Covid-19 Corona-News vom 22. Dezember: Thüringer mit medizinischer Erfahrung gesucht

36 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, sind innerhalb eines Tages in Thüringen verstorben. Jena erreicht den Höchstwert an aktiven Infektionen seit Ausbruch der Pandemie. Oberbürgemeister Thomas Nitzsche kritisiert die Strategie der Landesregierung. Alle Entwicklungen im Überblick.

Ein Mann in Schutzkleidung nimmt einen Corona-Test bei einer Frau.
Nicht nur die Zahlen der positiv getesteten Menschen in Thüringen steigt - auch die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern. Bildrechte: dpa

Thüringen | 36 infizierte Menschen verstorben

Die Thüringer Gesundheitsämter haben am Dienstag 994 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. 664 weitere Menschen gelten als genesen. Die Zahl der aktiven Corona-Fälle liegt aktuell bei 12.316. Das sind 4.754 mehr als vor zwei Wochen.

36 Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren, wurden am Dienstag als verstorben gemeldet. Damit steig die Gesamtzahl der Verstorbenen seit Pandemie-Beginn in Thüringen auf 752. Die Durchschnitts-Inzidenz in Thüringen erhöhte sich im Vergleich zum Montag von 335 auf 346. Aktuell werden 157 Covid-19-Patienten im Freistaat auf Intensivstationen behandelt, 77 von ihnen werden beatmet.

Gesucht: Thüringer mit medizinischer Erfahrung

Gesundheitsministerin Heike Werner bittet die Thüringer um Hilfe in der Pflege. Unterstützt wird die Ministerin von der Liga der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen und der Landesarbeitsgemeinschaft der privaten Pflegeverbände. Gesucht werden vor allem Menschen, die eine medizinische Ausbildung oder Erfahrung auf diesem Gebiet mitbringen.

Insgesamt sei aber jede helfende Hand willkommen, heißt es in dem gemeinsamen Aufruf zur Aktivierung der sogenannten "stillen Reserve". Vielerorts stünden die Mitarbeiter in den Pflege- und Behindertenheimen unter Dauerbelastung. Die Lage in den Einrichtungen spitze sich zu. "Wir bitten Sie, unterstützen Sie die Menschen vor Ort, tragen Sie mit Herz und Engagement dazu bei, die vor uns liegenden Herausforderungen zu meisten", sagte Ministerin Werner.

Mehr Sonntagsarbeit erlaubt

Thüringen wird aufgrund der Lockdown-Situation wie schon im Frühjahr vorübergehend mehr Sonn- und Feiertagsarbeit zulassen. Wie das Arbeitsministerium mitteilte, soll die Lockerung für den Großhandel sowie die Belieferung von Lebensmittelläden und Apotheken gelten und zunächst bis zum 10. Januar befristet werden. Für die Weihnachtsfeiertage sollen keine Lockerungen gewährt werden.

Weil viele Läden geschlossen bleiben müssen, verspüren insbesondere Lebensmittelschäfte und Supermärkte eine stark gestiegene Nachfrage. Der Handelsverband Thüringen geht davon aus, dass in diesem Bereich 30 Prozent mehr Ware verkauft wird. Hinzu kommt das Feiertagsgeschäft. Einen ähnlichen Ansturm verzeichnen die Apotheken. Das Arbeitsministerium weist darauf hin, dass Logistikunternehmen die zusätzliche Sonn- und Feiertagsarbeit nur für "unbedingt erforderliche Arbeiten" nutzen dürfen, sofern es um Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs geht.

Jena | Meisten Neuinfektionen seit Pandemie-Beginn

In Jena sind seit Montag 92 neue Corona-Infektionen gemeldet worden. Laut Angaben der Stadtverwaltung ist dies der höchste Tageswert seit dem Beginn der Pandemie. Positiv getestete Personen werden um aktive Mithilfe gebeten, um alle Kontakte seit der vergangenen 48 Stunden vor Symptombeginn zu ermitteln. Entsprechende Personen sollten sich dann für 14 Tage in Quarantäne begeben. 

