Pandemie Corona-Schnelltests in Thüringer Kitas: Wie klappt die Umsetzung?

Ab sofort müssen Kindergartenkinder, Erzieherinnen und Erzieher in Thüringen zweimal pro Woche die Möglichkeit erhalten, einen Corona-Schnelltest zu machen. Die Kosten für die freiwilligen Tests in den Kitas übernimmt das Land. Für die Beschaffung sind allerdings die Einrichtungen selbst verantwortlich. Wie klappt die Umsetzung bisher? 

Kita-Kinder beim sogenannten Lolli-Test
Kindergartenkinder sollen, so die Vorschrift des Bildungsministeriums, zweimal in der Woche ein Angebot erhalten, sich auf das Coronavirus testen zu können. Viele Kindergärten in Thüringen haben aber bisher noch gar keine Tests erhalten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Seit Ende vergangener Woche gilt in Thüringen: Jedes Kindergartenkind sowie die Erzieherinnen und Erzieher müssen zweimal pro Woche die Möglichkeit bekommen, einen freiwilligen Corona-Schnelltest zu machen. Jede Kita steht in der Pflicht, die Schnelltests selbst zu organisieren und bereitzustellen. Michael Brychcy, der Präsident des Städte- und Gemeindebundes Thüringen, hat die neue Vorgabe kritisiert. Es gebe nicht genug Tests und die selbstständige Beschaffung sei zu aufwendig. Das Ganze sei eine Nacht- und Nebelaktion des Landes.

Was das Bildungsministerium den Kommunen entgegenhält

Das Bildungsministerium hält dagegen: Die Regeln seien schon vor Wochen angekündigt worden. "Wer erst handelt, wenn die bekannte Verordnung in Kraft tritt, hat Pandemie nicht verstanden", so Ministeriumssprecher Felix Knothe. Zudem seien Lieferprobleme immer nur vorübergehend und nicht gleichzusetzen mit Beschaffungsproblemen.

Dennoch, so die Kritik der Träger, sei erst vergangene Woche Donnerstagnachmittag bekanntgegeben worden, dass die Vorgabe für die Tests in Kindergärten bereits ab Montag (19. April) gilt. Diese so schnell umzusetzen, sei unrealistisch. Zudem begründete das Bildungsministerum selbst erst vergangene Woche die fehlenden Schnelltests an Schulen mit anhaltenden Lieferengpässen. Dadurch könne nicht garantiert werden, dass jede Schule zweimal pro Woche Tests anbieten kann. Man arbeite allerdings mit Hochdruck daran, mehr Tests zu beschaffen. Genau das, worum sich Kommunen und Träger derzeit für Kindergärten ebenfalls bemühen.

Freie Träger überwiegend optimistisch

"Aktuell ist alles noch etwas unkoordiniert, aber wir arbeiten an einer zentralen Struktur", so Judith Schramm vom DRK Kreisverband in Meiningen. Unkoordiniert bedeutet, dass die Beschaffung momentan noch, je nach Träger beziehungsweise Landkreis, unterschiedlich abgewickelt wird. Im Landkreis Schmalkalden-Meiningen etwa werden die Schnelltests schon seit einiger Zeit vom Landratsamt beschafft. Gleiches gilt für den Landkreis Hildburghausen. Die Stadt Erfurt hat Schnelltests für alle Einrichtungen bereits in der vergangenen Woche bestellt, geliefert werden sollen sie aber erst in dieser Woche.

Zentrale Beschaffung auch für Kindergärten geplant

Für alle anderen Kreise und Kommunen soll es bald die Möglichkeit geben, die Tests über den DRK-Landesverband zu erhalten. Vorbild ist hier das Modell der Schulen. Für die Bildungseinrichtungen übernimmt das Deutsche Rote Kreuz die Beschaffung. "Eine zentrale und einheitliche Beschaffung ist im Sinne der freien Träger", sagt Sonja Tragboth vom Landesverband der Awo. Ganz auf sich allein gestellt eine Logistik aufzustellen, sei nicht möglich. Zudem bestehe die Hoffnung, dass durch eine zentrale Beschaffung alle die gleichen Tests bekommen. Das sei wichtig, damit die Einweisung nicht zu kompliziert werde, so Tragboth.

