Schnelltests und Schulschließungen Corona in Thüringen: Antworten zum Schulstart nach den Osterferien

Kurz vor dem angedachten Schulbeginn nach den Osterferien ist klar: Nicht alle Thüringer Schulen werden für den Präsenzunterricht öffnen. Viele Kinder und Jugendliche müssen zu Hause lernen. Wo die Schulen öffnen dürfen, werden Selbsttests angeboten, die kostenfrei und freiwillig sind. Es gilt außerdem eine Maskenpflicht. Antworten auf Fragen rund um den Schulbeginn haben wir hier zusammengestellt.

Coronavirus-Schnelltest im Unterricht
Zweimal pro Woche sollen in den Thüringer Schulen nach dem Ende der Osterferien Corona-Schnelltests angeboten werden. Sie sind zunächst freiwillig. Bildrechte: dpa

Wo in Thüringen öffnen die Schulen und wo bleiben sie geschlossen?

In den Städten Gera und Eisenach, im Wartburgkreis und in den Kreisen Greiz, Gotha und Saale-Orla bleiben die Schulen nach den Osterferien geschlossen. Grund sind die vielen Coronavirus-Infektionen in den Regionen. In den übrigen Thüringer Landkreisen und kreisfreien Städten öffnen die Schulen nach dem dreistufigen Ampel-Konzept auf "Stufe gelb".

In unserer Grafik sehen Sie, in welchen Kreisen die Einrichtungen geöffnet werden - insofern Angaben aus den Regionen vorliegen:

Was bedeutet "Stufe gelb" für die Schulen?

"Stufe gelb" bedeutet, dass die Schulen zwar öffnen, aber nur eingeschränkt. Zum Beispiel findet in vielen Schulen nur an jedem zweiten Tag Unterricht in den Schulgebäuden statt. Dadurch sitzen weniger Schüler in den Klassenzimmern - das Ansteckungs-Risiko soll so verringert werden. An den anderen Tagen gibt es dann Aufgaben über das Internet in der Schulcloud, oder die Lehrerinnen und Lehrer geben zusätzliche Hausaufgaben mit nach Hause.

Ab welchen Grenzwerten können die Schulen öffnen?

Als Grenzwert gilt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 150 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern. Liegt ein Landkreis oder eine kreisfreie Stadt darüber, sollen Schulen und Kindergärten schließen ("Stufe rot"). Darunter sollen sie eingeschränkt öffnen ("Stufe gelb"). Dies sind aber nur Empfehlungen.

Welchen Spielraum haben die Landkreise und kreisfreien Städte?

Auch bei einer Inzidenz von mehr als 150 können Schulen und Kindergärten geöffnet bleiben. Diese Entscheidung treffen die jeweiligen Schulträger selbst, das heißt die Landkreise und kreisfreien Städte. Trotz deutlich höherer Werte hat das etwa der Saale-Holzland-Kreis so entschieden. Falls die Verantwortlichen die Einrichtungen öffnen wollen, können sie für zusätzlichen Schutz zu sorgen. Sie können zum Beispiel Sport und Singen im Musikunterricht untersagen, um das Infektionsrisiko zu senken. Oder sie können einzelne Schulen in einem Landkreis dort schließen, wo es besonders viele Infektionen gibt - in anderen Orten aber nicht.

Wie sind die Reaktionen darauf?

Grundsätzlich wollen Schülerinnen und Schüler, Eltern und Pädagogen nach Angaben ihrer Verbände, dass es möglichst viel Unterricht in der Schule gibt (Präsenzunterricht). Unterricht zu Hause wird nur als zweitbeste Lösung angesehen. Gleichzeitig fordern sie aber größtmögliche Sicherheit, etwa durch Corona-Schnelltests. In den Schulen soll deutlich öfter als bisher auf Corona getestet werden. Darüber hinaus besteht ab Montag für alle Klassenstufen die Pflicht, auch im Unterricht eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Diese Maskenpflicht für alle Jahrgänge hat bereits Kritik hervorgerufen.

Angesichts der prekären Pandemielage sind wir auf die Mitwirkung aller an Schule Beteiligter angewiesen. Maßnahmen zum Gesundheitsschutz müssen gut durchdacht und vor allem verständlich kommuniziert werden. Zumindest Letzteres ist bei der angeordneten Maskenpflicht nicht geglückt.

Claudia Koch, Sprecherin Landeselternvertretung

Was ist genau geplant?

Für alle soll es nach den Osterferien zwei Mal in der Woche Corona-Schnelltests geben: für Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie das übrige Schulpersonal. Das haben die Kultusminister der Bundesländer beschlossen. Die Tests gelten als Teil des Unterrichts und sollen in der Regel in der ersten Unterrichtsstunde stattfinden. Einzelheiten organisieren die jeweiligen Schulen selbst. In Thüringen sind die Tests zunächst freiwillig. Bildungsminister Helmut Holter hatte jedoch angekündigt, bei zu geringer Testbereitschaft über ein "Betretungsverbot" zu sprechen. Ende April werde er Bilanz über die Teilnahme ziehen und dann entscheiden, ob die Corona-Schnelltests verpflichtend werden.

Thüringer Bildungsministerium und Gesundheitsministerium haben am Freitag überdies vereinbart, die Maskenpflicht im Unterricht für alle Klassenstufen einzuführen. Die neue Regel soll ab Montag und zunächst bis zum 24. April gelten.