Scharfe Kritik übte Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche (FDP) am Krisenmanagement der Landesregierung. Nitzsche sagte, die Lage spitze sich gerade landesweit immer weiter zu. Die lokalen Gesundheitsamtsämter seien nicht nur permanent überlastet, sondern schafften es schlicht nicht mehr in Echtzeit, der weiteren Verbreitung des Virus entgegenzuwirken. Nitzsche: "In Sachsen hat man angesichts der Zahlen erkannt, dass das Ruder jetzt nur noch mit drastischen Maßnahmen und einer breiten Öffentlichkeitsarbeit herumgerissen werden kann."

Thüringen | 19.500 Impfdosen für die letzte Dezemberwoche

Thüringen erhält für die letzte Dezemberwoche 19.500 Impfdosen des Biontech-Impstoffs gegen das Coronavirus. Das teilt das Gesundheitsamt am Dienstag mit. Für die ersten sieben Kalenderwochen des Jahres 2021 seien ebenfalls jeweils 19.500 Dosen vorgesehen. Hintergründe zu den Impfstoffen.

Saalfeld | Bitte an Mediziner: Urlaub verschieben

Der Betriebsrat der Thüringen Kliniken bittet Ärzte und Pfleger, wegen der Corona-Krise ihren Weihnachtsurlaub zu verschieben. Ein Sprecher des Krankenhauses sagte, könne nur so die medizinische Versorgung aller Patienten über die Weihnachtsfeiertage aufrecht erhalten werden. An den drei Standorten der Klinik in Saalfeld, Rudolstadt und Pößneck habe sich die Lage weiter verschärft, viele der Covid-19-Patienten zeigten schwere Krankheitsverläufe.

Arnstadt | Pflege-Personal im Ilm-Kreis wird knapp

Wegen steigender Corona-Infektionszahlen wird im Ilm-Kreis dringend zusätzliches Personal für die Gesundheitseinrichtungen gesucht. Wie das Landratsamt mitteilte, wird insbesondere in Pflegeeinrichtungen, in Kliniken und bei ambulanten Pflegediensten das Personal knapp. Gesucht werden Menschen, die in der Pflege beschäftigt sind oder waren, aus einem pflegerelevanten Berufszweig oder aus dem sozialbetreuerischen Bereich kommen. Für den hauswirtschaftlichen Bereich werden ehrenamtliche Helfer gesucht. Sie könnten täglich anfallende Aufgaben übernehmen, die nicht zwingend durch eine Pflegefachkraft ausgeführt werden müssen. Dazu zählten unter anderem Aufgaben wie Mahlzeiten anrichten, Wäschedienst und Verrichtungen des täglichen Lebens.

Thüringen | Zunahme häuslicher Gewalt erwartet

Beratungsstellen und Schutzeinrichtungen in Thüringen stellen sich über Weihnachten auf eine Zunahme häuslicher Gewalt ein. Die Pandemie mit ihren Entbehrungen und Belastungen könne das Gefahrenpotenzial über die Feiertage verstärken, teilt das Erfurter Netzwerk gegen häusliche Gewalt mit. Es verweist auf seine zahlreichen Unterstützungsangebote, die auf der Website der Stadt aufgelistet sind. Auch in der Interventionsstelle Gera, die für Südostthüringen zuständig ist, werden vermehrt Anrufe vor allem nach Weihnachten erwartet. Das bundesweite Hilfetelefon ist erreichbar unter (08000) 116016.

Die Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen verweist bei Problemen auf das Sorgentelefon sowie die Jugendberatungsstellen. Auch die Kinderschutzdienste und Jugendämter seien über die Feiertage erreichbar. Um Stress und Spannungen gerade in Corona-Zeiten zu minimieren, empfiehlt Sprecher Heiko Höttermann den Familien einen geregelten Tagesablauf, viel Bewegung sowie gemeinsame Erlebnisse.