Schon so sei es herausfordernd genug, mit den kleinen Kindern Tests durchzuführen. Auch Sandy Heß vom Diakoniewerk Sonneberg hofft, dass die zentrale Beschaffungsstruktur bald steht. Als kleinerer Träger könne man nicht endlos in Vorkasse treten, sagt sie. 

"Dass die Beschaffung nicht von einem Tag auf den anderen Tag reibungslos funktioniert, wissen alle Beteiligten", sagt DRK-Vertreterin Schramm vom Kreisverband in Meiningen. Dem stimmt auch das Land zu. Dennoch sei es geboten, sich jetzt intensiv um die Beschaffung der Tests zu kümmern, sagt der Sprecher des Bildungsministeriums. Während das Land die Kosten trägt, seien die Kindertageseinrichtungen in der Organisationspflicht. Dass eine dezentrale Beschaffung sinnvoll ist und funktioniert, hätten die Schulen schon bewiesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 22. April 2021 | 05:00 Uhr

36 Kommentare

Sozialberuflerin vor 25 Wochen

@Ule

Weitestgehend, hab ich den Eindruck, denken wir in die ähnliche Richtung!

Allerdings finde ich das Testen im öffentlichen Raum, gerade wichtig!!

Nur sollten dementsprechende Vorkehrungen getroffen werden, um die zu entlasten, die ihre Arbeit machen müssen!
Sprich Lehrer und Erzieher

Die widersprüchlichen Maßnahmen zwischen Kitas und Schulen zum Beispiel

Die Gegebenheiten, unter denen Hygienemaßnahmen stattfinden sollten.
Der Personalmangel, der dem im Wege steht

Die Maßnahmen sollen unter Bedingungen stattfinden, die in den letzten Jahren schon "normale Arbeit" mancherorts schwierig werden ließ!

Die Verantwortung wird nur weitergeschoben, jedoch sehr wenig für die getan, die es durchführen bzw. tragen müssen!



MDR-Team vor 25 Wochen

Liebe Sozialberuflerin,

unserer Recherche nach gibt es zwar, beispielsweise beim Lolli-Test-Anbieter „CoronaOne“, Hinweise zu gesundheitsschädlichen Komponenten in der Packungsbeilage, allerdings beziehen sich diese nicht auf die gesundheitsrelevanten Teile des Tests, also die Teile, die die Kinder dann tatsächlich in den Mund nehmen. So heißt es ist der Packungsbeilage des oben genannten Anbieters:

„Auf einem Teil des Teststreifens sind freie unschädliche monosolare rekombinante Antikörper gegen das Coronavirus, an die N/S-Nukleokapsidprotein-Antigene des Coronavirus binden.“

ule vor 25 Wochen

@ Sozialberuflerin

Sie haben recht mit der 3. Welle und bald auch schon die 4. Welle .

Die Wissenschaftler scheinen in ihrer Wissenschaft stark eingeengt zu sein. Es gibt keine detaillierten Veröffentlichungen über die Ausbreitungen eines Virus in Abhängigkeit von Zeit, Raum und Klima.
Alle klammern sich an eine Inzidenzzahl, die weder die Realität abbildet, noch einen Hinweis darauf gibt, wie sich das Virus ausbreitet und wie man dem Virus begegnen kann.

Die Inzidenzzahl kann erst dann berechnet werden, wenn das Virus bereits seinen Weg beschritten hat.
Wollte man mit dieser Vorgehensweise einen Waldbrand löschen, dann ist das ein hoffnungsloses Unterfangen.
Der Feuerwehrmann analysiert zuerst die Ausbreitungsrichtung und die Ausbreitungsbedingungen des Feuers, bevor er mit dem löschen beginnt.

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