Pandemie Debatte um weitere Corona-Tests an Schulen und Kindergärten

Thüringer Schüler sollen nach dem Start des neuen Schuljahres nur noch zwei Wochen lang auf das Corona-Virus getestet werden. Kritik kommt von SPD und CDU sowie vom Lehrerverband. Sie fordern eine Rückkehr zur Test-Pflicht.

Eine Schülerin träufelt in einem Klassenraum im "֖kumenischen Domgymnasium" eine Lösung nach einem selbst durchgeführten Corona-Test auf einen SARS-CoV-2-Antigentest.
Bildungsminister Holter begründet den Stopp der Corona-Tests unter anderem mit deren erheblichen Kosten. Bildrechte: dpa

Gegen die Pläne des Bildungsministeriums, die Corona-Test an Schulen und Kindergärten zu beenden, regt sich Widerstand. CDU und SPD machen sich stark für ein Fortsetzen der Tests, die SPD fordert die Rückkehr zur Test-Pflicht. Der bildungspolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Hartung, sagte, Bildungsminister Helmut Holter (Linke) müsse seiner Verantwortung für Kinder und Jugendliche gerecht werden.

Es sei widersinnig, ein etabliertes und akzeptiertes System in dem Moment zu zerschlagen, in dem die vierte Pandemiewelle anrolle und vor allem jüngere Menschen bedroht seien.

Bildungsexperte Christian Tischner von der CDU nannte die Pläne "schlichtweg unbrauchbar". Eine Unterrichtsgarantie für das gesamte Schuljahr könne es nur mit einem tragfesten Hygienekonzept, Luftfiltern und auch Tests geben.

Was halten Sie davon, im neuen Schuljahr die Corona-Tests nach zwei Wochen zu beenden?

2% 2264 Stimmen   Finde ich gut, da Corona-Massen-Tests viel Geld kosten.
56% 73156 Stimmen   Finde ich nicht gut, wir sollten Kinder und Jugendliche weiter auf das Coronavirus testen.
43% 55894 Stimmen   Ich bin grundsätzlich dagegen, Kinder und Jugendliche auf das Coronavirus zu testen.
0% 180 Stimmen   Mir ist es egal, ob Corona-Tests an Schulen und Kindergärten gestoppt werden.

Stand: 05.08.2021 14:58:59 Uhr 131494 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Die Abstimmung ist beendet.

Kritik von Lehrer- und Elternverband

Kritik kommt auch vom Thüringer Lehrerverband. Das Vorgehen wäre fatal, so der TLV-Landesvorsitzende Rolf Busch. Das Testen nur bei Symptomen berge die Gefahr, dass die Infektionszahlen schnell steigen.

Als zu früh bezeichnet auch die Landeselternvertretung das Abschaffen der Testangebote. Wenn erst beim Auftreten von Infektionen wieder an Schulen getestet werde, könne das erneut zu Schulschließungen führen. Die müssten aber im kommenden Schuljahr dringend vermieden werden, so Sprecherin Claudia Koch.

Landkreistag fordert größtmögliche Sicherheit für Schüler und Lehrer

Auch der Thüringische Landkreistag lehnt die Pläne für ein Ende der Corona-Tests an Schulen ab. Verbandsgeschäftsführer Thomas Budde sagte MDR THÜRINGEN, das sei ein falscher Schritt. Es gehe darum, den Unterricht in den Schulen abzusichern.

Dafür brauche man größtmögliche Sicherheit, für Schüler und Lehrer. Laut Budde dürfen die Tests auch nicht am Geld scheitern. Das Land sei in der Pflicht, die Finanzmittel für die Tests zur Verfügung zu stellen.

Erfahrungen aus Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern abwarten

Der Bildungspolitiker der Linken, Torsten Wolf, schlug vor, zunächst die Erfahrungen von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern abzuwarten, wo die Sommerferien bereits endeten.

"Wir sollten aus deren Erfahrungen lernen, je nachdem wie sich das Infektionsgeschehen entwickelt", sagte Wolf. "Ich schließe nicht aus, dass wir dann möglicherweise zur Testpflicht zurückkehren müssen."

