Pandemie Corona-Warnstufe 1 in fast allen Thüringer Regionen - Regeln verschärft

Seit Donnerstagmorgen gilt in fast allen Thüringer Regionen die erste Corona-Warnstufe. Einige Behörden haben bereits angekündigt, die Corona-Regeln zu verschärfen.

GroÃßer Aufkleber mit Piktogramm und Aufschrift Bitte Mund und Nase bedecken klebt auf dem Boden im Hauptbahnhof München
Warnstufe 1 tritt in Kraft, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz bei 35 oder höher liegt. Zusätzlich muss die Hospitalisierungs-Inzidenz den Wert 4,0 erreichen oder die Intensivbetten zu mindestens drei Prozent mit Covid-19-Patienten ausgelastet sein. Bildrechte: imago images/Ralph Peters

In fast allen Landkreisen und größeren Städten Thüringens gilt seit Donnerstag, 7. Oktober, die erste Corona-Warnstufe. Nur das Weimarer Land und der Kreis Sonneberg sind bisher nicht betroffen. Die zweite Warnstufe haben bereits die Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Schmalkalden-Meiningen erreicht.

Der Grund für die höheren Warnstufen ist, dass landesweit mehr als vier Prozent der Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt sind. Außerdem liegt in fast allen Kreisen die Inzidenz über den Warnwerten. Landesweit betrug sie am Donnerstag 82,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen. Thüringen hatte damit bundesweit den dritthöchsten Wert nach Bremen (108,8) und Bayern (87,9). Die Behörden müssen jetzt entscheiden, ob und wie sie die Corona-Regeln verschärfen.

Verschärfte Testpflicht für Ungeimpfte und 3G

Nach der Thüringer Corona-Verordnung müssen die Kommunen beim Erreichen der ersten Warnstufe gegensteuern - unter anderem mit verschärfter Testpflicht für Ungeimpfte. Der Saale-Orla-Kreis hat dies bereits angekündigt. Ab dem 11. Oktober gilt dort für Ungeimpfte eine Testpflicht bei öffentlichen Veranstaltungen, in den Innenbereichen von Restaurants, in Schwimmbädern, Saunen, Fitnessstudios und Sporthallen.

Das gilt auch für Freizeitsport und organisierten Sportbetrieb innerhalb geschlossener Räume. Davon ausgenommen sind Kinder, die noch keine Schule besuchen, sowie Schulkinder, die am Testsystem der Schulen teilnehmen. Außerdem gelten Einschränkungen bei Teilnehmerzahlen von öffentlichen und privaten Veranstaltungen in geschlossenen Räumen. Auch für den Landkreis Sömmerda gelten ab 11. Oktober ähnliche Regeln. In Jena und dem Eichsfeldkreis gelten die verschärfte Testpflicht für Ungeimpfte und weitere Regeln bereits ab 9. Oktober.

Thüringen

Frau legt Mundschutzmaske an
Bildrechte: imago images/Michael Weber

Auch im Ilm-Kreis ist die 3G-Regel (geimpft, genesen, getestet) zu beachten. Außerdem können hier örtliche Behörden die Teilnehmerzahlen bei privaten und öffentlichen Feiern beschränken. Laut Allgemeinverfügung des Ilm-Kreises zur Eindämmung der Corona-Pandemie sind Selbsttests unter Beobachtung von Mitarbeitern oder beauftragten Personen vor Ort gestattet.

Keine strengeren Regeln in Erfurt und Landkreis Nordhausen

Trotz Corona-Warnstufe 1 verzichtet die Stadt Erfurt vorerst auf strengere Regeln. Wie die Stadtverwaltung mitteilte, hat sich das Gesundheitsamt nach "reiflicher Überlegung" entschlossen, weder die Testpflicht auszuweiten noch die 3G-Regel in geschlossenen Räumen anzuordnen. Erst bei einem dynamischeren Infektionsgeschehen werde es strengere Regeln geben.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) verwies darauf, dass die Inzidenz in Erfurt seit neun Tagen sinke. Betroffen von den Infektionen seien vor allem Kinder und Jugendliche und nicht die Risikogruppen für schwere Verläufe. Zudem schätze das Helios-Klinikum die Auslastung mit Covid-Patienten als "stabil und unkritisch" ein.

