Pandemie Keine Verbote, keine Schließungen: Neue Corona-Verordnung gilt ab 1. Juli in Thüringen

Die neue Corona-Verordnung für Thüringen sieht keine allgemeinen Verbote oder Schließungen mehr vor. Damit sind alle Bereiche erst einmal grundsätzlich geöffnet. Sollte die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz über 35 steigen, liegt die Verantwortung wieder bei den Kommunen. Die kreisfreien Städte und Landkreise müssen dann selbst und unverzüglich per Allgemeinverfügung auf die Infektionslage reagieren.

Leere Sitzreihen in einem Kinosaal
Auch Kinos dürfen in Thüringen ab dem 1. Juli wieder für Besucher öffnen. Bildrechte: MDR/imago images/Frank Sorge

In Thüringen wird weiter gelockert: Angesichts sinkender Corona-Inzidenzen und Neuinfektionen auf stabilem Niveau haben das Gesundheits- und Bildungsministerium eine neue Verordnung auf den Weg gebracht. Sie gilt ab Donnerstag, 1. Juli. Die seit Monaten geltenden Kontaktbeschränkungen werden komplett gekippt. Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) begründete die in Kraft tretenden Lockerungen mit den stark gesunkenen Infektionszahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in Thüringen am Mittwoch bei 3,5. Laut Werner ist es weiterhin geplant, die Corona-Regeln alle vier Wochen anzupassen. Die neuen, gelockerten Regeln gelten bis 29. Juli. Die Gesundheitsministerin kündigte bereits an, dass es danach auch weitere Verordnungen geben wird.

Allgemeine Infektionsschutzregeln

AHA+L (Mindestabstand von 1,50 Meter, Hygiene, Maske und Lüften) gelten weiterhin.

Kontakte und Kontaktnachverfolgung

Die Kontaktbeschränkungen sind nur noch Empfehlungen. Nach diesen sollten sich nicht mehr als zehn Personen treffen und die Kontakte so konstant wie möglich bleiben.

Die Erfassung von Kontaktdaten ist in den folgenden Bereichen in geschlossenen Räumen erforderlich:

  • bei öffentlichen, freien oder gegen Entgelt zugänglichen Veranstaltungen
  • bei Angeboten und Veranstaltungen in Schullandheimen, Einrichtungen der Erwachsenenbildung sowie Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe mit Beherbergungsbetrieb
  • beim Freizeitsport und organisierten Sport
  • in Einrichtungen und bei Angeboten, die der Freizeitgestaltung dienen
  • in speziellen außerschulischen Bildungsangeboten wie Fahr-, Flug, Jagd-, Hunde-, Musik-, Jugendkunst-, Tanz-, Ballettschulen und ähnlichen Einrichtungen, Gesangs-, Musik- und Nachhilfeunterricht sowie Chor- und Orchesterproben
  • bei gewerblichen Übernachtungen (Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen, Campingplätze etc.)
  • in Fitnessstudios und Saunen
  • in Schwimm-, Freizeit- und Erlebnisbädern sowie Thermen
  • in Gaststätten
  • in Diskotheken, Tanzklubs und sonstigen Tanzlustbarkeiten
  • in Prostitutionsstätten, Bordellen und vergleichbaren Einrichtungen, bei sexuellen Dienstleistungen in Prostitutionsfahrzeugen und bei Prostitutionsveranstaltungen im Sinne des Prostituiertenschutzgesetzes sowie Swingerclubs und ähnlichen Angeboten
  • in Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros und ähnlichen Einrichtungen

Maskenpflicht

Eine Mund-Nase-Bedeckung (z.B. Stoffmasken) muss weiterhin in allen geschlossenen Räumen getragen werden, wenn sie öffentlich oder für Publikumsverkehr zugänglich sind. Wer sich länger und enger mit anderen Menschen in geschlossenen Räumen aufhält, wird angehalten eine qualifizierte Gesichtsmaske (also z.B. eine OP- oder FFP2-Maske) zu tragen.