Gibt es genügend Corona-Schnelltests?

Das Land hat nach Angaben des Bildungsministeriums bisher 457.000 Tests beschafft. In ganz Thüringen gibt es knapp 250.000 Schüler und gut 25.000 Beschäftigte in den Schulen. Weitere Tests für die kommenden Wochen sind bestellt. Einige Schulen hatten Ende der Woche mitgeteilt, noch keine Tests erhalten zu haben. Laut Ministerium sollten die Tests mittlerweile überall verteilt worden sein. Falls es Probleme gibt, gebe es in den Schulämtern noch Reserve-Tests.

Wer beschafft künftig die Tests und wer bezahlt sie?

Geplant ist, dass das Rote Kreuz (DRK) ab 19. April die Tests im Auftrag des Landes beschafft und verteilt. Bisher sind für die Tests drei Millionen Euro ausgegeben worden. Bis zum Ende des Schuljahrs rechnet das Bildungsministerium mit weiteren 45 bis 57 Millionen Euro - je nachdem, wie viele Schüler die Tests machen. Auch diese Kosten übernimmt das Land.

Um welche Art von Tests handelt es sich?

Für jüngere Kinder in den ersten vier Klassen gibt es die einfacheren Lolli-Tests, ab der 5. Klasse die "Nasenbohrer-Tests". An den Lolli-Tests müssen die Schüler zwei Minuten lang lutschen. Bei den Nasenbohrer-Tests muss mit einem Wattestäbchen im vorderen Teil der Nase eine Probe entnommen werden. Das Bildungsministerium plant nach eigenen Angaben, thüringenweit einheitlich auf Lolli-Tests umzustellen. Sie sollen dann auch auf weiterführenden Schulen eingesetzt werden. Diese Schnelltests sind nicht so unangenehm wie eine Abstrich-Entnahme für einen PCR-Test. Nach einer Viertelstunde gibt es ein Ergebnis: positiv, negativ - oder ungültig.

Was passiert, wenn ein Corona-Test in der Schule positiv ausfällt?

Das positive Testergebnis bedeutet zunächst nur, dass es einen Verdacht auf eine Infektion gibt. Die Schule benachrichtigt die Eltern und das Gesundheitsamt, das die weiteren Schritte veranlasst. Dazu gehört auch ein PCR-Test.

Sind die Corona-Tests in Thüringer Schulen freiwillig?

Ja. Allerdings müssen die Schüler im Normalfall teilnehmen. Wollen die Eltern das nicht, dann müssen sie dafür extra ein Formular ausfüllen. Im Bildungsministerium denkt man auch schon laut über eine Testpflicht nach. Minister Helmut Holter will zunächst bis Ende April abwarten. Falls sich genügend Schüler an den Tests beteiligen, bleiben sie freiwillig. Falls nicht, wird neu entschieden. Entweder kommt eine Testpflicht - oder Schüler ohne Test dürfen nicht mehr beim Präsenzunterricht mitmachen.

Schüler in einem Klassenzimmer 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 09.04.2021 19:00Uhr 02:18 min

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Video

Und was ist mit den Kindergärten?

Auch hier soll es nach den Osterferien Tests für alle Kinder ab drei Jahren geben. Der Start verschiebt sich aber offenbar noch. Nach Angaben des Paritätischen Sozialverbands Thüringen, der zahlreiche nicht-kommunale Kindergarten-Träger vertritt, sind viele Fragen noch nicht geklärt. So sehen es der Paritätische und der Gemeinde- und Städtebund als Aufgabe des Landes an, die Tests zentral zu beschaffen. Das sei einfacher, als wenn die einzelnen Träger vor Ort das machten, heißt es. Dagegen erklärte das Bildungsministerium, die Träger müssten die Tests beschaffen. Die Finanzierung übernehme dann das Land.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 11. April 2021 | 09:00 Uhr

15 Kommentare

freiheitfanatiker vor 3 Wochen

Ich finde es sehr wichtig und interessant zu erfahren,
wieviele Tests prozentual gestern in Schulen durchgeführt wurden und wieviele Schüler tatsächlich positiv getestet wurden!!! Warum erfährt man das nicht????

Sozialberuflerin vor 3 Wochen

Man könnte überall, an sämtlichen Bildschirmen "Filmchen" zur korrekten Maskenanwendung laufen lassen...
Wenn die Menschen, die es nicht für nötig halten, trotzdem nicht umsetzen... Wo ist der Sinn?

Die, die es wirklich wollen, werden selbst tätig und informieren sich!

Außerhalb von Corona, laufen soviel Aufklärungsdokus, wie man sein Kind gesund und Ernährungsbewusst erzieht...
Und? Die Zahl der adipösen, sportmuffligen Kinder steigt! (nur als Beispiel)

Verstehen Sie was ich meine?

Alles was wird irgendwann zu Gewohnheit und wird so auch weniger achtsam umgesetzt!
Oder eben, im schlechtesten Fall, ganz verweigert!





Sozialberuflerin vor 3 Wochen

@Leo77
Es werden im TV "kurze Filmchen" zur Impfung, zu Abstand und Hygieneregeln gezeigt!

Und?
Deswegen gibt's immer noch Coronaleugner sowie Impf-und Maskenverweigerer..

Und sie meinen, solche "Filmchen" ändern die Handhabung mit den Masken, die sie beschreiben?


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