Corona-Prävention Thüringer Schulen: Lieber lüften statt filtern

Lieber häufig lüften statt filtern - so wird es an vielen Schulen in Thüringen derzeit gemacht. Wann genau der richtige Zeitpunkt zum Lüften gekommen ist, zeigen sogenannte CO2-Ampeln an. Mit gelbem und rotem Lichtern warnen sie vor Kohlendioxid in der Luft, und damit auch vor vielen Aerosolen, die Corona übertragen können.

CO2-Ampel
Die CO2-Ampeln erkennen keine Corona-Viren, zeigen aber an, wann es Zeit zum Lüften ist. Bildrechte: dpa

Statt auf Luftfilter setzen viele Thüringer Schulen auf CO2-Ampeln und regelmäßiges Öffnen der Fenster. Dadurch sollen Corona-Infektionen während des Unterrichts verhindert werden, wie eine Umfrage von MDR THÜRINGEN in den Landkreisen und kreisfreien Städten ergab.

Luftreiniger werden an Thüringer Schulen kaum in Betracht gezogen, weil sie für die Kreise und kreisfreien Städte den Angaben nach oft zu teuer sind und die entsprechenden Fördergelder dafür nicht ausreichen. Die stattdessen bevorzugten Ampeln erkennen zwar keine Coronaviren - zeigen aber an, wann es Zeit zum Lüften ist. In gelb und rot warnen sie vor viel CO2 in der Luft - und damit auch vor vielen Aerosolen, also kleinen Partikeln, über die das Coronavirus übertragen werden kann. Wie bei einer Ampel lässt sich so ein möglicherweise erhöhtes Infektionsrisiko ablesen.

Mehrere Landkreise setzen auf CO2-Ampeln

So will beispielsweise der Saale-Orla-Kreis sämtliche Schulen über die Sommerferien mit CO2-Sensoren ausrüsten. Insgesamt stehen dafür 194.000 Euro bereit. Der Kreis hatte zuvor in einem Pilotprojekt in der Grundschule in Bad Lobenstein die Technik bereits erprobt. Auch in den staatlichen Schulen in Saalfeld sollen bis zum Schuljahresende CO2-Ampeln eingebaut werden. Abhängig sei dies aber von den Zulieferern der technischen Komponenten, teilte die Stadtverwaltung mit. Geplant ist, die Anlagen in rund 100 Schulräumen zu installieren. Insgesamt werden dafür 33.000 Euro aus Landesmitteln investiert. Angemeldet hatte die Stadt einen Bedarf von rund zwei Millionen Euro.

Insgesamt 900 CO2-Ampeln will der Unstrut-Hainich-Kreis in Klassenzimmern aufstellen. Zudem sollen Trennwände und Boden-Aufkleber eingesetzt werden. Der Kreis hatte die Ampeln zuvor mehrere Wochen lang in zwei Schulen getestet.

Auch im Landkreis Nordhausen wird auf die CO2-Messgeräte gesetzt. Von den 137.000 Euro, die der Kreis bekommen hat, sollen 600 Anlagen angeschafft werden, wie Sprecherin Jessica Piper mitteilte. Luftreiniger hätten erhebliche Umbauten in den meisten alten Schulgebäuden nötig gemacht, so Piper. Das war dem Landkreis nicht nur zu teuer, auch die Wirkung der Geräte sei zu ungewiss. Einzige Ausnahmen sind das neugebaute Oberstufengebäude des Humboldt-Gymnasiums und das sanierte Schiller-Gymnasium in Bleicherode. Dort wurden Luftreinigungssysteme schon bei der Planung berücksichtigt.

Luftreiniger: Wirkung ungewiss, Anschaffung teuer

Auch der Kreis Schmalkalden-Meiningen will entsprechende Fördergelder für mobile CO2-Sensoren in Schulen einsetzen. Insgesamt hat der Kreis rund 300.000 Euro dafür vom Land erhalten. Der Kreis rechnet damit, dass die Geräte zeitnah installiert werden können. Noch läuft jedoch das Vergabeverfahren. Der Landkreis hat sich bewusst dagegen entschieden, Lüftungssysteme in die Klassenräume einzubauen. Diese seien in der Anschaffung und im Unterhalt durch den Stromverbrauch zu teuer. Die Fördermittel für den flächendeckenden Einsatz seien zudem nicht ausreichend. Den Angaben nach müssten dafür mindestens zwei Millionen Euro investiert werden. Zudem gebe es eine Empfehlung des Umweltbundesamtes, dem der Kreis folge. Danach gebe es keinen eindeutigen Nachweis für eine verlässliche Reduzierung von Sars-Cov-2-Viren in der Raumluft durch mobile Luftreiniger.

Ein Luftfiltergerät steht in einem Klassenzimmer
Laut Bundesumweltamt gibt es keinen eindeutigen Beweis für eine verlässliche Reduzierung von Corona-Viren durch mobile Luftreiniger. Bildrechte: dpa

Wartburgkreis, Eisenach und Jena installieren Luftreiniger

Dennoch will unter anderem der Wartburgkreis auf Luftreinigungsgeräte setzen. So sollen 175 Geräte in den staatlichen Schulen im Wartburgkreis eingesetzt werden. Sie sollen mit den Sensoren die Luft messen und reinigen. Damit soll das Risiko einer möglichen Infektion in den Unterrichtsräumen minimiert werden. Für die Geräte stehen rund 265.000 Euro zur Verfügung. Auch in Eisenachs Schulen werden die mobilen Luftreiniger favorisiert. Für rund 81.000 Euro sollen sie spätestens zum neuen Schuljahr zur Verfügung stehen. Genauso wie im Wartburgkreis läuft auch in Eisenach derzeit noch das Vergabeverfahren.

Auch in Jenas Schulen sollen Luftreiniger eingesetzt werden. Dafür hat die Stadt 200.000 Euro Fördermittel bekommen. Nach Angaben der Stadt werden die Schulen dabei priorisiert. So werde unter anderem danach geschaut, wie in den jeweiligen Schulen gelüftet werden kann. Auch das besondere Schutzbedürfnis jüngere Schüler oder von Schülern mit einem Handicap werde berücksichtigt. Dutzende mobile Luftreiniger sind bereits in einigen Schulen eingebaut. Sie wurden von der privaten Initiative "Operation Luftschloss“ der Stiftung Nanotechnologie angeschafft und verteilt.

Die Gelder, mit denen die Schulen in Anlagen zum Infektionsschutz investieren, stammen aus dem Sondervermögen des Freistaats Thüringen "Hilfe zur Überwindung direkter und indirekter Folgen der Corona-Pandemie". Insgesamt umfasst der Fördertopf fünf Millionen Euro, verfügbar sind die Gelder nach Angaben der Landratsämter seit Ende April.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/nis

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 14. Juni 2021 | 07:00 Uhr

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