Krippenspiel und Gottesdienste zu Weihnachten

Das Krippenspiel ist für viele Menschen der Auftakt für die Weihnachtsfeiertage. Und auch die Weihnachtsgottesdienste gehören für viele dazu. Doch in diesem Jahr ist wegen Corona auch an den Feiertagen alles anders. Viele Weihnachtsangebote der Thüringer Kirchen werden ausschließlich digital angeboten. Ein Überblick.

Apolda | Stadt macht Verwaltung dicht

Apoldas Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand zieht die Notbremse. Nachdem mehrere Mitarbeiter an Corona erkrankt sind, hat er die Stadtverwaltung geschlossen. Das Personal wurde in den vorzeitigen Urlaub geschickt. Etliche Mitarbeiter befinden sich ohnehin in Quarantäne, wie es aus dem Rathaus hieß.

Bürger müssten ihre Behördengänge auf das kommende Jahr verschieben. Ab 4. Januar sind die Mitarbeiter der Verwaltung wieder erreichbar. Der Kommunalservice ist von der Schließung nicht betroffen. Er komme seinen Aufgaben nach, die Straßen würden gereinigt, hieß es.

Bad Langen­salza | Weihnachtsstiefel für Senioren

Weil die traditionelle Seniorenweihnachtsfeier wegen Corona ausfällt, verteilt Ortsteilbürgermeisterin Jane Croll in Wiegleben Süßigkeitenstiefel an Senioren.

Thüringen | Antisemitismus bei Corona-Demos

Thüringens katholischer Bischof Ulrich Neymeyr sieht das Auftreten sogenannter Querdenker in der Corona-Pandemie mit großer Sorge. Wenn Fakten wie die Zahlen des Robert-Koch-Institutes geleugnet würden, dann seien in der Gesellschaft weder Diskussionen noch Kompromisse möglich, sagte Neymeyr der Thüringischen Landeszeitung.

Newsletter | Weihnachten in Pandemie-Zeiten

Diesmal im Corona-Newsletter unserer Kollegen von MDR SACHSEN-ANHALT: Wir haben Sie gefragt, wie Sie in diesem Jahr Weihnachten feiern – das sind Ihre Antworten. Außerdem geht es um Mutationen des Coronavirus und die Zulassung eines Impfstoffs in Deutschland.

Altenburg | Sieben Todesfälle im Kreis

Im landesweiten Corona-Brennpunkt Altenburger Land sind am Dienstag sieben neue Todesfälle gemeldet worden. Darunter ist laut Landratsamt auch ein 58-jähriger Mann, bei dem das Virus nachgewiesen wurde. Bei den anderen Gestorbenen handele es sich um Senioren und Seniorinnen. Zudem seien über 70 neue Corona-Infektionen seit Montag dazugekommen. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Altenburger Land nähert sich laut Landratsamt damit der 600er Marke.

Wissen | Nebenwirkungen von Impfstoffen

Die EU hat am Montag den ersten Corona-Impfstoff zugelassen. Die USA und England impfen bereits. Geimpfte berichten von Fieber und Kopfschmerzen. Experten beruhigen: Solche Nebenwirkungen sind harmlos. Es kann aber auch gefährliche allergische Reaktionen geben.

Thüringen | Innenminister: "Land wieder versöhnen"

Thüringens Innenminister Georg Maier hat zur Versöhnung des Landes nach der Corona-Pandemie aufgerufen. "Wenn die Pandemie nachlässt und die Wirkung der Impfungen spürbar wird, wird es wichtig sein, dieses Land wieder zu versöhnen", sagte er. "Dabei gilt es zwar, die AfD selbst mit aller Macht zu bekämpfen; die Demokratie muss wehrhaft sein. Es gilt aber auch, jene wieder zu gewinnen, die der AfD und Querdenkern auf den Leim gegangen sind. Man kann ein Viertel der Bevölkerung nicht aufgeben. Das würde der Demokratie schaden."

