Kritik an Landesregierung Maskenpflicht und Corona-Selbsttests an Schulen: Noch viele Fragen offen

In vielen Thüringer Schulen läuft der Unterricht unter Corona-Bedingungen weiter - mit Maskenpflicht für alle Klassenstufen und der Möglichkeit, dass Kinder und Jugendliche sich freiwillig selbst testen. Doch Eltern und Lehrer sind verärgert: Zu viele Fragen seien noch offen. Die Kommunikation seitens der Landesregierung lasse zu wünschen übrig.

Eine Schülerin hält einen Corona-Selbsttest in der Hand.
Eine Erfurter Schülerin testet sich selbst mit Hilfe eines Coronavirus-Schnelltests: Die Umsetzung der Teststrategie an Schulen wirft noch Fragen auf. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

Die Thüringer Landeselternvertretung kritisiert die Landesregierung für ihr Vorgehen bei der Einführung der Maskenpflicht für alle Klassen. Sprecherin Claudia Koch sagte MDR THÜRINGEN, der größte Fehler sei gewesen, dass es den Menschen nicht erklärt worden sei.

Corona Schnelltests in der Sporthalle einer Schule
Corona Schnelltests in der Sporthalle einer Schule Bildrechte: IMAGO / Reichwein

Sorgen wegen Maskenpflicht an Grundschulen

Die Maskenpflicht auch an Grundschulen habe immer als letztes Mittel gegolten.

Das Thema sei emotional behaftet, viele Eltern sorgten sich, ob ihre Kinder damit zurechtkommen. Koch forderte, an dieser Stelle nachzubessern. Wenn die Regelung weiterhin Bestand haben solle, müssten "die Leute mitgenommen" werden. So müsse auch erklärt werden, warum trotz freiwilliger Tests im Unterricht Mund-Nasen-Bedeckungen nötig sind.

Wissenschaftler: Masken sind kein Problem für gesunde Kinder

Hans-Iko Huppertz von der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie sagte, es gebe wissenschaftlich keinen einzigen Hinweis, der darauf hindeuten würde, dass die Masken, wenn sie ordnungsgemäß benutzt werden, für gesunde, wache Kinder gefährlich seien. Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmediziner erklärte: "Es gibt keinen Sauerstoffmangel oder nennenswerte CO2-Retention bei gesunden Kindern und Jugendlichen - selbst beim längeren Tragen der Masken nicht. Der Atemwegswiderstand ist erhöht, je dichter die Maske ist, was gesunde Kinder und Jugendliche unter ruhender Tätigkeit problemlos kompensieren können." Ausführlich hier:

Juristische Auseinandersetzung um Weimarer Gerichtsbeschluss

Die Kreiselternsprecherin für Grundschulen im Saale-Holzland-Kreis, Bianca Göhrig, spricht ebenfalls von großen Sorgen bei den Eltern: Immer wieder meldeten sich Mütter und Väter, die das Tragen von Masken für ihre Kinder ausschließen wollten. Das seien in aller Regel Eltern, die "in höchstem Maß bestrebt" seien, beim Eindämmen der Pandemie zu helfen. Die Elternvertreter fordern außerdem, im Fall drohender Schulschließungen häufiger Wechselunterricht als Alternative zu prüfen.

Lehrerverband: Große Verunsicherung bei Corona-Selbsttests

Auch bei den Thüringer Lehrerinnen und Lehrern herrscht Verunsicherung. Vor allem die Selbsttests für die Kinder und Jugendlichen werfen laut Thüringer Lehrerverband (tlv) Fragen auf. Es gebe viele Aspekte bei der Teststrategie, die "nicht oder nur mangelhaft geregelt sind", sagte der tlv-Vorsitzende Rolf Busch am Dienstag. Sein Verband werde mit Anfragen besorgter, überforderter und ratloser Kolleginnen und Kollegen überhäuft.

So würden immer wieder die rechtlichen Aspekte hinterfragt: Wie werden Beschäftigte, aber auch Schülerinnen und Schüler vor möglichen Gefahren beim Testen geschützt? Müssen Eltern den Tests aktiv zustimmen - oder reicht es, auf einen Widerspruch zu verzichten? Wie sollen mögliche positive Tests richtig entsorgt werden? Der Verband richtete daher 20 Fragen an Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke). Viele davon berühren das Thema Sicherheit: So müssten die Schülerinnen und Schüler beim Testen ihre Masken absetzen.

Der Lehrerverband will zudem wissen, wann sich auch das Personal an weiterführenden Schulen impfen lassen könne. Bisher erhielt nur das Personal von Grund- und Förderschulen Impfangebote.

