Corona-Tests an Thüringens Schulen Schulleiter begrüßen Testangebot und sehen separate Lerngruppen skeptisch

An den Thüringer Schulen soll es nach den Herbstferien zweimal pro Woche verpflichtende Corona-Testangebote geben. Schülerinnen und Schüler, die sich nicht testen lassen, sollen in separaten Lerngruppen unterrichtet werden. Mit diesen Maßnahmen reagiert die Landesregierung auf die steigenden Infektionszahlen im Freistaat. MDR THÜRINGEN hat dazu Schulleiterinnen und Schulleiter im Land befragt.

Eine Schülerin träufelt in einem Klassenraum im "֖kumenischen Domgymnasium" eine Lösung nach einem selbst durchgeführten Corona-Test auf einen SARS-CoV-2-Antigentest.
Corona-Test an einer Schule (Symbolbild) Bildrechte: dpa

Die von der Landesregierung nach den Herbstferien geplanten verpflichtenden Angebote von Corona-Tests an den Schulen werden von Schulleitern überwiegend begrüßt. Das hat eine stichprobenartige Umfrage von MDR THÜRINGEN an 15 Grund- und weiterführenden Schulen im Land ergeben. Einige Schulleiter verwiesen auch darauf, dass es in ihren Landkreisen wegen der dort geltenden Warnstufen ohnehin schon verpflichtende Testangebote gebe. Auch freiwillige Tests fänden an Schulen statt. Die Bereitschaft unter Schülern und Lehrern zum Test sei überwiegend groß, hieß es.

Testangebot nach den Herbstferien

Die Landesregierung hatte am Dienstag beschlossen, dass die Schulen nach den Ferien zweimal wöchentlich Corona-Tests anbieten müssen. Grund sind die gestiegenen Infektionszahlen im Land. Außerdem sollen die Schulen separate Lerngruppen für Schüler einrichten, die sich nicht testen lassen. Das wird von den befragten Schulleitern allerdings als nicht praktikabel eingeschätzt. Hierfür stünden zu wenige Räume zur Verfügung und es gebe nicht genug Pädagogen für diese zusätzlichen Lerngruppen, hieß es übereinstimmend.

Separate Lerngruppen würden die Abläufe empfindlich stören. Es ist ja ohnehin schon viel Unterrichtsstoff nachzuholen.

Schulleiter aus dem Landkreis Eichsfeld

Einige Schulleiter verwiesen auch auf pädagogische Vorbehalte. Ausgrenzung sei nicht förderlich, hieß es. Als Kompromissmöglichkeit nannten einige Schulleiter eine Maskenpflicht für nicht getestete Schülerinnen und Schüler. Aus einer Schule im Kreis Nordhausen hieß es hingegen, der Vorschlag separater Lerngruppen klinge grundsätzlich gut. Jedoch gebe es hierfür nicht die notwendigen zusätzlichen Lehrer.

Testergebnisse auch für Freizeitaktivitäten nutzbar

Zu den Testangeboten nach den Ferien hieß es unter anderem, da man nicht wisse, wo sich die Schülerinnen und Schüler während der Ferien aufgehalten haben, seien Tests sinnvoll. Zudem benötigten viele Schüler auch für Freizeitaktivitäten etwa in Sportvereinen Testnachweise.

Wir bieten derzeit schon zweimal pro Woche Tests an, das wird gut genutzt.

Schulleitung einer Gemeinschaftsschule in Mittelthüringen

Ein Schulleiter aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verwies aber auf den hohen zeitlichen Aufwand für Tests. Bei rund 85 Schülern bräuchten drei Fachkräfte jeweils anderthalb Stunden für Tests. Bei zwei Tests pro Woche ergäbe das zusätzliche neun Arbeitsstunden, die zusätzliche Lohnkosten verursachten.

Die neuen Regeln sind nicht nachvollziehbar und völlig unrealistisch für eine Grundschule.

Leitung einer Grundschule im Weimarer Land

Einige Schulleiter verwiesen auch darauf, dass die Schulen über eine ausreichende Zahl an Tests verfügen müssten. Das sei derzeit nicht immer der Fall, hieß es aus zwei Schulen.

Anmerkung In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir von Corona-Pflichttests an Schulen geschrieben. Das war falsch. Richtig ist, dass es nach den Herbstferien verpflichtende Testangebote geben wird. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/dr

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 20. Oktober 2021 | 18:15 Uhr

5 Kommentare

knarf2 vor 6 Wochen

Dermbacherin:So schwierig kann doch eine Gesetzesänderung nicht sein wenn es darum geht die Pandemie endlich in den Griff zu bekommen.Das hieße doch daß die Politik endlich ihre Pflicht wahrnehmen würde Schäden vom Volk abzuwenden.Dann hätte es in bestimmten Situationen Vorrang vor einzelner persönlicher Freiheit zum Nutzen für alle!Nun können die Verweigerer loslegen mit eventuellen Haßtiraden!

DermbacherIn vor 6 Wochen

Die "Freiwilligkeit" mittels teurer Hilfsmaßnahmen fördern, hat sich als hingenommen Weg gezeigt, die "Rechtsstaatlichkeit" mittels Umgehung derselben zu "erhalten".
Eine Alternative wäre eine Impfpflicht, und alles wäre in Ordnung. Doch diesen Schritt will man offensichtlich nicht gehen, und das kann nur den Hintergrund haben, dass es stichhaltige Gründe dafür gibt und man davon überzeugt ist, dass eine solche Pflicht verfassungsrechtlich nicht zulässig ist.
Rechtsstaatlichkeit als Schönwettersystem, die beim Aufzug der ersten dunklen Wolken gegen völlig egal ausgetauscht wird?
Angst frisst Recht - als Erklärung passt da nicht so gut, weil unvollständig. Schließlich wurde ja auch recht großflächig die Vernunft weggefressen.

ElBuffo vor 6 Wochen

Ein Unfug. Wieviele an Corona erkrankte Schulkinder belasten denn derzeit das Gesubdheitssystem? Diese Test sind doch wieder nur ein Scheinsurrogat um Aktivität zu imitieren und die Risikogruppe in falscher Sicherheit zu wiegen.

Mehr aus Thüringen