Pandemie Corona-News vom 24. November: Mehr als 3.000 Neuinfektionen in Thüringen innerhalb eines Tages

+++ Neuer Höchststand an Corona-Neuinfektionen +++ Sieben Menschen in Seniorenheim in Rudolstadt gestorben +++ Protest gegen mögliche Impfpflicht in Saalfeld +++ Weihnachtsmärkte müssen schließen +++ Landtag stellt "konkrete Gefahr" für Thüringen fest +++ Ab heute 3G am Arbeitsplatz +++ Die Corona-News im Überblick +++

Eine Krankenschwester verarbeitet einen Behälter mit einer Probe mit einem Nasenabstrich
Die Zahl der Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden hat in Thüringen abermals einen Höchststand erreicht. Bildrechte: dpa

So geht es weiter | Nachrichtenüberblick vom 25. November 2021

Thüringen | Mehr als 3.000 Corona-Neuinfektionen

Thüringens Gesundheitsämter haben binnen eines Tages mehr als 3.000 neue Coronainfektionen registriert. Das ist ein neuer Höchststand. Auch die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist weiter angestiegen. Das Robert-Koch-Institut gab den Wert am Mittwoch mit 721,6 an. Die Zahl der aktiven Coronainfektionen liegt bei 28.355. Das sind 11.623 Fälle mehr als vor zwei Wochen. Außerdem kamen 18 weitere Todesfälle dazu.

Seit längerer Zeit hat Thüringen auch die bundesweit höchste Hospitalisierungsrate. Sie lag mit Stand Mittwoch bei 18,58 - und damit mehr als doppelt so hoch wie der höchste im Bundesinfektionsschutzgesetz festgelegte Grenzwert. Nach oben kletterte auch die Zahl der künstlich beatmeten Corona-Patienten. Sie hat sich innerhalb von drei Wochen verdreifacht. Aktuell werden nach Angaben des Krisenstabs 111 Menschen invasiv beatmet, vor drei Wochen waren es 36.

Insgesamt werden derzeit 211 Menschen in Thüringen wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt, das sind 130 mehr als vor drei Wochen. 33 Prozent der verfügbaren Intensivbetten im Land sind mit Covid-19-Patienten belegt.

Rudolstadt | Sieben Menschen in Seniorenheim gestorben

In einer Seniorenresidenz in Rudolstadt-Cumbach sind mindestens sieben Heimbewohner mit Corona gestorben. Wie ein Sprecher des Landratsamtes MDR THÜRINGEN sagte, haben sich 61 der 141 K&S Heimbewohner mit dem Virus angesteckt. Bei den sieben verstorbenen Heimbewohnern stehe fest, dass sie infolge der Viruserkrankung gestorben sind. Bei weiteren Todesfällen lägen dem Gesundheitsamt noch keine Totenscheine vor. Laut eines Landratsamtsprechers war keiner der sieben Verstorbenen vollständig gegen Corona geimpft.

Saalfeld | Protest gegen mögliche Impfpflicht in Fußgängerzone

In der Saalfelder Fußgängerzone haben am Mittwochabend mehrere Hundert Menschen gegen eine mögliche Impfpflicht demonstriert. Rund eine Stunde standen sie schweigend mit Kerzen beisammen, zum Teil dicht gedrängt und ohne Mundschutz. Aufrufe zu der Aktion gab es in den sozialen Netzwerken - die Initiatoren sind unbekannt. Unter anderem Lokalpolitiker von AfD und "Bürger für Thüringen" hatten die Aufrufe geteilt. Laut Landratsamt war die Demonstration nicht angemeldet.

Zunächst hatten wir berichtet, dass unter anderem der Vorsitzende der "Bürger für Thüringen", Steffen Teichmann, zu der Aktion aufgerufen habe. Teichmann distanzierte sich am Donnerstag von dieser Darstellung. Er sagte MDR THÜRINGEN, er habe lediglich den Aufruf in den sozialen Netzwerken weitergegeben.

Teichmann hatte am Sonntag auf Facebook ein Bild gepostet, auf dem stand: "… am Mittwoch, den 24.11.2021, werde ich ab 17.30 Uhr für 30 Minuten in Saalfeld, zwischen Kirchplatz und Blankenburger Tor, mit einer Kerze in der Hand still und schweigend stehen!" Woher der Aufruf ursprünglich stammt, ist nicht ersichtlich. Bis zum Donnerstag wurde sein Bild 138-mal geteilt. Nach der Aktion postete Teichmann Bilder aus der Saalfelder Innenstadt mit den Worten: "Vielen Dank für die Idee, vielen Dank an alle Teilnehmer."

