Coronavirus Gesundheitsministerin Werner: Stopp von Astrazeneca-Impfungen eine "Katastrophe"

In Thüringen wurden vorsorglich alle Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgesetzt. Hintergrund sind Komplikationen. In den neuen zentralen Impfzentren in Erfurt und Gera wurden alle Termine abgesagt.

Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) hat den Impf-Stopp mit dem Vakzin des Herstellers Astrazeneca als "Katastrophe" bezeichnet. Viele Menschen warteten sehnsüchtig auf die Immunisierung, erklärte sie am Montag in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums.

Betroffen von der Entscheidung sind die beiden großen Impfzentren in Erfurt und Gera, wo Astrazeneca eingesetzt wird. In beiden Einrichtungen wurden die Impfungen am Montag gestoppt. Dagegen wird in kleineren Impfzentren in den Städten und Landkreisen weiter geimpft. Dort kommen andere Impfstoffe wie der von Biontech zum Einsatz, mit dem derzeit vor allem Menschen der Altersgruppe über 80 Jahre immunisiert werden.

Deutschland hatte - nach mehreren anderen europäischen Ländern - das Impfen mit dem Serum von Astrazeneca am Montagnachmittag unterbrochen.

Hinweis auf den Stopp der Immunisierungen mit dem Mittel von Astrazeneca am Impfzentrum auf dem Messegelände in Erfurt
Hinweis vor der Messehalle: Im Erfurter Impfzentrum wurden die Impfungen am Montag gestoppt. Bildrechte: MDR/Corinna Ritter

Patienten mit Terminen in Erfurt und Gera sollen abwarten

In Gera wurden noch am Montagnachmittag rund 700 für den gleichen Tag geplante Termine abgesagt. Menschen, die einen Termin vereinbart hatten, mussten nach Hause gehen. Viele Impfwillige reagierten mit Unverständnis und Verärgerung.

Die stellvertretende Managerin des Impfzentrums in der Panndorfhalle, Antonia Radtke, sagte MDR THÜRINGEN, noch sei nicht absehbar, wann und mit welchem Impfstoff weitergemacht werden könne. Das Gesundheitsministerium teilte mit, wer in den Impfzentren Gera oder Erfurt einen Termin gebucht habe, solle abwarten, bis sich die Kassenärztliche Vereinigung Thüringen (KVT) mit einem neuen Terminvorschlag melde.

Heike Werner Gesundheitsministerin Thüringen
Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner Bildrechte: dpa

Astrazeneca: Patienten sollen auf Symptome achten

Patienten, die bereits mit dem Vakzin von Astrazeneca geimpft wurden, sollten besonders auf sich achten, so Gesundheitsministerin Werner. Bei Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen sollten sie sich sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) sagte, der Impfstopp sei ein Rückschlag für die Thüringer Impfstrategie. Er sei nicht überzeugt, dass der Impfstoff von Astrazeneca risikobehaftet sei. Trotzdem sei es gut, noch einmal zu überprüfen, ob es ein verdecktes Risiko gibt. Ramelow warnte davor, den Impfstoff jetzt unter Generalverdacht zu stellen.

Bundesgesundheitsminister Jena Spahn (CDU) sagte, die Entscheidung zu Astrazenca gehe auf sieben Fälle zurück, bei denen Thrombosen der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung stünden. "Es ist sehr selten aufgetreten", sagte er und wies darauf hin, dass hierzulande mittlerweile über 1,6 Millionen Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff verabreicht wurden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar, dpa

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