Pandemie Corona-News vom 26. April: Ramelow will Lockerungen auch für Geimpfte und Genesene

+++ Testzentrum für Buga-Gäste in Messehalle aufgebaut +++ Ramelow für Gleichstellung von Geimpften, Genesenen und Getesteten +++ Inzidenz in Thüringen niedriger als in Sachsen +++ Infektiologe vom Uni-Klinikum Jena für Aufhebung der Impfreihenfolge +++ Die Corona-News im Überblick +++

Bodo Ramelow
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow ist nach den Beratungen von Bund und Ländern optimistisch, dass bald mehr Impfdosen zur Verfügung stehen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Thüringen | Inzidenz im Freistaat bei 227

In Thüringen sind derzeit etwa 10.900 Menschen aktiv mit dem Coronavirus infiziert. Das sind 430 weniger als am Sonntag, aber 220 mehr als vor zwei Wochen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt laut Robert-Koch-Institut bei 227. Erstmals seit Anfang November sind am Montag keine Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus in Thüringen gemeldet worden.

Ramelow: Geimpfte und Getestete gleichstellen

Beim Termin-Shopping oder dem Zutritt zur Bundesgartenschau sollen Menschen 14 Tage nach ihrer vollständigen Impfung in Zukunft negativ getesteten Personen gleichgestellt werden. Das stellte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nach dem Impfgipfel von Bund und Ländern in Aussicht. "In diesem Zusammenhang ist von besonderer Bedeutung, dass wir jetzt in Thüringen in der Landesverordnung regeln, dass Getestete, Genesene und Geimpfte gleichgestellt werden", sagte Ramelow.

Ob vollständig Geimpfte im Vergleich zu Nicht-Geimpften allerdings auch noch andere Freiheiten zurück erhalten, ließ Ramelow offen: "Wir werden auch nur das gleichstellen, was man gleichstellen kann." Er kündigte allerdings an, dass auch in Alten- und Pflegeheimen vollständig Geimpfte zu negativ Getesteten gleichgestellt werden sollen.

Ab spätestens 4. Mai soll nach Ramelows Worten unter bestimmten Voraussetzungen auch Sport von Kindern und Jugendlichen in Gruppen von bis zu fünf Teilnehmern wieder möglich sein. Ramelow hofft zudem, dass allen Thüringerinnen und Thüringern bis Ende Juni ein Impfangebot gemacht werden kann.

Erfurt | Testzentrum für Buga-Gäste auf Messe errichtet

Das neue Corona-Testzentrum für die Bundesgartenschau in Erfurt könnte bereits am Dienstag öffnen. In einer Messehalle sind am Montag 20 Kabinen dafür aufgebaut worden. Nach Auskunft des Betreibers wird am Dienstagvormittag ein Probelauf absolviert. Funktioniert alles reibungslos, können sich Buga-Besucher schon dann in der Messehalle testen lassen.

Offiziell sollte das neue Corona-Testzentrum am Mittwoch in Betrieb gehen. Pro Stunde können laut Betreiber bis zu 1.200 Menschen mit einem Schnelltest auf das Coronavirus untersucht werden. Bis zu 50 Mitarbeiter sind dabei im Einsatz. Nach dem großen Ansturm am Freitag und Samstag kamen am Sonntag und Montag nur wenige Gäste auf das Gelände der Bundesgartenschau.

Thüringen | Jenaer Infektiologe gegen starre Impfreihenfolge

Der Jenaer Infektiologe Professor Mathias Pletz hat sich für ein Aufheben der Impfreihenfolge ausgesprochen. Pletz sagte MDR THÜRINGEN, die Priorisierung habe sich in der Vergangenheit bewährt, weil der Impfstoff knapp gewesen sei. Inzwischen gebe es aber genug Impfstoff. Außerdem seien die besonders gefährdeten Teile der Bevölkerung - wie ältere Menschen - mittlerweile geschützt.

