Pandemie Schulbeginn in Thüringen mit Corona-Tests: Bußgeld droht - Quarantäne ungeklärt

Im am Montag beginnenden Schuljahr orientiert sich die Corona-Testpflicht an Schulen in Thüringen am Frühwarnsystem. Verpflichtend sind Tests ab Warnstufe drei und in den ersten beiden Schulwochen. Bei Verstößen drohen Bußgelder. Für Lernangebote und Nachholkurse stellt das Land Geld bereit, außerdem wurden 1.500 neue Lehrerinnen und Lehrer eingestellt. Noch nicht abschließend geklärt sind die Quarantäne-Regeln.

Die Testpflicht für Thüringer Schülerinnen und Schüler wird sich an den drei neuen Warnstufen des landesweiten Frühwarnsystems orientieren. Wie das Bildungsministerium mitteilte, wird es zunächst für zwei Wochen eine Testpflicht geben.

Bußgeld bei Verstößen gegen Testpflicht an Schulen

Danach werden ab Warnstufe eins freiwillige Corona-Tests angeboten. Ab Stufe zwei gibt es zusätzlich jahrgangsübergreifende Lerngruppen für alle, die weder genesen, noch getestet sind. Bei der Stufe drei gilt die Testpflicht - mit Bußgeld wird dann geahndet, wenn jemand nicht daran teilnimmt.

Bildungsminister Helmut Holter (Linke) sagte, dass das Bußgeld für die Eltern, die ihre Kinder nicht testen lassen wollten, gestaffelt berechnet werden solle - zwischen 60 und 250 Euro. Demnach sollen bei wiederholtem Vergehen höhere Strafen drohen. An den Details werde aber noch gearbeitet. Eltern geimpfter oder genesener Kinder und Jugendlicher sollen nicht betroffen sein.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab dem 24. August. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ausschlaggebend für das Erreichen einer Warnstufe ist in Thüringen neben der Sieben-Tage-Inzidenz unter anderem auch die Belegung der Intensivbetten in Krankenhäusern. Hier finden Sie einen Überblick über die aktuellen Zahlen.

Schüler erhalten Test-Nachweise

Schüler, die sich in ihrer Schule auf eine Corona-Infektion testen lassen, sollen dafür einen Nachweis bekommen, den sie auch außerhalb der Schulen nutzen können. Darüber informierte Bildungsminister Holter die Schulen in einem Schreiben, wie sein Ministerium mitteilte. Der Testnachweis könne beispielsweise für den Besuch der Musikschule gelten. Je nach Infektionsgeschehen können Testnachweise etwa auch für den Besuch eines Restaurants oder eines Konzerts nötig werden. Auch dafür soll der in der Schule erstellte Nachweis gültig sein, wie ein Sprecher sagte. Demnach sollen die Schulen den Kindern und Jugendlichen auf Wunsch eine Bescheinigung ausstellen, auf der die durchgeführten Tests aufgelistet sind. Die Nutzung ist freiwillig.

Quarantäne-Regeln an Schulen in Thüringen noch unklar

Sollte es einen oder mehrere positive Corona-Fälle an einer Schule geben, entscheidet die jeweilige Schulleitung über mögliche weitergehende Regeln. Die Quarantäne-Regeln an den Thüringer Schulen sind allerdings noch nicht völlig klar. Holter sagte, die Gesundheitsministerkonferenz wolle bis Freitag entscheiden, ob nur das von Corona betroffene Kind in Quarantäne geschickt werde oder auch Sitznachbarn oder die sogar ganze Klasse. Persönlich würde er die Quarantäne so beschränken, dass möglichst viele Kinder in der Klasse unterrichtet werden könnten, sagte Holter. Weitere Schulschließungen wegen Corona schloss er aus. In anderen Bundesländern wie etwa Nordrhein-Westfalen muss derzeit die gesamte Klasse in Quarantäne, wenn ein Kind in der Klasse positiv getestet wird.

Rund 900.000 Corona-Tests liegen bereit

Wie das Bildungsministerium weiter mitteilte, hat es in den Sommerferien nur wenige Corona-Fälle in Horten und Kindergärten gegeben. In Erfurt und Weimar gab es drei Fälle bei Schülern. Im Kindergartenbereich steckten sich elf Kinder und elf Mitarbeiter in 15 Kreisen an.

Für das neue Schuljahr liegen aktuell 928.000 Corona-Tests bereit. Weitere 1,5 Millionen sind bestellt und sollen in der zweiten Schulwoche geliefert werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf fast fünf Millionen Euro. Seit April hat das Bildungsministerium fast sieben Millionen Tests für 35,8 Millionen Euro gekauft.

