Regelmäßige Änderungen Corona-Regeln verärgern Hoteliers und Feriengäste im Thüringer Wald

Geht es um den Jahresumsatz, sind die Herbstferien für viele Hotels im Thüringer Wald ein wichtiges Standbein. Einige Hoteliers beklagen jedoch, dass Gäste diesmal ihren Urlaub abgesagt haben. Der Grund: das Corona-Regel-Wirrwarr. Andere Hotels nehmen die Gäste in die Pflicht, sich rechtzeitig zu informieren.

Wanderer gehen über den Rennsteig
Urlaub im Thüringer Wald oder doch lieber zu Hause bleiben? Viele Touristen schrecken die immer neuen Corona-Regeln ab. Bildrechte: dpa

Stephanie Triebel-Cornelissen betreibt das Hotel an der Alten Porzelline in Neuhaus am Rennweg im Kreis Sonneberg. Die 48 Betten sind in den Ferien meist gut gebucht. Die Gäste genießen aus den Zimmern einen traumhaften Panoramablick über den Thüringer Wald. Doch der Unmut bei den Urlaubern ist spürbar, sagt Triebel-Cornelissen. "Viele Gäste sind unsicher. Die Corona-Regeln ändern sich ständig."

Selbst sie könne teilweise nicht sagen, was morgen gilt. Es sei eine unbefriedigende Situation für die Gäste, aber auch für die Hotelmitarbeiter.

Um Konflikten aus dem Weg zu gehen, versucht die Hotelchefin, allen Gästen kurzfristig geänderte Corona-Regeln telefonisch mitzuteilen. "Zur Not rufe ich alle Gäste persönlich an. Was bringt es, wenn die Gäste vor der Tür stehen, ich sie aber nicht reinlassen darf, weil die Nachweise fehlen", sagt Triebel-Cornelissen.

Ein gelber Impfausweis sowie der digitale Impfpass in der Corona-Warn-App
Auf Papier oder in der App - der Impfausweis ist neben einem Genesenen-Nachweis bei 2G-Pflicht. Bildrechte: dpa

Viele Wanderer bleiben lieber zu Hause

Der Arbeitsaufwand ist enorm. Zudem sei der Spagat zwischen Corona-Regeln und Gastfreundschaft ein "Tanz auf dem Drahtseil". Das Geschäft läuft aktuell verhalten. Viele Buchungen für die Herbstferien wurden storniert.

"Viele Familien haben keine Lust, ihre Kinder testen zu lassen. Auch die Rennsteig-Wanderer wollen nicht in jedem Landkreis unterschiedliche Regeln haben. Der Rennsteig führt durch zwei Bundesländer und viele Landkreise. Im Extremfall müssen die Wanderer sich jeden Tag auf andere Regeln einstellen", sagt Triebel-Cornelissen. Viele nähmen das nicht in Kauf und blieben lieber zu Hause, so die Hotelchefin.

Hotelier: Gäste sollen sich selber informieren

Dieses Problem kennen auch Branchenkollegen aus dem Nachbarlandkreis Hildburghausen. Neuhaus am Rennweg und Masserberg trennen zwar nur gut 25 Kilometer. Weil die Orte aber in verschiedenen Landkreisen liegen, kann es sein, dass sich die Corona-Regeln unterscheiden.

Hans-Joachim Klaus vom Werrapark Resort Masserberg sieht die Gäste in der Pflicht, sich rechtzeitig über die Corona-Regeln vor Ort zu informieren. "Manche Gäste schieben ihre Unwissenheit vor, das können wir aber nicht gelten lassen. Jeder Gast kann sich über das Internet informieren", so Klaus.

Tests vor Ort gebe es bei ihm deswegen nicht. Die Gäste müssen die notwendigen Nachweise bei der Anreise dabeihaben. Absagen aufgrund der Corona-Regeln hat es in den Herbstferien auch bei ihm gegeben, so Klaus. Er wünsche sich von der Landesregierung einheitliche Regeln. Dann wüsste wenigstens jeder, was gilt.

Vor einer Bar steht ein Hinweisschild, welches auf den Einlass nach der 2GRegel hinweist.
2G, 3G oder 3Gplus? Die Corona-Regeln werden laufend angepasst. Bildrechte: dpa

Einheitliche Corona-Regeln ab Warnstufe 3

Vom letzten Oktobersonnabend an schafft die Thüringer Landesregierung zumindest für Landkreise in der Warnstufe 3 einheitlichere Regeln. Die neuen Vorschriften sehen nach Angaben des Gesundheitsministeriums vor, dass Landkreise und kreisfreie Städte ab Warnstufe drei die Modelle 2G oder 3Gplus zur Pflicht machen müssen.

Kein Zutritt, heißt es dann bei 2G für ungeimpfte Erwachsene. Bei 3Gplus müssen sie vorher einen teuren PCR-Test machen. Diese Regeln gelten ab Warnstufe 3 unter anderem für Gaststätten, Hotels, Theater, Kinos, Sportveranstaltungen und Ausstellungen.

Die meisten Landkreise und kreisfreien Städte sind noch in der Warnstufe 2. Sie können laut der neuen Verordnung selbst entscheiden, ob sie 2G oder 3Gplus zur Pflicht machen. Menschen, die sich bisher nicht oder noch nicht lange impfen lassen konnten, können auch weiter mit einem kostenlosen Schnelltest zum Beispiel Gaststätten oder Veranstaltungen besuchen. Das gilt unter anderem für Kinder und Jugendliche sowie Schwangere.

Allerdings ist auch mit der neuen Verordnung nur klar, was noch nicht ganz so klar ist. Denn umsetzen müssen die Regeln die Landkreise selbst. Das geht meist nicht von heute auf morgen. Beispiel: der Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Seit Freitag befindet sich der Landkreis in der Warnstufe 3. Wie eine Sprecherin des Landratsamtes MDR THÜRINGEN mitteilte, wird es allerdings über das Wochenende bei den "alten" Regeln bleiben. Heißt also: vorerst kein 2G. Die Unsicherheit ist also weiter da.

Hotelier: "Verordnungswahn eine Zumutung für alle"

Das Oberhofer Berghotel liegt im Landkreis Schmalkalden-Meiningen. Auch hier blicken die Verantwortlichen immer wieder auf die neuesten Zahlen. "Grundsätzlich ist der Corona-Verordnungswahn eine Zumutung für Betreiber, Gäste und Mitarbeiter. Ständig ändern sich die Bedingungen und das auch noch von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Sicher ist es da nicht ganz einfach, den Überblick zu behalten", sagt Hotelchef Sebastian Löser.

Blick auf den Ort Oberhof
Oberhof möchte in den Herbstferien vom Tourismus profitieren. Bildrechte: dpa

Mit seinem Team versucht er, trotzdem eine ruhige, harmonische Atmosphäre für die Gäste zu schaffen. "Wir testen vor Ort und versuchen, den Gästen die Hürden und Bedenken zu nehmen. Die Gäste und vor allem die vielen Ferienkinder können für den Regelungsdschungel überhaupt nichts", so Löser.

Für die nächste Woche hat das Landratsamt eine neue Corona-Verordnung angekündigt. Dann müssen sich die Hotelmitarbeiter und die Gäste erneut auf andere Regeln einstellen.

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Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Das Fazit vom Tag | 30. Oktober 2021 | 18:00 Uhr

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