Laut Pletz wäre es ein unnötiger bürokratischer Aufwand, an der starren Reihenfolge festzuhalten. Der Infektiologe vom Uni-Klinikum Jena sprach sich zudem dafür aus, Geimpften bestimmte Freiheitsrechte zurückzugeben. Pletz sagte, es sei zwar nicht mit Sicherheit auszuschließen, dass Geimpfte das Virus weitergeben könnten, Untersuchungen in Israel zeigten aber, dass dies nur noch in etwa zehn Prozent der Fälle geschehen könne. Zudem gebe es in der Medizin keine absolute Sicherheit. Man könne die Gesellschaft nicht in einem Dauer-Lockdown halten.

Gera | Gewerkschaft beklagt Corona-Risiko für Erntehelfer

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt Ostthüringen hat einen besseren Schutz für Erntehelfer gefordert. Saisonbeschäftigte in der Region, die in der Ernte und Aussaat arbeiteten, trügen ein besonders hohes Risiko, an Covid-19 zu erkranken. "Ein Großteil der Erntehelfer ist nach wie vor in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Genauso gefährlich ist es, wenn Beschäftigte in Sammeltransporten zu den Feldern gefahren werden", sagte der IG-BAU-Bezirksvorsitzende Frieder Neudeck.

Deutsch­land | Überregionale Corona-News

+++ Deutlich mehr Sterbefälle im Jahr 2020 als im Vorjahr +++ Merkel will Betriebsärzte im Juni in Impfkampagne einbeziehen +++ Gerichte prüfen Infektionsschutzgesetz +++ Mehr News im überregionalen MDR-Corona-Ticker.

Thüringen | Verbraucherzentrale warnt vor Abzocke

Die Verbraucherzentrale Thüringen warnt vor immer wiederkehrenden Abzock-Versuchen am Telefon. Vor allem in der Pandemie würden Verbraucher von ungewollten Werbeanrufen heimgesucht, heißt es. Viele Betrüger witterten ihre Chance, weil die Menschen daheim leichter erreichbar sind. Die Angerufen werden dabei unter Druck gesetzt, die Folge sind häufig ungewollte Verträge. Besonders hartnäckig hielten sich die Maschen mit angeblichen Gewinnspielen oder kostenlosen Tests von Nahrungsergänzungsmitteln, so die Verbraucherzentrale.

Auch die Anrufe vermeintlicher Energieberater gehören demnach zu den "Klassikern". Die Verbraucherzentrale rät unter anderem, sich bei unerwünschten Anrufen gar nicht erst auf Gespräche einzulassen. Unbekannte Nummern sollten nicht zurück gerufen und bei Werbeanrufen das Wort "Ja" vermieden werden. Verstöße können der Bundesnetzagentur gemeldet werden.

Gotha | Immer mehr Teststellen im Landkreis

Im Landkreis Gotha gibt es immer Corona-Teststellen. Wie das Landratsamt mitteilte, bieten ab sofort die medizinischen Versorgungszentren in Gotha-Siebleben und Ohrdruf kostenlose Antigentests an. Die Helios-Klinik in Sundhausen war bereits vorher Anlaufstelle. Neu hinzu kommen die Zahnarztpraxis Dr. Christian Junge in Friedrichroda und die Zahnärzte Bettina und Konrad Schinzel, die Tests in der Gemeindeverwaltung anbieten. Ab Dienstag gehen zwei weitere, von der Johanniter Unfall-Hilfe Westthüringen betriebene Teststellen in Tambach-Dietharz sowie in Günthersleben an den Start. Insgesamt sind damit im Landkreis fünf Testzentren sowie 15 Teststellen bei Apotheken und Ärzten autorisiert.

Seit Start der Testkampagne Mitte März wurden laut Landratsamt mehr als 4.600 Antigentests durchgeführt, 108 mit positivem Ergebnis.

Erfurt | Buga-Gastronomie: Geschäftsführung weist Kritik zurück

Die Buga-Geschäftsführung hat Kritik am Umgang mit der Gastronomie zurückgewiesen. In einem einzigen Fall habe ein Gastronom Gäste im Außenbereich bedient. Er sei ermahnt worden, die Tische und Stühle seien unverzüglich weggeräumt worden, teilte ein Buga-Sprecher mit.

