Corona-Verordnung Mehrere Kreise wollen Schulen öffnen - trotz erhöhter Inzidenzwerte

Grundschulen und Kindergärten sollen in Thüringen am Montag wieder öffnen. Doch das Gesundheitsministerium ordnete am Freitag kurzfristig an, die Öffnung vom regionalen Infektionsgeschehen abhängig zu machen. Dies stößt auf scharfe Kritik. In drei Landkreisen bleiben die Einrichtungen geschlossen.

Landkreise müssen entscheiden

Mehrere Landkreise in Thüringen wollen ihre Grundschulen und Kindergärten am Montag entgegen der Empfehlung der Landesregierung öffnen: Gotha, Hildburghausen, Saale-Holzland, Saale-Orla und Weimarer Land.

Bei einem Inzidenzwert zwischen 150 und 200 liegt die Entscheidung laut jüngstem Schul-Erlass beim jeweiligen Landkreis. Nur der Kyffhäuserkreis und der Unstrut-Hainich-Kreis mit Inzidenzwerten über 190 wollen ihre Grundschulen und Kitas weiterhin geschlossen halten.

Keinen Entscheidungsspielraum hat nach der neuen Corona-Verordnung der Landesregierung nur der Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Mit einem Inzidenzwert von über 200 müssen dort die Schulen geschlossen bleiben. Maßgeblich dafür sind die Zahlen des Robert Koch-Instituts. Landrätin Peggy Greiser warf der Landesregierung vor, über die Entscheidung zu spät informiert zu haben.

Opposition und Lehrerverband kritisieren Vorgehen

Am Freitag hatte das Thüringer Gesundheitsministerium mitgeteilt, die ab Montag geplante Öffnung von Kindergärten und Grundschulen vom Infektionsgeschehen in den Landkreisen und Städten abhängig zu machen. Sollte sich die Lage thüringenweit verschärfen und die Inzidenz dauerhaft bei 120 oder höher liegen, will das Gesundheitsministerium weitere Schritte prüfen.

Die neue Regelung stieß auf harsche Kritik. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Landtag, Christian Tischner, sieht Bildungsminister Helmut Holter "entmündigt". Der Vorgang sei ein "weiterer Höhepunkt im Thüringer Schulchaos und in der völlig planlosen Krisenbewältigung", sagte Tischner. Schulöffnungen zu verkünden, ohne sie mit Inzidenzen zu verbinden, habe nun nicht nur zu einer Notbremsung, sondern zu einer riesigen Verunsicherung geführt.

Onno Eckert (SPD), Landrat des Kreises Gotha, nannte die Entscheidung des Gesundheitsministeriums grundsätzlich richtig. Er kritisierte jedoch das "Hin und Her" sowie die "unterirdische Krisenkommunikation". Er schlug Wechselunterricht auch für Grundschulen vor.

Als "einfach nur beschämend" bezeichnete der Vorsitzende des Lehrerverbandes in Thüringen, Rolf Busch, die Entscheidung. So könne man mit Menschen nicht umgehen. Es seien ja nicht nur Pädagogen betroffen, sondern auch Eltern, Verkehrsbetriebe, Anbieter von Schulessen und viele andere. Es sei ein Armutszeugnis, und das am Tag der Zeugnisausgaben, so Busch.

Auch auf Twitter gab es teils heftige Reaktionen:

Ramelow: Mussten auf Anstieg der Infektionen reagieren

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) verteidigte die kurzfristige Regeländerung zur Öffnung von Grundschulen und Kitas in der Corona-Pandemie. Die Regierung sei Anfang der Woche von sinkenden Werte ausgegangen, an drei Tagen sei die Inzidenz unter 100 gewesen. Jetzt steige sie aber wieder. Deshalb habe die Gesundheitsministerin am Freitag die Notbremse ziehen müssen.

Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hatte das Agieren mit der Sorge darüber begründet, dass der Rückgang der Infektionen seit einigen Tagen auf viel zu hohem Niveau stagniere. Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sprach von einer "harten Botschaft" für die Familien, es führe aber kein Weg daran vorbei.

Derzeit liegt die Inzidenz thüringenweit bei 128, Stand Samstagnachmittag. In acht Landkreisen wird die Inzidenz von 150 überschritten, im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sogar der Grenzwert von 200.

Meldungen aus den einzelnen Kreisen in Thüringen

Die Schulen und Kindergärten im Kreis Schmalkalden-Meiningen dürfen nächste Woche nicht öffnen. Notbetreuung und Ausnahmen für den Präsenzunterricht für Abschlussklassen und besonderen Unterstützungsbedarf bleiben bestehen.

