Forschungsprojekt Abwasser-Analysen zeigen Verbreitung des Coronavirus in Thüringen

Die Analyse von Abwasser aus Thüringer Kläranlagen erlaubt zuverlässige Prognosen zur Ausbreitung des Coronavirus. Das belegt eine Studie von der Bauhaus-Universität Weimar und Analytik Jena. Ob das Forschungsprojekt weiterbetrieben wird, ist noch ungewiss.

Eine Kläranlage
Mit der Analyse von Wasser aus Kläranlagen können zuverlässige Aussagen über die Verbreitung des Coronavirus getroffen werden. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Mit der Analyse von Abwasser in Thüringer Kläranlagen lässt sich die Verbreitung von Coronaviren zuverlässig nachweisen. Das ist das abschließende Ergebnis einer gemeinsame Studie der Bauhaus-Universität Weimar und des Unternehmens "Analytik Jena". Ebenso lasse sich durch das sogenannte Abwassermonitoring nachweisen, wenn eine Virusvariante durch eine andere abgelöst werde.

Labormitarbeiterin Katarina Reichel-Kühn und Master-Studentin Sara Wullkord in einem Labor
Labormitarbeiterin Katarina Reichel-Kühn (l.) und Master-Studentin Sara Wullkord werfen einen Blick auf die Ergebnisse einer PCR-Analyse. Bildrechte: MDR/Florian Girwert

Abwasser-Analyse bringt Vorteile

Wie Robert Möller von Analytik Jena MDR THÜRINGEN sagte, konnte am Beispiel des Sars-CoV-2-Erregers festgestellt werden, dass die Daten aus dem Abwasser den Inzidenzen im Zeitverlauf in der Regel um Tage voraus sind. So habe sich ab Mitte April in der Abwasseranalyse die "Corona-Sommerwelle" bereits angekündigt.

Laut Möller zeigten die Messwerte einen konstant hohen oder sogar steigenden Verlauf an, während durch das Robert-Koch-Institut aufgrund weniger Tests auch weniger Fälle gemeldet wurden. Der Projektmanager sieht das Abwassermonitoring als geeignetes Prognoseinstrument, zumal sich damit auch andere Krankheitserreger, wie Grippe- oder Polioviren nachweisen ließen. Die Studie wurde am Montag in Weimar bei einem Besuch von Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) vorgestellt.

Zukunft des Thüringer Projekts ungewiss

An dem Forschungsvorhaben arbeiten die Hochschule und das Unternehmen seit Oktober 2021. Ein erstes Zwischenergebnis war bereits im April veröffentlicht worden. Einbezogen sind den Angaben nach 23 größere und auch kleinere Kläranlagen im Freistaat - und damit etwa 40 Prozent der Thüringer Bevölkerung. Das Land fördert das Projekt mit 370.000 Euro. Da es Ende August ausläuft, hoffen die Bauhaus-Universität und Analytik Jena auf eine Weiterführung.

MDR (cfr)

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 18. Juli 2022 | 17:00 Uhr

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