Auf der Bundesgartenschau gebe es die gleichen Regeln wie überall, hieß es. Speisen dürften nur mitgenommen und mit Abstand verzehrt werden. Unter anderem die CDU-Fraktion im Thüringer Landtag hatte gegen ein Ungleichbehandeln der Gastronomen in Erfurt aufbegehrt. Fraktionschef Mario Voigt sagte, dass Außengastronomie auf der Bundesgartenschau möglich sei, sei eine Ohrfeige für die vielen Thüringer Gastronomen, die seit Monaten ums Überleben kämpften. Ähnlich formulierten auch FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich und die CDU-Stadtratsfraktion ihre Kritik. Laut Aussagen von Buga-Chefin Kathrin Weiß reagierten die Verantwortlichen bereits am Samstagabend.

Weimar | Schulen und Kindergärten ab Dienstag zu

Die Schulen in der kreisfreien Stadt Weimar müssen ab Dienstag schließen. Das teilte das Thüringer Bildungsministerium auf seiner Internetseite mit. Grund ist der hohe Sieben-Tage-Inzidenzwert, die Schwelle von 165 wurde dreimal in Folge überschritten. Die sogenannte Bundesnotbremse schreibt dann Schulschließungen vor. Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz fünf Tage hintereinander zwischen 100 und 165, kann ins Wechselmodell eingestiegen werden. Zuvor hatte die Stadt bereits beschlossen, die Kindergärten dicht zu machen. Es soll eine Notbetreuung geben, auch für Schulkinder bis Klasse sechs.

Leere Geschäftsstraße 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mo 26.04.2021 19:00Uhr 02:32 min

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Thüringen | Inzidenz in Sachsen höher als in Thüringen

Sachsen hat Thüringen als Bundesland mit der höchsten Corona-Inzidenz überholt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von heute Morgen verzeichnet Sachsen einen Wert von 232. In Thüringen liegt er etwas niedriger bei 227. Allerdings waren auch in Thüringen die Zahlen wieder gestiegen. Stark gestiegen sind die Werte in Baden-Württemberg. Am niedrigsten sind sie in Schleswig-Holstein.

Steinbach-Hallenberg | Drive-in am Schuhgeschäft

Ein Schuhgeschäft in Steinbach-Hallenberg (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) hat einen Drive-in eingerichtet. Wie die Betreiber mitteilten, wollen sie mit der ungewöhnlichen Aktion trotz Lockdown für die Kunden da sein. Alle Schuhe im Schaufenster wurden nummeriert. Kunden können die Nummer und ihre Größe telefonisch durchgeben und die Schuhe am Drive-in abholen. Neben dem Schuhgeschäft wurde dafür extra eine Holzhütte aufgestellt. Anprobieren können die Kunden die Schuhe vor Ort allerdings nicht. Das verbieten die Corona-Regeln.

Eine Holzbude mit an die Wand gehämmerten Schuhen und einem Verkaufstresen.
Statt Essen zum Mitnehmen, gibt es in Steinbach-Hallenberg jetzt Schuhe to Go. Bildrechte: MDR/Sabine König

Thüringen | Weniger Covid-19-Beatmungspatienten

Die Zahl der invasiv beatmeten Corona-Patienten in Thüringer Krankenhäusern ist gesunken. Nach Informationen des Corona-Krisenstabs der Landesregierung liegt sie aktuell bei 106 Betroffenen, vor zwei Wochen waren es noch 131. Die Lage auf den Intensivstationen bleibt dennoch weiter angespannt. Derzeit sind in Thüringen 34 Prozent der genutzten Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Ab einer Quote von 30 Prozent gilt nach Einschätzung der Experten die Versorgungssituation als sehr kritisch.

Arbeitgeberverband befürchtet neue Bürokratie durch Homeoffice-Pflicht

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) befüchtet, dass die im Infektionsschutzgesetz verankerte Homeoffice-Pflicht dazu führt, dass Arbeitgeber ihre Büroflächen abschaffen. DGB-Chef Hoffmann sagte dem MDR, es gebe schon jetzt Arbeitgeber, die davon träumten, alles ins Homeoffice zu verlagern. Das sei keine gute Perspektive. Auf Dauer könne Homeoffice keine Pflicht sein. Wenn Beschäftigte ins Unternehmen kämen, müssten sie wissen, wo ihr Arbeitsplatz sei.