Eine qualifizierte Gesichtsmaske müssen außerdem alle Menschen über 16 Jahren dort tragen:

  • in Geschäften und Dienstleitungsbetrieben mit Publikumsverkehr und bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen und Angeboten mit Publikumsverkehr (gilt nur für Kunden)
  • bei körpernahen Dienstleistungen, soweit die Art der Leistung dies zulässt
  • bei Veranstaltungen (außer am Sitzplatz)
  • bei Sitzungen von kommunalen Gremien (außer am Sitzplatz)
  • in Arztpraxen, Praxen von Psycho- und Physiotherapeuten oder sonstigen der medizinischen und therapeutischen Versorgung dienenden ambulanten Einrichtungen (Ausnahme: in Behandlungsräumen, wenn die Behandlung dies nicht zulässt)
  • im öffentlichen Personennahverkehr und bei Reisebusveranstaltungen
  • in Gaststätten, Bars, Kneipen und Cafés, soweit sich der Gast nicht an seinem Tisch aufhält (gilt nur für Gäste)
  • bei Versammlungen oder religiösen und weltanschaulichen Veranstaltungen oder Zusammenkünften (außer am Sitzplatz)
  • für Besucher in Pflegeeinrichtungen

Wenn sich Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren an diesen Orten aufhalten, müssen sie mindestens eine Stoffmaske tragen. Kinder unter 6 Jahren und Menschen mit nachweislich gesundheitlichen Gründen sind von der Maskenpflicht befreit.

Diskotheken und Clubs

Bei Diskotheken und Clubs in geschlossenen Räumen gilt die Testpflicht. Außerdem müssen die Kontaktdaten erfasst werden.

Testpflicht

Die Testpflicht besteht in geschlossenen Räumen

  • bei körpernahen Dienstleistungen, wenn keine qualifizierte Gesichtsmaske getragen werden kann, zum Beispiel bei einer Gesichtsbehandlung
  • bei Chor- und Orchesterproben
  • in Diskotheken, Tanzklubs etc.
  • in Prostitutionsstätten, Bordellen, Swingerclubs und vergleichbaren Einrichtungen
  • für Besucher in Pflegeeinrichtungen (entfällt bei einer lokalen Sieben-Tages-Inzidenz unter 35, allerdings nur, wenn die zu besuchende Person vollständig geimpft bzw. genesen ist)
  • für Beschäftigte in Pflegeeinrichtungen (einmal pro Woche, gilt auch für vollständig Geimpfte und Genesene)

Symptomfreie Kinder unter 6 Jahren sind von der Testpflicht ausgenommen. Auch entfällt ab dem 1. Juli die Testpflicht an Schulen. Das Angebot, dass sich Schülerinnen und Schüler zweimal wöchentlich testen dürfen, soll aber weiterhin bestehen bleiben.

Veranstaltungen und Feiern

Größere, private Feierlichkeiten wieder möglich

  • Das betrifft z. B. Hochzeitsfeiern, Abibälle, Geburtstage, Vereinsversammlungen.
  • Bei mehr als 70 Personen im Freien und mehr als 30 Menschen in geschlossenen Räumen muss das Gesundheitsamt vor Ort fünf Werktage im Voraus darüber informiert werden.
  • Kontaktdaten sollen erfasst werden (z.B. über die Corona-Warn-App).
  • Feiern Sie, wenn möglich, draußen.

Öffentliche (Groß-)Veranstaltungen

  • Öffentliche Veranstaltungen müssen ebenfalls mindestens fünf Werktage im Voraus beim Gesundheitsamt vor Ort angezeigt werden.
  • Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen im Freien und über 500 Personen in geschlossenen Räumen sind mit nach Erlaubnis des Gesundheitsamts wieder möglich. Ein entsprechender Antrag muss spätestens zehn Werktage vor Veranstaltungsbeginn gestellt werden.

Impfungen

Laut Thüringer Gesundheitsministerium sind die Corona-Schutzimpfungen der wichtigste Baustein zur Eindämmung der Pandemie - gerade in Hinblick auf Virus-Mutanten, wie die Delta-Variante.

Hier können Sie die neue Corona-Verordnung für Thüringen nachlesen.

Quelle: MDR THÜRINGEN/the

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | THÜRINGEN JOURNAL | 30. Juni 2021 | 19:00 Uhr

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