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Um Schülerinnen und Schüler, die wegen der Pandemie ihre Bildungsziele nicht erreichen konnten, zu unterstützen, stellt der Bund zwei Milliarden Euro bereit. Auf Thüringen entfallen dieses Jahr 10,6 Millionen Euro, im kommenden Jahr 21,1 Millionen. Damit werden zusätzliche Lernangebote bezahlt, aber auch Nachholkurse zum Schwimmen oder Fahrradfahren lernen sowie Schullandheimaufenthalte oder Schulpsychologen.

Erster Schultag für Kinder und Lehrer

Insgesamt 19.200 Erstklässler werden landesweit am Montag ihren ersten Tag haben. An den 972 staatlichen und freien Schulen lernen dann 249.250 Kinder und Jugendliche. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl um 1,1 Prozent. Freiwillig eine Klassenstufe wiederholen wollen rund 2.000 Schülerinnen und Schüler und damit etwas weniger als letztes Jahr.

Ein Porträt-Foto von Virologe Alexander Kekulé. 67 min
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MDR AKTUELL Di 24.08.2021 15:45Uhr 66:30 min

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Auch die Lehrkräfte und Pädagogen haben am Montag ihren ersten Tag. 17.000 Lehrer, 3.100 Erzieherinnen und 700 Sonderpädagogen sowie 800 Lehramtsanwärterinnen starten ins neue Schuljahr. 3.800 Grundschullehrer erhalten mehr Geld.

1.500 Lehrer in Thüringen eingestellt

Insgesamt wurden seit August 2020 in Thüringen 1.506 Lehrerinnen und Lehrer neu eingestellt. Das gab Bildungsminister Helmut Holter (Linke) am Mittwoch bekannt. Allein 508 dieser Pädagogen seien zwischen dem 1. und dem 26. August 2021 unbefristet eingestellt worden.

Der Thüringer Lehrerverband und der Landesverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hatten am Dienstag dennoch auf den Personalmangel an den Schulen hingewiesen. Der Vorsitzende des Lehrerverbands schätzte, dass sich der Lehrermangel im Vergleich zum Vorjahr noch verschlimmert habe.

Im vergangenen Schuljahr wurden laut Daten des Bildungsministeriums 269 Seiteneinsteiger ohne Lehramtsstudium eingestellt, was einem Anteil von 17,9 Prozent an allen Neueinstellungen entspreche.

Quelle: MDR THÜRINGEN/jn

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 01. September 2021 | 10:00 Uhr

85 Kommentare

Fakt vor 13 Wochen

@Logik-Mensch:

Vollständig geimpft sind (Stand heute) 60,9 Prozent. Ist zwar ein Erfolg, aber alles andere als ausreichend. Falls Sie mit Hauptrisikogruppe die über 60-Jährigen meinen; die sind es aufgrund der relativ hohen Impfquote von 82,8 Prozent vollständig Geimpfter nicht mehr.

Bria21 vor 13 Wochen

Man kann sich gut fühlen und trotzdem eine Krebserkrankung in sich tragen. Deshalb gibt es die Vorsorgeuntersuchung. Bei Corona geht es nicht nur um jeden selbst sondern um den Schutz der Allgemeinheit und es gibt tatsächlich Leute, die Rücksicht auf andere nehmen.

Warum muss man beweisen, dass man einen Führerschein hat, reicht es denn nicht, dass man glaubt man kann Auto fahren ? (Achtung Ironie)

Bria21 vor 13 Wochen

Peter
Das ist wohl falsch rüber gekommen. Ich wollte mit meinem Beitrag nicht SIE kritisieren sondern Ihnen zustimmen.
Wie oft wurden die Schwierigkeiten des Online-Unterrichtes kritisiert und wahrscheinlich sind es jetzt die selben Eltern, die sich über die Tests aufregen. Ist ein Test denn nicht das kleinere Übel als ein Infektionsausbruch, der den regulären Unterricht lahmlegt? Die Zahlen steigen schon wieder, genau wie im letzten Sommer voller Leichtigkeit und Leichtsinn. Sicher wird es durch die fortgeschrittene Impfquote nicht ganz so dramatisch aber Vorsicht ist besser als Nachsicht. In wie fern man durch einen Test in seiner persönlichen Freiheit eingeschränkt wird , ist mir nicht klar. Man setzt sein Kind auch in einen Kindersitz, auch wenn es dabei heult und sich eingeschränkt fühlt, um größeren Schaden zu vermeiden. Ich glaube manche Eltern haben größere Probleme damit als deren Kinder. Wie Kinder mit der Situation umgehen liegt hauptsächlich daran, wie Eltern es vorleben.

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