Omikron-Welle Warum Thüringens Inzidenz gerade so niedrig ist

Thüringen ist aktuell mit einer Inzidenz unter 200 das Bundesland mit den wenigsten Corona-Infizierten in den letzten sieben Tagen. Und das, obwohl sich die in Südafrika entdeckte Omikron-Variante immer schneller ausbreitet. Woran liegt das?

Corona Schnelltest auf die Omikron Variante
Warum hat Thüringen trotz Ausbreitung der Omikron-Variante aktuell eine niedrige Inzidenz? Bildrechte: IMAGO / Sven Simon

Es ging ganz schnell: Vor vier Wochen, ein paar Tage vor Weihnachten, lag die Sieben-Tage-Inzidenz in Thüringen noch bei 815. Zwei Wochen später, kurz nach Neujahr, war sie schon auf 404 gesunken. Und jetzt hat sie sich erneut halbiert, auf knapp unter 200.

Thüringer Gesundheitsämter zuverlässig

Die Inzidenz in Thüringen, sie ist zuletzt in den Keller gerauscht. Erfreulicherweise, sagt Annette Rommel, die Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung des Landes. Die eine Erklärung dafür habe sie nicht: "Ich habe manchmal das Gefühl, dass uns dieses Virus an der Nase herum führt, im wahrsten Sinne des Wortes. Und es sind immer mehrere Ursachen, die eine Rolle spielen, warum Infektionen da sind."

Wissenschaftliche Studien darüber, warum die Zahlen in Thüringen gerade so niedrig sind, gibt es nicht. Es liege jedenfalls nicht daran, dass Thüringen anders zähle. Die Meldungen der Gesundheitsämter seien in Thüringen genauso zuverlässig wie in anderen Bundesländern, teilt das Gesundheitsministerium des Landes mit. Und auch getestet werde in Thüringen in etwa genauso häufig wie in anderen Bundesländern. 

Virusvariante und deren Ursprung wohl entscheidend

Entscheidend könnte dagegen ein anderer Punkt sein. Und der hat etwas mit den Virusvarianten zu tun, die uns in verschiedenen Wellen treffen, erklärt Prof. Mathias Pletz von der Uni Jena. Diese Wellen können aus verschiedenen Richtungen kommen. Welle zwei und Welle drei mit den Varianten Alpha und Delta kamen laut Mathias Pletz aus Tschechien.

Die Folge: In Deutschland waren zuerst Sachsen, Bayern und Thüringen stark betroffen. "Was Omikron angeht, haben wir jetzt eine andere Situation. Hier haben wir eine Welle, die sich von Norden nach Süden ausbreitet. Vor allem aus Dänemark kommend. Und der Hintergrund ist wahrscheinlich, dass viele Dänen im Winter nach Süden fliegen, unter anderem auch nach Südafrika und das Virus mitgebracht haben. Und ich vermute, dass das Virus so den Eintrag in Deutschland gefunden hat", erklärt der Professor aus Jena. 

Starker Anstieg von Omikron wird bereits erwartet

Diese Theorie spiegelt sich in den Zahlen wieder: Während in Bremen z.B. der Omikron-Anteil an allen Infektionen schon fast bei 100 Prozent ist, liegt er in Thüringen noch bei 40 Prozent. Doch das werde sich bald ändern. Mathias Pletz erwartet einen starken Anstieg von Omikron in Thüringen in den nächsten Wochen. 

Prof. Dr. Mathias Pletz, Leiter Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene Uni-Klinik Jena
Prof. Dr. Mathias Pletz, Leiter Institut für Infektionsmedizin und Krankenhaushygiene Uni-Klinik Jena. Bildrechte: UKJ/Anna Schroll

Auffallend ist laut Mathias Pletz auch: Zurzeit sind vor allem Städte betroffen – und kaum ländliche Regionen. Auch daran könnte Omikron schuld sein, das vor allem von Reisenden über Flughäfen nach Deutschland gebracht worden sei. "Delta war deutlich schlechter übertragbar als Omikron. Und man brauchte hier einen engeren Kontakt. Und einen engeren Kontakt haben wir eben deutlicher in ländlichen Gebieten, wo es noch größere Familienstrukturen gibt, die Menschen enger zusammensitzen. Eine Übertragung im vorbeigehen zum Beispiel in der U-Bahn, das wäre mit Delta so nicht möglich gewesen, aber mit Omikron", erläutert Pletz. 

Das zeigt sich auch in Thüringen: Zum Beispiel im Landkreis Greiz, wo die Infektionszahlen vor einigen Wochen noch durch die Decke gingen, liegt die aktuelle Inzidenz unter 100. Die höchste Inzidenz in Thüringen hat Jena.

Quelle: MDR AKTUELL

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 18. Januar 2022 | 08:37 Uhr

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