Hunderte Menschen stehen in der Fußgängerzone in Saalfeld.
Hunderte Menschen demonstrierten in Saalfeld gegen einen mögliche Impfpflicht. Bildrechte: MDR/Stefanie Reinhardt

Erfurt | Testzentren überlaufen

Seit Dienstag gilt die 3-G-Regel am Arbeitsplatz. Viele Arbeitnehmer brauchen einen zertifizierten Schnelltest. Doch die wenigen Testzentren schaffen den Andrang kaum.

Erfurt, Weimar, Eisenach, Gotha | Weihnachtsmärkte müssen wieder schließen

Die Weihnachtsmärkte in Erfurt, Weimar, Eisenach und Gotha müssen wieder schließen. Grund dafür ist die neue Landesverordnung, die die Weihnachtsmärkte untersagt. Viele Märkte in Thüringen waren im Vorfeld bereits abgesagt worden - in einigen wenigen Städten öffneten die Buden zumindest für einige Stunden.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 24.11.2021 19:00Uhr 03:16 min

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In Weimar sollen Mittwoch um 18 Uhr die Lichter auf dem Weihnachtsmarkt wieder ausgehen. Die Eisbahn in der Innenstadt bleibt aber unter der 2G-Regel im Betrieb.

Auch in Eisenach bleibt der Weihnachtsmarkt ab Donnerstag geschlossen. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (Linke) zeigte sich enttäuscht, dass sich die Landesregierung nicht umstimmen ließ. Der Freistaat sei jetzt gefordert, die Händler und Schausteller zu entschädigen, so Wolf. Gleichzeitig will sich die Stadt darum bemühen, einzelnen Händlern in Form eines erweiterten Wochenmarktes Verkaufsmöglichkeiten anzubieten

In Erfurt schließt der Weihnachtsmarkt am Mittwoch um 20 Uhr. Oberbürgermeister Anderas Bausewein kündigte an, gemeinsam mit den Oberbürgermeistern von Weimar und Eisenach rechtlich gegen die Entscheidung vorzugehen. Eine Erfurter Anwaltskanzlei sei dafür beauftragt worden.

Auch in Gotha schließt der Weihnachtsmarkt am Mittwoch um 20 Uhr. Derzeit werde geprüft, ob die Stände und Schausteller im Rahmen des Wochenmarktes stehen bleiben können.

Thüringen | Landtag stimmt Corona-Verordnung zu

Der Thüringer Landtag hat am Mittwoch eine "pandemische Lage" für den Freistaat festgestellt. Damit hat die Landesregierung künftig die Möglichkeit, Corona-Verordnungen zu erlassen.

CDU-Landtagsfraktion für Ausrufen von Katastrophenfall

Nach Einschätzung von Thüringens CDU-Fraktionschef Mario Voigt müsste Thüringen angesichts der verheerenden Corona-Situation den Katastrophenfall ausrufen. Wenn man sich die Zahlen und Fakten anschaue, werde klar, dass die Lage in Thüringen ernster ist als in anderen Bundesländern, sagte Voigt am Mittwoch in einer Landtagsdebatte zur Corona-Pandemie in Erfurt. Thüringen befinde sich nicht nur in einer epidemischen Notlage. "Was es eigentlich braucht, das ist der Katastrophenfall in Thüringen", sagte Voigt.

Die Ausrufung des Katastrophenfalls würde eine "koordinierte und strukturiere Vorgehensweise" von Behörden, Dienststellen und Organisationen ermöglichen. Die verbleibenden Kräfte könnten gebündelt und Sanitätseinsatzleitungen gebildet werden. Außerdem seien damit ehrenamtliche Helfer im Einsatzfall rechtlich abgesichert, so Voigt auf Nachfrage. Erneut warf er der rot-rot-grünen Landesregierung vor, zu wenig Corona-Tests für die Schulen besorgt zu haben.

Erfurt | Impfaktion in der Engelsburg - Schlange bis zum Domplatz

Für eine Impfaktion in der Erfurter E-Burg haben Hunderte Menschen am Mittwoch bis zu zwei Stunden angestanden. Die Warteschlange ging über die Marktstraße bis zum Domplatz. Sowohl Erstimpfungen als auch Booster-Impfungen waren ohne Anmeldung möglich.

