Unterricht in der Pandemie Kritik an wechselnden Vorgaben für Schulen in Thüringen

Jessica Brautzsch
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An Thüringer Schulen herrschen Unsicherheiten: Erst wollte die Landesregierung nach den Weihnachtsferien mit Distanzunterricht starten, jetzt sollen die Schulen selbst entscheiden, ob es Präsenz- oder Distanzunterricht geben soll. Schüler, Lehrer und Eltern kritisieren die wechselnden Vorgaben.

Eine Schülerin meldet sich im Unterricht
Nach viel Hin und Her starten die meisten Thüringer Schulen nun in Präsenz. Bildrechte: dpa

Helena Haaré und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler stehen unter enormen Druck. Sie besuchen die 10. Klasse eines Weimarer Gymnasiums, bereiten sich auf ihren ersten Abschluss, den BLF, vor. Zu den normalen Anforderungen kommen aber noch die pandemiebedingten Wechsel von Distanz- und Präsenzunterricht.

Diese hätten den Unterricht erschwert, erzählt Helena: "Viele Lehrer haben Angst, dass wir wieder in den Distanzunterricht gehen und dadurch zieht natürlich das Pensum in der Schule an. Wenn wir in den Präsenzunterricht gehen, müssen wir uns so gut vorbereiten, dass wir schnell wieder Arbeiten schreiben können und da wird eher wenig Rücksicht genommen, ob wir das Thema gut verstanden haben oder nicht." Entweder ziehe man durch oder werde zurückgelassen.

Unzumutbare Aufgabe für die Schulleitungen

Helena Haaré ist auch zweite Vorsitzende der Landesschülervertretung Thüringen und kritisiert die wechselnden Ansagen der Thüringer Landesregierung. Die hatte erst Distanzunterricht verordnet, ohne die rechtlichen Grundlagen dafür zu haben. Stattdessen soll nun jede Schule einzeln entscheiden, wie unterrichtet wird.

Genauer gesagt die Schulleitungen, die damit vor eine unzumutbare Aufgabe gestellt würden, kritisiert Michael Kummer, Sprecher des Landesverbands der Gewerkschaft für Erziehung und Bildung GEW: "Die Verantwortung, die sie jetzt bekommen, dass sie medizinisch und virologisch beurteilen sollen, ob das sinnvoll an ihrer Schule mit Distanz- oder Präsenzunterricht ist – das ist etwas, was ihnen eigentlich nicht zugemutet werden kann."

Nur selten Wechselunterricht an Thüringer Schulen

Tatsächlich hat sich der Großteil aller Schulen in Thüringen für den Präsenzunterricht entschieden. Das teilten die Landesschulämter MDR AKTUELL auf Nachfrage mit. Nur vereinzelt könnte es zu Maßnahmen wie Wechselunterricht kommen.

Um dies zu entscheiden, mussten die Lehrerinnen und Lehrer zu ungewöhnlichen Maßnahmen greifen, berichtet Kummer: "Das heißt, die Lehrer waren auf einmal angehalten bei den Eltern zu erfragen, ob es Infektionen gibt oder gab und ob Quarantänemaßnahmen da waren oder existieren. Das ist natürlich ein total heikles Feld, denn das berührt Belange des Datenschutzes massiv." Und es sei einigen Eltern sehr unangenehm.

Neue Gespräche auf Kultusministerkonferenz am Mittwoch

Andere Eltern würden sich aber sogar noch mehr Absicherung wünschen. Von diesem gemischten Bild berichtet auch die Sprecherin der Landeselternvertretung, Claudia Koch: "Wir haben in der Zeit vor Weihnachten sehr viele Eltern gehabt, die gesagt haben, sie hätten gerne, dass die Schulen geschlossen werden, weil die Infektionsgefahr zu groß ist. Wir hatten Eltern, die gesagt haben: Um Gottes willen Distanzunterricht, wir wollen nicht wieder in die Schulschließungen. Und wir haben Eltern, die sagen: Könnt Ihr Euch nicht mal entscheiden?"

Tatsächlich könnte schon am Mittwoch eine neue Entscheidung anstehen, wenn sich die zuständigen Minister zur Kultusministerkonferenz zusammenschalten, um über die Corona-Lage an den Schulen zu beraten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 05. Januar 2022 | 06:13 Uhr

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