Definitiv zu bleiben bis 5. März die Grundschule Meiningen-Walldorf und der Meininger Kindergarten Regenbogen. Dort gibt es auch keine Notbetreuung. Grund ist laut Landratsamt, dass dort neben dem herkömmlichen Coronavirus auch die britische Mutante nachgewiesen wurde.

Landrätin Peggy Greiser sagte, sie werde sich dennoch für eine großzügige Notlösung bei der Betreuung am Montag stark machen. Es könne nicht sein, dass Kinder vor der Tür stünden, weil Ministerien nicht in der Lage seien, Regelungen rechtzeitig mitzuteilen. Die Kommunikation mit dem Freistaat sei eine einzige Katastrophe.

Schulen und Kitas im Kyffhäuserkreis bleiben geschlossen

Im Kyffhäuserkreis bleiben die Grundschulen und Kindergärten am Montag zu. Pressesprecher Heinz Ulrich Thiele sagte MDR THÜRINGEN, der Kreis hätte zunächst gehofft, einen Wechselunterricht einzuführen, am Samstag habe man sich im Landratsamt aber noch mal beraten. Angesichts der steigenden Infektionszahlen sollen die Schulen mindestens bis zum 1. März geschlossen bleiben.

Schulen im Unstrut-Hainich-Kreis bleiben zu

Auch alle Schulen und Kindertageseinrichtungen im Unstrut-Hainich-Kreis bleiben vorerst im Notbetreuungsmodus. Man habe damit auf den aktuellen Erlass des Thüringer Gesundheitsministeriums reagiert, heißt es aus dem Landratsamt. Am Freitagabend lag die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis bei 198 und damit nur knapp unter der Marke von 200, ab der Schul- und Kita-Öffnungen derzeit ausgeschlossen sind.

Grundschulen im Kreis Hildburghausen öffnen eingeschränkt

Im Landkreis Hildburghausen öffnen am Montag die Grundschulen und Kindergärten wie geplant im eingeschränkten Regelbetrieb. Darüber informierte am Freitagabend Landrat Thomas Müller. Die Entscheidung sei so getroffen worden, um Kinder und Eltern, aber auch Lehrer und Erzieher nicht noch weiter zu verunsichern, sagte er. Am Montag werde der Krisenstab über das weitere Vorgehen entscheiden. Müller übte Kritik am Vorgehen des Landes. Die widersprüchlichen Entscheidungen binnen kurzer Zeit seien nicht nachvollziehbar, die zuständigen Fachämter im Landratsamt bedauerten den nicht akzeptablen Umgang mit den Familien, sagte er.

Eingeschränkter Regelbetrieb im Kreis Gotha

Grundschulen und Kindergärten im Landkreis Gotha sollen ab Montag öffnen. Wie Landrat Onno Eckert mitteilte, gilt wie geplant der eingeschränkte Regelbetrieb. Die Inzidenz sei seit einer Woche etwa stabil geblieben, daher habe man sich zu diesem Schritt entschieden. Man werde die Lage aber aufmerksam beobachten und wenn nötig reagieren.

Direktoren wählen Unterrichtsmodell im Saale-Holzland-Kreis

Im Saale-Holzland-Kreis sollen Grundschulen und Kindergärten am Montag im eingeschränkten Regelbetrieb öffnen. Landkreis-Sprecherin Silke Bioly sagte, man beobachte die Inzidenzzahlen genau und werde bei einem Anstieg reagieren. Für Montag könnten die Schuldirektoren je nach Situation entscheiden, ob sie Wechselunterricht anbieten oder andere Formen wie feste Gruppen wählen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Eingeschränkte Regelbetrieb im Saale-Orla-Kreis

Grundschulen und Kindergärten im Saale-Orla-Kreis sollen am Montag öffnen. Wie das Landratsamt mitteilte, gilt dann der eingeschränkte Regelbetrieb. Nach Angaben der Kreisverwaltung nehmen alle Einrichtungen mit Ausnahme des Kindergartens Wurzbach, der quarantänebedingt im Notbetrieb bleibt, diese Möglichkeit wahr. Landrat Thomas Fügmann sagte, was die Eltern, aber auch die Einrichtungen derzeit am wenigsten bräuchten, seien Schnellschüsse von heute auf morgen.

Öffnungen im Weimarer Land

Auch die Grundschulen und Kindergärten im Weimarer Land werden am Montag öffnen. Das teilte eine Sprecherin des Landratsamtes mit. Auch wenn der Corona-Inzidenzwert des Kreises aktuell bei über 160 stehe, habe man sich vorerst für eine Öffnung entschieden. Am Montagmorgen will der Pandemiestab neu beraten.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/dvs/mm

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Februar 2021 | 19:00 Uhr

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