Pandemie Corona: Thüringens Gesundheitsministerin warnt vor Delta-Variante

Die Zahl der aktiven Infektionen ist am Wochenende in Thüringen weiter gesunken. Dennoch mahnt Gesundheitsministerin Werner zur Vorsicht, weil die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus den Freistaat erreicht hat. Derweil sind die Familienimpfungen in Thüringen angelaufen - ab Mitte der Woche sind viele Termine noch frei.

Heike Werner (Linke), Thüringer Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie, spricht in einer Pause während des Sonderplenum des Thüringer Landtags mit FFP2-Maske. Die Sondersitzung wurde von der AfD-Fraktion beantragt.
Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) bittet die Thüringer, weiterhin die Corona-Hygieneregeln zu beachten. (Archivbild) Bildrechte: dpa

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hat vor einer weiteren Verbreitung der gefürchteten Delta-Variante des Coronavirus gewarnt. "Nach allem, was wir derzeit wissen, ist die Delta-Variante um 60 Prozent ansteckender", erklärte Werner am Wochenende in einem Video im Kurznachrichtendienst Twitter. "Zum Glück gibt es in Thüringen bisher nur wenige Einzelfälle."

Nach Zahlen der Landesregierung waren es am Sonntag konkret zwölf Fälle, in denen die zuerst in Indien beobachtete Mutation in Thüringen nachgewiesen wurde. Aufgetreten ist sie im Altenburger Land (fünf), den Städten Erfurt und Suhl sowie dem Kyffhäuserkreis (je zwei) und im Eichsfeld-Kreis (eine), wie aus einem von der Staatskanzlei am Sonntag veröffentlichten Überblick hervorgeht. Ein Fall aus Jena ist noch nicht abschließend geprüft.

Gesundheitsministerium: Hygieneregeln einhalten

Werner mahnte angesichts der Fälle, Hygieneregeln wie Mindestabstände weiterhin einzuhalten, Atemschutzmasken zu tragen und regelmäßig zu lüften. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat bereits vor dem Verspielen von Erfolgen in der Pandemiebekämpfung durch die ansteckendere Delta-Variante gewarnt. Es fürchtet ein Wiederanheizen der Pandemie durch die in Deutschland derzeit noch auf niedrigem Niveau (rund sechs Prozent) kursierende Variante. Die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen empfahl am Wochenende zudem, das Angebot von Covid-19-Impfungen wahrzunehmen.

Kassenärztliche Vereinigung fordert konsequentes Impfen

"Wer sich jetzt nicht impfen lässt, hat bald ein Problem mit der Mutation", sagte der Leiter des KV-Pandemiestabs, Jörg Mertz, am Rande des ersten Covid-19-Familienimpftages am Samstag in Thüringen. Dieses Angebot wurde nach KV-Einschätzung vor allem in den größeren Städten gut angenommen. In den ländlichen Räumen sei der Zuspruch hingegen eher verhalten, sagte Mertz. Für den Familienimpftag waren in den regionalen Impfstellen landesweit rund 10.000 Termine vergeben worden. Etwa die Hälfte der Impfwilligen waren laut KV Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre. Gespritzt wurde mit dem Mittel von Biontech/Pfizer.

Impftermin von jungem Mitbürger 2 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Sa 19.06.2021 19:00Uhr 01:46 min

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Video

Zahlreiche Impftermine verfügbar - auch für Familien

Ursprünglich war auch am Sonntag ein Familienimpftag geplant. Wegen der zunächst verhaltenen Nachfrage wurden die Impfangebote für Kinder und Jugendliche mit ihren Familien dann doch auf Samstag konzentriert und die anderen verfügbaren Termine für alle anderen Impfwilligen freigegeben.

Am kommenden Wochenende (26./27. Juni) können sich Impfwillige erneut in Familie gegen Corona impfen lassen, die Zweitimpfung soll bereits nach drei Wochen (17./18. Juli) folgen. Insgesamt sind Mertz zufolge vom kommenden Mittwoch an und für das kommende Wochenende 20.000 Termine in den Impfstellen verfügbar.

Zahlen weiter rückläufig - Neuinfektionen im Unstrut-Hainich-Kreis

Ein weiteres Mal ist derweil am Sonntag die Zahl der aktiven Corona-Infektionen in Thüringen gesunken. Die Gesundheitsämter meldeten 762 aktiv Infizierte, 22 weniger als am Samstag und gut 1.800 weniger als noch vor zwei Wochen. Auffällig war, dass von insgesamt 18 gemeldeten Neuinfektionen neun im Unstrut-Hainich-Kreis aufgetreten sind. Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Freistaat lag am Sonntag laut Robert Koch-Institut bei 7,5.

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Quelle: MDR THÜRINGEN/ls,dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Regionalnachrichten | 20. Juni 2021 | 18:30 Uhr

77 Kommentare

martin vor 5 Wochen

@dermbacherin: Ich kann nicht behaupten, dass mich Ihre vermissliche Situation besonders belastet. Vermutlich sind Ihnen nur die Argumente ausgegangen, so dass Sie versuchen Mitkommentatoren zu diskreditieren. Eine derartige Strategie ist ja in einschlägiger "Literatur" hinreichend beschrieben. Oder weshalb antworten Sie auf meine Anmerkung nicht auf sachlicher Ebene?

Robert Brandt vor 5 Wochen

Fordern u. Warnen das ist die Lieblingsbeschäftigung unserer Politiker. Derweil wurden sie je eigentlich gewählt um zu Handeln, vernünftig, vorausschauend, in einem Maß das keiner Benachteiligt wird. Und was ließt u. hört man ständig, das Gegenteil.

wo geht es hin vor 5 Wochen

Hier wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass mehr ansteckend auch gleich mehr gefährlich ist. Stimmt denn das aber auch? Alle bisher öffentlich verfügbare Daten sagen etwas ganz anderes. Selbst in Indien gibt es keinerlei Evidenz für die These: mehr ansteckend gleich mehr gefährlich. Also worüber reden wir dann hier? Ich würde sagen, über einen in der Geschichte der Viruserkrankungen völlig normalen Vorgang. Mutationen. Die in den allermeisten Fällen saisonal und dann immer abgeschwächter im Krankheitsverlauf auftreten. Nur das man früher nicht so einen Bohei drüber gemacht hat. Wenn heute mehr als Einer niest, muss man natürlich gleich vorm Auslöschen der Menschheit "warnen" - was für eine kranke Zeit.

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