Der Thüringer Arbeitgeberverband erklärte, dass die Homeoffice-Pflicht nun nicht nur in der Arbeitsschutzverordnung, sondern auch im Infektionsschutzgesetz stehe, führe zu neuer Bürokratie. Dort, wo es möglich sei, werde bereits im Homeoffice gearbeitet.

Wartburg-kreis | Landrat Krebs: "Wir müssen auf alle Kräfte setzen"

Ein Jahr lang bestimmt das Coronavirus nun schon den Alltag in den Thüringer Gesundheitsämtern. Im Wartburgkreis hat sich in dem Amt die Zahl der Mitarbeiter verdoppelt. 50 bis 70 Angestellte kümmern sich dort mittlerweile um Kontaktnachverfolgung und Quarantäne. Sie werden unterstützt von Soldaten und Soldatinnen der Bundeswehr und auch Feuerwehrmännern und -frauen. Jeden Freitag tagt der Krisenstab des Landkreises. Landrat Reinhard Krebs weiß: "Wir müssen auf alle Kräfte setzen."

Thüringen | Die meisten Schulen und Kindergärten geschlossen

Wegen der Bundesnotbremse sind in Thüringen seit Montag ein Großteil der Schulen und Kinderbetreuung geschlossen. Weil in 16 Landkreisen bzw. kreisfreien Städten die Inzidenz über 165 pro 100.000 Neuinfektionen liegt, ist dort Präsenzunterricht verboten. Wo die Schulen und Kindergärten nicht ganz geschlossen sind, gibt es Wechselunterricht.

Das gilt am Montag für die Kreise Hildburghausen, Nordhausen, Eichsfeld, den Unstrut-Hainich-Kreis sowie Jena, Suhl und Weimar. Seine Kindergärten will Weimar aber ab Dienstag schließen. Wie es für die Schüler weitergeht, ist noch unklar. Nach Angaben von Bürgermeister Ralf Kirsten (weimarwerk) muss damit gerechnet werden, dass die Schulen noch im Laufe der Woche schließen. Für alle geöffneten Schulen gilt: Zwei Tests pro Woche sind Pflicht - für Schüler und Lehrer. Sollten Schüler den Test verweigern, müssen sie zuhause weiter lernen. Für die Abschlussklassen, auch für Viertklässler und Schüler mit Förderbedarf sind die Schulen trotz einer Inzidenz von über 165 geöffnet. Auch gibt es eine Notbetreuung in den Kindergärten und Schulen.

Wirtschaftliche Lage von Busunternehmen weiter schwierig

Viele Busunternehmen in Thüringen und Sachsen-Anhalt stehen durch die Corona-Krise vor großen wirtschaftlichen Problemen. "Ohne Schutzschirm wäre der ÖPNV schon 2020 zusammen gebrochen", sagte der Geschäftsführer des Verbandes Mitteldeutscher Omnibusunternehmer, Tilman Wagenknecht, der Deutschen Presse-Agentur. "Das gleiche gilt für 2021." Auch in den Folgejahren seien weitere staatliche Hilfen für diesen Wirtschaftszweig nötig, der ohnehin "generell ein Finanzierungsproblem" habe. Im Verband Mitteldeutscher Omnibusunternehmer sind nach eigenen Angaben etwa 40 Verkehrsunternehmen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt organisiert.

Die Branche verzeichnete in den vergangenen Monaten einen teilweise massiven Einbruch bei den Fahrgastzahlen. Noch deutlich schwieriger als für Busunternehmen, die hauptsächlich für den öffentlichen Personennahverkehr fahren, sei die Lage bei Firmen, die ihr Geld vor der Pandemie vor allem mit Busreisen verdienten, sagte Wagenknecht. Für sie sei die Pandemie eine "Vollkatastrophe", sie hätten derzeit gar kein Geschäft.

Rückblick: Corona-Ticker von Sonntag

Quelle: MDR THÜRINGEN/jml/mm, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 26. April 2021 | 19:00 Uhr

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