Auch im Landkreis Nordhausen werden die Corona-Regeln vorerst nicht verschärft. Der Kreis ist zwar seit 7. Oktober in der Warnstufe 1. Wegen der hohen Impfquote im Kreis und wenigen Covid-Patienten in den Nordhäuser Krankenhäusern verzichtet er aber auf strengere Regeln.

Wartburgkreis mit neuer Verfügung

Dagegen wurde im Wartburgkreis eine neue Allgemeinverfügung erlassen. Sie trat am Donnerstag in Kraft. Damit gilt in Gaststätten, Hotels, Schwimmhallen oder Fitnessstudios, sowie Veranstaltungen in geschlossenen Räumen die 3G-Regel. Außerdem können örtliche Behörden die Teilnehmerzahlen bei privaten und öffentlichen Feiern beschränken.

3G und Maskenpflicht in Schmalkalden-Meiningen

Im Kreis Schmalkalden-Meiningen, der sich mittlerweile in Warnstufe 2 befindet, werden die Corona-Regeln weiter verschärft. Eine entsprechende Allgemeinverfügung werde am Freitag veröffentlicht, hieß es. Neben der 3G-Regel in Gaststätten, Hotels, Schwimmhallen oder Fitnessstudios werden Kontakte in geschlossenen Räumen beschränkt. Außerdem gilt überall dort Maskenpflicht, wo die Mindestabstände nicht eingehalten werden. Auch Lehrer und Schüler ab der siebten Klasse müssen demnach im Unterricht eine Maske tragen. Davon ausgenommen ist der Schulsport. Das Testangebot an Schulen muss erweitert werden.

Inzidenz aktuell im Unstrut-Hainich-Kreis am höchsten

Die landesweit höchste Inzidenz wies am Donnerstag der Unstrut-Hainich-Kreis mit 145,5 auf, gefolgt vom Kreis Greiz mit 138,6. Die niedrigste Inzidenz hat der Kreis Sonneberg mit 19,3.

Der Wechsel in eine der Warnstufen wirkt sich auch auf den Bildungssektor aus: Bei Warnstufe 1 werden an den Schulen wieder Corona-Tests angeboten, eine Testpflicht besteht aber noch nicht. Ab Warnstufe drei müssen Schüler und Lehrer der höheren Klassenstufen wieder eine Maske tragen. Das gilt auch für die unteren Klassenstufen für jene, die weder geimpft, genesen oder getestet sind.

Corona-Herbst in Thüringen?

Droht angesichts stiegender Zahlen in Thüringen erneut ein Corona-Herbst mit strengen Infektionsschutzregeln? Wenn sich die Menschen wieder häufiger in geschlossenen Räumen aufhielten, könne sich das Virus entsprechend stärker ausbreiten, sagte Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) der Deutschen Presse-Agentur. "Im Moment gehen wir davon aus, dass das passieren wird. Die Frage ist nur, wie stark das Infektionsgeschehen sein wird. Und das hängt vor allem davon ab, wie viele Menschen geimpft oder ungeimpft sind."

So funktioniert das Corona-Warnsystem

Am 24. August ist in Thüringen eine neue Corona-Verordnung in Kraft getreten. Mit ihr wurde ein mehrstufiges Frühwarnsystem etabliert, das die Corona-Regeln nicht mehr allein von der Sieben-Tage-Inzidenz abhängig macht.

Grafik zum Corona-Warnsystem in Thüringen ab 24. August
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Corona-Maßnahmen nach dem Thüringer Warnstufensystem
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Quelle: MDR THÜRINGEN/dpa/mw/jw

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. Oktober 2021 | 13:00 Uhr

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