Pandemie Thüringer Tafeln während Corona: Ältere Menschen nutzen Angebot seltener

Viele ältere Menschen nutzen während der Corona-Pandemie das Angebot der Tafeln in Thüringen seltener - um Kontakte zu vermeiden. Deshalb haben einige der Organisationen nun beispielsweise Lieferdienste eingerichtet. In einigen Orten in Thüringen kommen seit Pandemiebeginn auch häufiger jüngere Menschen zu den Tafeln.

Lebensmittel werden in der Ausgabestelle einer Tafel einsortiert.
Die Corona-Pandemie wirkt sich auch auf die Arbeit der Thüringer Tafeln aus. (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die Corona-Pandamie wirkt sich auch auf die Arbeit der Thüringer Tafeln aus. Die Vorsitzende der Thüringer Tafeln, Beate Weber-Kehr sagte, dass sich vor allem ältere Menschen häufig nicht mehr zu den Tafeln getraut hätten: "Viele wollten Kontakte vermeiden und haben auf einen Besuch der Tafel verzichtet." Aus diesem Grund hätten einige der Tafeln in Thüringen einen Lieferdienst eingerichtet.

Wegen Corona: Tafel-Lieferdienst eingerichtet

Giselda Schädlich engagiert sich in der Geraer Tafel. Sie erzählt, dass die Lebensmittel mit dem Malteser Hilfsdienst oder auch durch Street Worker zu den Menschen nach Hause gebracht werden. So könnten auch Familien versorgt werden, die beispielsweise in Quarantäne sind. Die Geraer Tafel konnte seit der Corona-Pandemie vollständig geöffnet bleiben und durchgehend etwa 3.000 Bedürftige im Monat versorgen.

Auch in Erfurt ist die Tafel kreativ geworden. Die älteren Menschen wollten auch hier die Kontakte meiden. Schon die Anreise mit der Straßenbahn stelle für viele ein Risiko dar. Deshalb durften nun auch Bekannte die Waren abholen und zu den Betroffenen nach Hause bringen.

Helferinnen der Blankenhainer Tafel packen die Kiste mit Lebensmitteln für einen Kunden.
Einige Tafeln haben wegen der Pandemie einen Lieferdienst eingerichtet. Bildrechte: dpa

Auch jüngere Menschen kommen zur Tafel

Ein besonderes Phänomen konnte die Tafel in Nordhausen feststellen. Dort besuchen seit der Corona-Pandemie auch vermehrt jüngere Menschen zwischen 30 und 45 Jahren die Tafel. Auch in Eisenach wurde beobachtet, dass vereinzelt mehr junge Menschen das Angebot nutzten. Insgesamt besuchten hier mehr Menschen die Tafel seit Beginn der Pandemie.

"Vor allem Rentner und ältere Menschen versuchen, so etwas Geld zu sparen", sagen die Helfer vor Ort. In Suhl und in Meiningen haben die Mitarbeiter der Tafeln kaum Veränderungen wahrgenommen. Meist kommen die regelmäßigen Stammabholer vorbei, um ihre Lebensmittel mitzunehmen.

Wegen Inflation: Tafeln rechnen mit höherer Nachfrage

Ein Sprecher der Tafel Meiningen weist jedoch darauf hin, dass die Tafeln in Zukunft mehr Menschen erwarten, die den Service nutzen werden. Das liege an der Inflation. Die Preissteigerung bei Lebensmitteln und Energiekosten wirke sich auf viele Familien direkt aus. Die Tafel Meiningen rechnet mit einem verzögerten Effekt, auf den sich der Standort ab jetzt vorbereiten werde.

Quelle: MDR

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 04. Februar 2022 | 07:00 Uhr

10 Kommentare

Otto_ vor 27 Wochen

@Matthi: Ob das Angebot von reduzierten Artikeln in den letzten Jahren weniger geworden ist, kann ich nicht so genau einschätzen.

Bezüglich des Energiekostenzuschusses stimme ich Ihnen allerdings voll und ganz zu. Hier hätte es einen einmaligen Zuschuss für alle oder zumindest für einen weitaus größeren Teil der Bevölkerung geben müssen. Ich habe auch Freunde, die nur knapp über der Grenze liegen, ab der sie Wohngeld bekommen würden. Sie bekommen daher also weder einen Energiekostenzuschuss noch können sie bei der Tafel einkaufen.

Daher finde ich, es sollte allgemein schnellstmöglich etwas gegen die stark gestiegenen Preise bei Lebensmitteln und Energie getan werden.

Lila123 vor 27 Wochen

Ich finde es toll, dass die Tafeln bzw. deren Mitarbeiter so kreativ sind und sogar teilweise Lieferdienste organisiert haben. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Politik sich darauf auch ein wenig ausruht. Es ist doch kein Zustand, dass immer mehr Leute zur Tafel gehen müssen.

Und man darf auch nicht vergessen, dass es auch viele Menschen ohne Sozialausweis durch die starke Inflation sehr schwer haben, über die Runden zu kommen.

Ich kenne z. B. viele die in den letzten Monaten immer wieder von Kurzarbeit betroffen waren, aber trotzdem eine Familie ernähren müssen. Andere haben ihr ganzes Leben lang gearbeitet und können sich von ihrer Rente keinen Einkauf im normalen Supermarkt leisten.

Matthi vor 27 Wochen

Es ist schlimm das es Tafeln in Deutschland gibt in einem ach so reichen Land. Was viele nicht auf dem Zettel haben, seit es Tafeln gibt sind die Reduzierten Angebote in Supermärkten und Geschäften extrem zurückgegangen, aber genau diese Lebensmittel haben Kunden gekauft die auch wenig Geld haben aber keinen Anspruch auf den Sonalausweis haben weil sie ca. einen Euro Zuviel haben. Das sind auch wieder die Verlierer beim Energiezuschuss den es geben soll.

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