Die Impf-Warteschlange in Erfurt auf einer Karte.
Die "Impfschlange" ging von der E-Burg über die Marktstraße bis zum Domplatz und in die Pergamentergasse. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Lange Schlange bei Impfaktion in E-Burg

Menschen stehen vor einem Gebäude.
In der Erfurter E-Burg gab es am Mittwoch eine Sonderimpfaktion. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
Menschen stehen vor einem Gebäude.
In der Erfurter E-Burg gab es am Mittwoch eine Sonderimpfaktion. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
Menschen stehen in einer langen Schlange.
Viele Impfwillige warteten stundenlang auf einen Piks. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
Menschen stehen in einer langen Schlange.
Die Schlange ging von der E-Burg bis zum Domplatz. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
Menschen stehen vor einem Gebäude.
Sogar bis in die Pergamentergasse standen die Impfwilligen an. Bildrechte: MDR/Andreas Kehrer
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Thüringen | 14 Patienten müssen in andere Bundesländer verlegt werden

Wegen der angespannten Situation in Thüringer Kliniken müssen nach Angaben von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) in den kommenden Tagen 14 Patienten in norddeutsche Krankenhäuser verlegt werden. "Weitere werden folgen", sagte Werner am Mittwoch in einer Landtagsdebatte zur Corona-Pandemie. "Ich hoffe, dass die Krankenhäuser in den anderen Ländern, wahrscheinlich in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein, in der Lage sind und bleiben werden, uns diese Patientinnen und Patienten abzunehmen."

Die Entscheidung über die Verlegung träfen letztlich die Ärzte des verlegenden und des behandelnden Krankenhauses. Es könne auch sein, dass nicht nur Covid-19-Patienten, sondern auch andere Intensivpatienten verlegt werden müssen. Die Wahl des Transportmittels sei vom Zustand des Patienten und der Entfernung abhängig, sehr wahrscheinlich sei aber der Transport per Helikopter.

Nord­hausen | Nachfrage nach Tests sprunghaft gestiegen

Wegen der seit Mittwoch geltenden 3G-Regeln am Arbeitsplatz und in vielen öffentlichen Bereichen ist die Nachfrage im Nordhäuser Testzentrum sprunghaft gestiegen. Wie das Landratsamt mitteilte, ließen sich bereits am Montag 478 Menschen testen. Eine Woche zuvor waren es nur 143. Am Dienstag stieg die Zahl auf 688. Das Testzentrum hat die Öffnungszeiten verlängert.

In allen Nordhäuser Testzentren ist die Nachfrage im November deutlich gestiegen. So wurden im gesamten Oktober knapp 2.800 Tests gezählt, in den ersten drei Novemberwochen waren es bereits etwa 4.000.

Thüringen | Landtag berät über neue Corona-Verordnung

Der Landtag berät seit Mittwochvormittag in einer Sondersitzung über die neue Corona-Verordnung der Landesregierung. Ein Teil der Regeln soll bis 21. Dezember gelten. Dafür braucht die Landesregierung die Zustimmung des Parlaments. Darüber hinaus soll der Landtag auf Antrag der Regierung feststellen, dass in Thüringen weiter eine epidemische Notlage besteht.

Ein solcher Beschluss wäre die rechtliche Grundlage dafür, dass die Landesregierung in Zukunft weitere, weitreichende Corona-Verordnungen erlassen kann. Für den Beschluss benötigt die rot-rot-grüne Minderheitsregierung Stimmen aus dem Lager der CDU oder FDP. Zu Beginn wurde die Sitzung unterbrochen, weil die CDU kurzfristig einen Änderungsantrag einreichte. Linke, SPD und Grüne erbaten eine Pause, um den Antrag lesen und bewerten zu können.

Einzelhandel druch Corona-Pandemie stark gefährdet

Laut Thüringer Handelsverband waren die Einzelhändler im Sommer diesen Jahres noch recht optimistisch. Doch gerade die kleinen Händler bangen um ihre Existenz oder haben schon aufgegeben.

Freistaat besonders hart von vierter Welle betroffen

Infektionszahlen auf Rekordhöhe: Erneut scheint Thüringen ein harter Corona-Winter mit vielen Einschränkungen bevorzustehen. Doch warum tut sich das Land so schwer mit der Pandemie? Und vor allem mit dem Impfen?

