle Schülerinnen und Schüler bis Mitte Januar im Distanzunterricht zu Hause lernen. Erst kurz vor Weihnachten hatte der Bildungsminister überdies festgelegt, den Präsenzunterricht am 3. und 4. Januar ausfallen zu lassen. Die Maßnahmen sollten vor allem dafür sorgen, die Omikron-Variante unter Kontrolle zu halten.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Di 28.12.2021 19:00Uhr 01:43 min

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CDU: Schulen werden mit Verantwortung alleine gelassen

Aus Sicht der CDU führen die neuen Pläne zu einem Schulchaos. Der Zick-Zack-Kurs stelle Thüringer Familien vor eine Belastungsprobe, sagte CDU-Fraktionschef Mario Voigt. Die Schulen werden laut Voigt mit der Verantwortung alleine gelassen - und die Familien können nicht planen. Noch vor dem Jahreswechsel müsse es eine klare Aussage geben, wie und unter welchen Kriterien es an den Schulen weitergeht.

Auch die AfD forderte Planungssicherheit für Eltern, Lehrer und Schüler. Sie wirft der Landesregierung Dilettantismus vor. Ein Blick ins Bundesinfektionsschutzgesetz hätte gereicht, um festzustellen, dass Schulschließungen nicht mehr möglich sind, sagte der bildungspolitische Sprecher Denny Jankowski.

Astrid Rothe-Beinlich (Grüne) sagte, sie hätte sich eine einheitliche, rechtssichere Regelung für die Schulen im Land gewünscht. Es sei aber richtig gewesen, schon am 22. Dezember klar zu kommunizieren, "dass das Leben an den Schulen ab dem 3. Januar nicht so weitergeht, als hätte es nie eine Pandemie gegeben".

Zustimmung vom Landeselternsprecher

Die Landeseltern-Vertretung Thüringens sieht die neuen Regeln für den Schulunterricht nach den Weihnachtsferien positiv. "Wir finden es richtig, dass es nun keinen generellen Distanz-Unterricht gibt", sagte am Mittwoch auf MDR THÜRINGEN-Anfrage Landeselternsprecher Roul Rommeiß. Es sei zu begrüßen, dass die Schulen über die jeweilige Unterrichtsform flexibel entscheiden könnten. "Uns ist schon bewusst, dass das für die Schulen eine große Herausforderung darstellt, aber die kann gemeistert werden", so Rommeiß.

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW übte Kritik und sprach von einem "vermeidbaren Chaos". Thüringens GEW-Landesvorsitzende Kathrin Vitzthum bezeichnete am Mittwoch die vom Ministerium korrigierten Regeln als "Entscheidung, die die Schulleitungen alleine lässt." Vitzthum bemängelte in einem MDR-THÜRINGEN-Interview unter anderem, dass es für die Schulen schwierig werden könnte, klare Informationen über die Pandemie-Situation unter den jeweiligen Kindern und Jugendlichen zu gewinnen.

Quelle: MDR(fno,mm)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 29. Dezember 2021 | 07:00 Uhr

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