Tests bei Haus- und Kinderärzten

Zuvor war bekannt geworden, dass an den Thüringer Schulen nach dem Start des neuen Schuljahres nur noch zwei Wochen lang getestet werden soll.

Bildungsminister Holter begründete die Pläne unter anderem mit den erheblichen Kosten für die Massentests. Kinder und Jugendliche sollten bei Symptomen von Haus- bzw. Kinderärzten getestet werden, so Holters Vorschlag.

Holter geht für den Herbst von drei möglichen Szenarien aus: Bleibt die Inzidenz niedrig, soll das Testangebot direkt in den Schulen wegfallen. "Ich möchte auch die Verantwortung von den Lehrern nehmen", sagte Holter.

Schüler im Sitzkreis 5 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Fr 23.07.2021 19:00Uhr 04:59 min

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Gesundheitsämter sollen bei Infektionsausbrüchen entscheiden

In einem zweiten Szenario sei denkbar, dass es an einzelnen Schulen zu Infektionsausbrüchen komme. In diesem Fall müsse das jeweilige Gesundheitsamt entscheiden, was zu tun sei und wer in Quarantäne gehen müsse. Dabei könnten Tests auch eine Rolle spielen.

In einem dritten Szenario könnte es hohe Inzidenzen in einem Landkreis oder in ganz Thüringen geben. Auch dann sollten Schulen geöffnet bleiben, sagte Holter.

"Dann müssen wir natürlich Infektionsschutzmaßnahmen einleiten: Dazu können feste Gruppen gehören, dazu kann auch Wechselunterricht gehören und das Maskentragen im Unterricht. Dazu kann auch ein Testsystem gehören", sagte Holter.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. August 2021 | 13:00 Uhr

22 Kommentare

Professor Hans vor 6 Wochen

Wer noch einen Beweis suchte, dass dieser Minister fachlich ungeeignet ist hat jetzt den Nachweis. Wer die geübte Praxis an Schulen zum Testen aussetzt hat keine Ahnung von seiner Berufung. Holter mit linken Parteibuch und Vita
1.Studium Bauwesen Moskau 1976
2. Parteihochschule Moskau
1985
3. Mitarbeiter SED Bezirksleitung 1987
4. als Bauminister
in Mecklenburg-Vorpommern
hat weder Qualifikation noch Wissen um Bildungsminister zu sein.
Oder wie Zeit.de titelte
"Der Angepasste".
Mit derartigen Personal kann man das Schulwesen Thüringens ruinieren. Da hatten wir schon kompetentere und angesehenere Bildungsminister wie Dieter Althaus der von Lehrern und Eltern geschätzt wurde.

Logik-Mensch vor 6 Wochen

@ hdb_77: Die Ungeduld wächst auch deshalb, weil es es einfach keine Definition eines Zieles gibt, welches erreicht werden muss, damit sämtliche Beschränkungen fallen. Dass durch die bisherigen Impfungen die Todesfälle und Fälle auf den Intensivstationen massiv zurückgegangen sind, ist doch schon ein Meilenstein.
Die einzige Stellschraube ist die Impfquote. Mehr kann man gegen das Virus eigentlich nicht unternehmen.

hdb_77 vor 6 Wochen

Glauben Sie mir, Restrisiken im Leben sind mir bewußt. Insofern sind wir bzgl. ihrer Existenz und Unvermeidbarkeit einer Meinung . Aber die Frage ist 1) sind mir die Restrisiken bewußt und 2) ab welchem Zeitpunkt sind sie vertretbar? Dieser Zeitpunkt für viele Menschen noch nicht erreicht - ganz objektiv, nicht weil sie jammern wollen.

Sich durch die Abschaffung von Tests die Informationsgrundlage zu nehmen, ist einfach falsch. Und so zu tun, als wäre ein zeitlich begrenztes Mehr an gegenseitiger Rücksichtnahme eine Abkehr vom Normalmodus ... naja. Ich vermute, das haben sie persönlich so nicht gemeint, aber mancherlei Äußerungen in den aktuellen Diskussionen machen mich da schon nachdenklich.

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