Eine Lehrerin teilt Corona-Selbsttests aus.
Eine Lehrerin teilt Corona-Selbststests in einer Erfurter Schule aus: Viele Aspekte bei der Teststrategie seien nicht oder nur mangelhaft geregelt, so der Thüringer Lehrerverband. Bildrechte: MDR/Lisa Wennemer

CDU und Grüne: Verpflichtende Tests in Schulen

Die Debatte um den Infektionsschutz an Schulen hält auch auf politischer Ebene an. So forderte die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, der Öffnung von allen Schulen oberste Priorität einzuräumen - unabhängig von einem Inzidenzwert. In einer Stellungnahme regte die CDU am Dienstag zwei verpflichtende Tests pro Woche an. Bei hohen Infektionszahlen solle es ab der fünften Klasse Wechselunterricht und eine Maskenpflicht geben, aber kein ständiges Distanzlernen zu Hause. Gleichwohl sollten Eltern ihre Kinder aus Gründen des Infektionsschutzes vom Präsenzunterricht schriftlich abmelden können. Für Grundschulen ist in dem CDU-Papier kein Wechselmodell vorgesehen.

Alle Jahrgangsstufen müssen endlich zurück in den Präsenzunterricht! Für den Unterricht an den weiterführenden Schulen werden deshalb die Klassen geteilt (Wechselmodell). Ein Teil der Schülerinnen und Schüler lernt damit zu Hause, während der andere Teil im Präsenzunterricht ist.

"5 Regeln für den Präsenzunterricht": Positionspapier der CDU-Fraktion im Thüringer Landtag, veröffentlicht am 13.04.2021

Die Grünen werben ebenfalls für Wechselunterricht und eine Testpflicht zweimal wöchentlich. Niemand werde gezwungen, es sei aber nötig, über Betretungsverbote in Schulen für Ungetestete nachzudenken, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Astrid Rothe-Beinlich. Darüber hinaus beklagte sie eine Zurückhaltung der Kommunen beim Anschaffen von Luftreinigungsanlagen. In Sachsen-Anhalt setzte das Bildungsministerium eine Testpflicht aus - zunächst bis Ende der Woche nach einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Magdeburg.

die evangelische Grundschule Sömmerda im Online-Präsenz-Unterricht.
Bildrechte: MDR/Grit Hasselmann

Die FDP-Fraktion plädierte dafür, Selbsttests zu Hause zu ermöglichen. Das Testen im vertrauten Umfeld steigere die Akzeptanz und nehme Ängste, sagte die bildungspolitische Sprecherin, Franziska Baum. Kinder müssten außerdem nicht befürchten, bei einem positiven Ergebnis in der Schule stigmatisiert zu werden. Man solle den Eltern vertrauen, dass sie bei einem positiven Test verantwortungsvoll reagieren.

Quelle: MDR THÜRINGEN/uka, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 13. April 2021 | 12:00 Uhr

13 Kommentare

Sigrun vor 4 Wochen

@Sozialberuflerin: Letzte Antwort an Sie. Im Beitrag geht es um Test an den Schulen sowie die Einführung einer Maskenpflicht. Ich gestehe, auch ich bin vom Thema abgewichen. Nur was hat Ihre Kritik an der Schule mit dem Testen und der Maskenpflicht zu tun? Ja, sie schreiben, dass das mit dem Testen an der Schule Ihres Kindes nicht funktioniert. Haben Sie sich an die zuständige Stelle, d.h. an den Schulträger bezüglich dieses Problems gewendet?

Sozialberuflerin vor 4 Wochen

Fragen Sie doch einfach mehrere Grundschullehrer, unterschiedlicher Schulen

Es würde den Rahmen sprengen hier sämtliche Missstände, die schon Jahre zurück zuführen sind und durch die Pandemie nur mehr Probleme mit sich bringen, aufzuzählen und auch noch zu erklären!

Sie scheinen völlig im Bilde zu sein... Dann ist ja gut

Ich bin dafür verantwortlich, was ich schreibe und meine
Nicht dafür, was sie davon verstehen (wollen)

Sigrun vor 4 Wochen

@Sozialberuflerin: Ich weiß sehr wohl, was an Schulen auch jetzt möglich ist. Aber, und dazu stehe ich, es nervt, wenn Menschen über Dinge sprechen/schreiben, von denen sie offensichlich nicht viel verstehen.
Was verstehen Sie denn unter Digitalisierung der Schule? Sie schreiben von fehlenden Arbeitsmaterial, von maroden Gebäuden ... Nur was hat das alles mit der Digitalisierung zu tun?

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