Zahl der beatmeten Covid-19 Patienten hat sich verdreifacht

Innerhalb von drei Wochen hat sich die Zahl der künstlich beatmeten Covid-19-Patienten auf den Thüringer Intensivstationen verdreifacht. Aktuell werden nach Angaben des Krisenstabs 111 Menschen invasiv beatmet, vor drei Wochen waren es 36. Insgesamt werden derzeit 211 Menschen in Thüringen wegen Covid-19 intensivmedizinisch behandelt, das sind 130 mehr als vor drei Wochen. 33 Prozent der verfügbaren Intensivbetten im Land sind mit Covid-19-Patienten belegt.

Von einer "hoch dramatischen" Situation spricht der Geschäftsführer der Ilm-Kreis-Kliniken, Marcel John. In der Klinik seien mehr als 60 Prozent der Betten mit Covid-19-Patienten belegt, die Zahl steige wöchentlich und ein Ende sei nicht absehbar.

Suhl | Handelskammer kritisiert Corona-Politik des Landes

Die Südthüringer Wirtschaft kritisiert die Landesregierung für ihre Corona-Politik. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der IHK Südthüringen, Jan Scheftlein, sagte, mit den neuen Regeln würden Versäumnisse ein weiteres Mal auf dem Rücken der Unternehmer ausgetragen.

Um betriebliche Abläufe zu sichern, müssten schnellstmöglich wieder alle Testzentren öffnen, auch an Wochenenden und Feiertagen. Zudem müsse es tägliche kostenfreie Tests für alle Bürger geben. Scheftlein forderte außerdem, dass trotz ausgefallener Weihnachtsmärkte verkaufsoffene Sonntage im Advent erlaubt werden sollten.

Thüringen | 3G wird im Nahverkehr stichprobenhaft kontrolliert

Fahrgäste in Thüringer Bussen und Bahnen müssen sich künftig auf stichprobenhafte 3G-Kontrollen einstellen. Können Fahrgäste keinen Impf-, Test oder Genesenennachweis vorlegen, können sie ab Mittwoch der Fahrt verwiesen werden, teilte eine Sprecherin des Verkehrsverbunds Mittelthüringen (VMT) mit. Ein Bußgeld dürften die bei den Betrieben angestellten Kontrolleure jedoch nicht verhängen.

Da es sich bei dem Verstoß lediglich um eine Ordnungswidrigkeit handle, könnten erwischte Fahrgäste auch nicht bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten werden Auch die Personalien dürften nicht notiert werden. Das sei beim Fahren ohne Fahrschein anders - hierbei handle es sich um eine Straftat. Die Stadt Weimar hatte bereits angekündigt, dass Polizisten und Mitarbeiter des Ordnungsamtes künftig die Kontrolleure im öffentlichen Nahverkehr unterstützen werden.

Thüringen | Ab Mittwoch 3G am Arbeitsplatz

Vom heutigen Mittwoch an gelten die 3G-Regeln auch am Arbeitsplatz. Wer geimpft oder genesen ist, muss das belegen - zum Beispiel mit dem gelben Impfpass, einem Impfzertifikat über eine App oder einem Genesenen-Nachweis. Ungeimpfte, die nicht von zu Hause aus arbeiten können, müssen dem Arbeitgeber einen tagesaktuellen Test oder einen maximal 48 Stunden alten PCR-Test vorlegen. Auch ein Selbsttest unter Aufsicht des Arbeitgebers ist möglich.

Ute Zacharias vom Verband der Wirtschaft in Thüringen sagte, die neuen Regeln seien so schnell in Kraft getreten, dass es etwas dauern werde, bis sich die Abläufe eingespielt hätten. Auch weiterhin stellten die Betriebe jedem geimpften oder genesenen Mitarbeiter zwei Tests pro Woche kostenlos zur Verfügung. Ungeimpften würden die täglichen Pflicht-Tests zum Teil kostenlos angeboten.

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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 24.11.2021 19:00Uhr 01:34 min

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Thüringen | Erste Verlegung von Patienten beantragt

In Thüringen sind aktuell mehr als ein Drittel der verfügbaren Intensivbetten mit Covid-19-Patienten belegt. Nun sollen die ersten vierzehn Patienten in andere Bundesländer verlegt werden.

Was bisher geschah | Corona-News vom Dienstag, 23.11.2021

Hier geht es zu den Corona-News vom 23. November 2021.

Quelle: MDR (mm,jml,fno)/dpa

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. November 2021 | 19:00 Uhr

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