Interview Kinderpsychologe rät: So sollten Sie mit Corona-Tests in Schule und Kindergarten umgehen

Nicht allen Eltern und Kindern, vor allem im Grundschulalter, ist ein Corona-Selbsttest geheuer. Eltern berichten von Unsicherheit und Ausgrenzung bei den Tests, aber auch von Mitgefühl und Zusammenhalt unter den Kindern. Deshalb haben wir mit dem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Dr. Julian Schmitz über die Corona-Tests für Kinder gesprochen. Er ist Professor am Institut für Klinische Kinder- und Jugendpsychologie an der Universität Leipzig und forscht aktuell zum Thema "Kinderängste".

Martina Fondi vom FH Campus Wien demonstriert einen Gurgeltest bei einer Pressekonferenz zum Schulbeginn im Herbst.
Wer den Kindern den Test und mögliche Konsequenzen gut erklärt, nimmt viel Angst und Sorgen ab Bildrechte: dpa

Wie sind Ihre Erfahrungen: Wie reagieren Kinder auf die Selbsttests an Schulen?

Da ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Vor allem im Grundschulalter finden es Kinder noch spannend, sich einem solchen Test zu unterziehen oder diesen selbst an sich durchzuführen. Die sind neugierig, statt ängstlich.

Aber es gibt eben auch die ängstlichen Kinder. Bei denen überwiegt die Angst davor, dass der Test weh tun oder unangenehm sein könnte. Nicht aber die Sorge, dass dieser ein positives Ergebnis ausspucken könnte.

Ein Mediziner testet eine Grundschülerin in Prag auf Corona.
Manche Kinder haben schon einen Test in einem Zentrum gemacht und kennen den Ablauf. Bildrechte: dpa

Was können Eltern tun, um ihr Kind auf einen solchen Test in der Schule vorzubereiten?

Es ist wichtig, den Kindern einen genauen Fahrplan an die Hand zu geben, damit sie sich darauf einstellen können, was auf sie zukommt. Dabei sollte genau mitgeteilt werden:

  • Wer führt den Test durch?
  • Wann wird der Test gemacht?
  • Warum ist dieser Test nötig?

Ein Kind hält ein Wattestäbchen an die Nase eines Teddybärs.
Teddy war tapfer! Bildrechte: MDR/Juliane Maier-Lorenz

Es hilft den Kindern, wenn sie wissen, dass der Test nötig ist, um wieder in die Schule gehen und Freunde treffen zu können. Bei kleineren Kindern kann dieser Fahrplan auch aufgeschrieben oder aufgemalt werden. Wenn Kinder dem Testen gegenüber ängstlich reagieren, dann kann man das auch zu Hause mal üben. Mit einem Schnelltest aus der Apotheke, entweder am Kind selbst oder am Kuscheltier. Ängsten von Kindern begegnet man am besten, indem das betreffende Thema konkretisiert wird. Genaue Erklärungen helfen, dass Kinder sich nicht selbst etwas ausmalen, sondern klare Vorstellungen von der Sache erhalten.

Was ist, wenn das Testergebnis in der Schule positiv ausfällt?

Zu Hause sollte vorher besprochen werden, dass das durchaus passieren kann, aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass das Kind jetzt krank ist (falsch-negatives Ergebnis).

Ansonsten sind hier ganz stark die Lehrer und Pädagogen gefragt. Sie sollten die Kinder im Klassenverband darauf vorbereiten, was alles nach solch einem Test passieren kann. Dabei die Kinder z.B. fragen, was sie sich wünschen, wie man mit ihnen umgehen soll, sollte das Ergebnis positiv ausfallen. Gemeinsam hinterfragen, wie es einem persönlich möglicherweise geht, wenn der Test positiv ausfällt. Interesse am und Empathie mit dem betroffenen Kind zeigen.

In möglichen Mobbingsituationen sollten Eltern sofort den Austausch mit der Schule suchen und das Thema öffentlich machen, denn das ist Aufgabe der Schule, dies zu unterbinden.

EIn Kind mit Schutzmaske und Handschuhen in der Moskauer Metro.
Pädagogen müssen vermitteln: Jeder aufgedeckte Coronafall ist gut und kein Makel. Bildrechte: imago images/ITAR-TASS

Was kann man gegen Mobbing und Ausgrenzung tun?

Das Thüringer Bildungsministerium hat dafür "pädagogisch-psychologische Hinweise" an die Schulen geschickt. Darin heißt es unter anderem, dass der Gefahr der Ausgrenzung und Stigmatisierung von Schülerinnen und Schülern mit einem positiven Schnelltestergebnis aktiv begegnet werden muss.

Pädagogen könnten erklären, dass es allen, sowohl dem Einzelnen als auch der Klasse und der Gesellschaft insgesamt hilft, tatsächliche Infektionen zu finden und wenn nötig auch gut zu behandeln. Eine Infektion kann jeden und jede treffen und ist daher kein Makel! Verunsicherung ist dennoch eine normale Reaktion auf ein positives Schnelltestergebnis. Das betroffene Kind sollte daher nicht alleine gelassen werden, sondern begleitet werden, bis es abgeholt oder nach Hause geschickt wird.

Auch die betroffene Klasse muss das positive Testergebnis einer Mitschülerin oder eines Mitschülers bewältigen können. Hier empfiehlt beispielsweise das Bildungsministerium den Austausch, um Gefühle zu äußern oder zu zeigen - aber auch Ablenkung, etwa durch körperliche Aktivität.

Quelle: MDR/ifl

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Fazit | 18. April 2021 | 18:10 Uhr

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