Maier forderte "mehr Patriotismus, und zwar im Sinne von Verfassungspatriotismus. Wir sollten die Institutionen stark machen und wertschätzen. Dazu zähle ich die Polizei, die Bundeswehr und die kommunale Verwaltung." Er plädierte dafür, von Rechtsextremisten okkupierte nationale Symbole wie die Nationalfahne und die Nationalhymne nicht preiszugeben, sondern zurück zu gewinnen. In Thüringen etwa dürfe man sich das durch die AfD beanspruchte Kyffhäuser-Denkmal nicht wegnehmen lassen. Der 53-Jährige ist Landesvorsitzender der SPD in Thüringen und Spitzenkandidat der Partei bei der Landtagswahl, die am 25. April 2021 stattfinden soll.

Thüringens Innenminister Georg Maier.
Thüringens Innenminister Georg Maier (Archivbild). Bildrechte: MDR/Karina Heßland

Welt | Corona-Ticker von MDR AKTUELL

Über die aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Mitteldeutschland und der Welt halten Sie die Kollegen von MDR AKTUELL auf dem Laufenden. Themen sind am Dienstag unter anderem: Biontech will Impfstoff in kommenden Tagen ausliefern, die USA setzt als erstes Land weltweit Moderna-Impfstoff ein und Intensivmediziner appellieren an Bundesbürger, sich zu Weihnachten nicht im größeren Kreis zu treffen.

Marksuhl | Maschinenbauer stellt Masken-Maschinen her

Während viele Unternehmen gerade schwere Zeiten durchleben, profitieren Unternehmen wie der Maschinenbauer Ruhlamat in Marksuhl. Denn hier werden Maschinen für FFP2-Masken hergestellt.

Himmels­berg | Weihnachtswünsche: "Oma und Opa besuchen"

Die Corona-Pandemie hat auch einen Einfluss auf die Weihnachtswünsche vieler Jungen und Mädchen: Ganz viele Kinder wünschen sich, dass Corona vorbeigeht, dass sie wieder zu Oma und Opa dürfen und dass alle gesund bleiben oder es wieder werden. Das zeigen die Wunschzettel, die in diesem Jahr das Weihnachtspostamt in Himmelsberg im Kyffhäuserkreis erreichen.

Thüringen | Werner setzt auf Impf-Beginn nach Weihnachten

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner hat die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur zur Zulassung des Corona-Impfstoffes als "Licht am Ende des Tunnels" bezeichnet. Werner sagte, damit werde der Impfbeginn am 27. Dezember immer wahrscheinlicher. Wenn im Januar in Pflegeheimen in den Hotspot-Regionen geimpft werden könne, dann werde das hoffentlich zu einer Entlastung der Krankenhäuser führen.

Zugleich müssten alle weiter achtsam sein. Bis ausreichend Impfstoff zur Verfügung stehe, seien die wichtigsten Maßnahmen gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, Masken tragen und lüften. Daran werde sich trotz des bevorstehenden Impfstarts auch über den Jahreswechsel nichts ändern, so Werner weiter.

Thüringen | Der Überblick am Dienstag

Guten Morgen an diesem Dienstag! Wie gewohnt informieren wir Sie in diesem Nachrichten-Überblick über die Entwicklungen zum Coronavirus in Thüringen. Mehr Informationen gibt es auch auf unseren Ratgeber-Seiten.

Das waren die Corona-News am Montag:

  • In Thüringen gibt es am Montag 658 Neuinfektionen. Weitere 19 Menschen, die mit dem Virus infiziert waren, starben.
  • Der Unstrut-Hainich-Kreis verschärft seine Corona-Regeln.
  • Alten- und Pflegeheime brauchen dringend Unterstützung.
  • Sonneberg schränkt seine Kinder Notbetreuung ein.
  • Jena bekommt "Covid-Guards" für Pflegeheime. Das sind Corona-Hygienebeauftragte, die das Personal in den Heimen unterstützen sollen.
  • Die IHK rechnet für 2021 mit einem Anstieg der Insolvenzen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the/mm, dpa, kna

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 22. Dezember 2020 | 19:00 Uhr

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