Fragen und Antworten Corona-Impfungen in Thüringen: Das ist der Stand

Bisher erhielten in Thüringen nur Beschäftigte, Patienten und Bewohner in Kliniken und Pflegeeinrichtungen Corona-Impfungen. Am Mittwoch öffnen die ersten Impfzentren. Wie ist der aktuelle Stand? - Fragen und Antworten.

Krankenschwester hält Spritze mit Corona-Impfung
Krankenschwester hält Spritze mit Corona-Impfung (Symbolfoto) Bildrechte: imago images/ Pixsell

Wie viele Thüringer wurden bisher geimpft?

Bis Dienstag wurden laut RKI-Angaben 12.517 Menschen in Thüringen mit dem Biontech-Impfstoff versorgt, wobei Thüringen mit Sachsen und Brandenburg im Bundesländervergleich am Ende liegt. Das entspricht laut Gesundheitsministerin Heike Werner (Linke) 5,9 Thüringern pro 1.000 Einwohner. Darunter wurden 9.000 Beschäftigte in Krankenhäusern geimpft. Die restlichen Impfungen gingen an die Altenpflege. Ab Mittwoch, 13. Januar, öffnen landesweit dann die ersten Impfzentren. Bis zum Freitag sollen dort rund 3.000 Menschen ihre Erstimpfung erhalten.

Wie werden die Impfungen genau organisiert?

Die Impfstrategie sieht vor, dass zunächst in Pflegeheimen und Krankenhäusern geimpft wird. Erst im zweiten Schritt werden die Thüringer in 29 speziell eingerichteten Impfzentren versorgt. Geimpft wird nach Altersstufen: Zuerst sind die über 80-Jährigen an der Reihe. Bis Mitte Februar können wöchentlich knapp 10.000 Thüringer geimpft werden.

Die Erstversorgung von Kliniken und Pflegeheimen ist auch der Grund, weshalb die Zentren erst am Mittwoch öffnen -  und dann erst die Hälfte aller Zentren. Die übrigen öffnen im Februar. Laut Kassenärztlicher Vereinigung haben bisher 32.000 Menschen Termine vereinbart.

Einige Impfzentren sind nicht barrierefrei. Bei der Terminvergabe ist im Impfportal gekennzeichnet, welche frei zugänglich sind und welche nicht.

Wie sind die Impfungen in Thüringen angelaufen?

Geduld und Nerven waren bisher gefragt. Gleich nach Start des Thüringer Impfportals legte ein Cyber-Angriff die Seite lahm. Über das Portal www.impfen-thueringen.de können sich Thüringer neben einer telefonischen Hotline Impftermine holen. Zahlreiche Termine verfielen daraufhin.

Doch auch am Telefon lief bisher nicht alles rund. Die Hotline war zwischenzeitlich wegen eines Stromausfalls nicht erreichbar und es konnten kaum Termine ausgemacht werden. Allgemein beklagen viele Menschen, dass sie nicht durchkämen und lange Wartzeiten in Kauf nehmen müssten.

Soll ich meinen Termin lieber telefonisch oder online ausmachen?

Beides ist möglich. Bei telefonischen Terminen (Tel. 03643 / 49 50 490) rät die für die Impf-Organisation zuständige Kassenärztliche Vereinigung, Geduld mitzubringen und es mehrfach zu probieren. Täglich gingen 7.000 Anrufe ein. Am ersten Tag seien es 23.000 gewesen - bei 60 geschalteten Leitungen.

Besser und schneller sei es, über das Online-Impfportal einen Termin auszumachen. Allerdings können momentan auch über das Online-Portal keine Termine ausgemacht werden. Gesundheitsministerin Heike Werner zufolge liegt das daran, dass alle momentan verfügbaren Impfdosen vergeben sind.

Wird in Thüringen tatsächlich weniger geimpft?

Thüringen geriet anfangs in die Kritik, weil nach Zahlen des RKI hier anfangs am wenigsten geimpft wurde. Gerechnet auf die Einwohnerzahl wies der Freistaat die geringste Impfquote unter den Ländern auf. Seitdem betont Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), dass es kein Impfproblem gebe, sondern ein Meldeproblem.

Krankenhäuser übermittelten nur verzögert Daten, was die Statistik verzerre. Grund sei, dass es momentan noch keine Schnittstelle zwischen Kliniken und Robert-Koch-Institut gebe. Die Gesundheitsministerin begründete die Zahl damit, dass in Krankenhäusern viele Impfungen noch ausstünden. Das werde auch die Thüringer Zahl nach oben korrigieren.

Wie ist die Impfbereitschaft in Pflegeheimen und Krankenhäusern?

Zumindest anfangs beklagte Ministerpräsident Ramelow, dass sich nur ein Drittel der Klinik-Beschäftigten impfen lassen wolle und rief aktiv dazu auf. Eine Umfrage unter den Krankenhäusern ergab tatsächlich, dass die Bereitschaft in einigen Einrichtungen verhalten ausfiel. Mittlerweile hat sich die Situation verbessert. Mehrere Kliniken wie das Krankenhaus Greiz sprechen nun von einer hohen Impfbereitschaft.

Laut Gesundheitsministerin Werner wollen sich in den Krankenhäusern mittlerweile 60 bis 70 Prozent impfen lassen, in manchen sogar bis zu 80 Prozent. In den Pflegeeinrichtungen sei die Impfbereitschaft etwas verhaltener als in den Kliniken. Doch auch dort steige die Akzeptanz.

Welcher Impfstoff wird in Thüringen eingesetzt?

Bei dem gegenwärtig eingesetzten Impfstoff handelt es sich um den von Biontech/Pfizer. Am Dienstag trafen die ersten Vorräte des von der US-Firma Moderna entwickelten Impfstoffs im Freistaat ein. Geliefert wurden zunächst 1.200 der insgesamt 26.400 vom Bundesgesundheitsministerium zugesagten Impfdosen. Die restlichen werden bis Ende Februar erwartet.

Der Moderna-Impfstoff soll mit Öffnung der restlichen Impfzentren ab 3. Februar zum Einsatz kommen. Beide Impfstoffe haben hohe Anforderungen an die Kühlung und müssen bei minus 70 Grad gelagert werden. Laut Ministerin Werner sollen später auch Impfstoffe anderer Hersteller zum Einsatz kommen, die weniger kühlintensiv sind. Die Impfungen könnten dann in den Arztpraxen stattfinden.

Welche Kritik gibt es an der Thüringer Impf-Strategie?

Opposition und einige Landräte stellten der Ramelow-Regierung und Gesundheitsministerin Werner für ihre Impf-Politik ein schlechtes Zeugnis aus. CDU-Fraktionschef Mario Voigt bezeichnete das Impfmanagement der Landesregierung als unbefriedigend. Selbst der Koalitionspartner SPD forderte vergangene Woche eine Überarbeitung der Impfstrategie: Zum Schutz der Gesamtbevölkerung müsse der Großteil des Impfstoffs an die Impfstellen gehen und dürfe nicht erstrangig an Pflegeheime und Krankenhäuser verteilt werden.

Quelle: MDR THÜRINGEN/sar

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 12. Januar 2021 | 19:00 Uhr

2 Kommentare

MOE vor 16 Wochen

Kein Wunder, dass die Telefonhotline in die Knie geht. Wenn jetzt jeder Impfwillige wegen eines Termins anruft funktioniert das nicht. Vielleicht sollte man mal, wie in Sachsen, kommunizieren, welche Kategorien es bei der Verteilung des Impfstoffes gibt, wer in welche Kategorie gehört und vor allem für welche Kategorie gerade Impftermine vergeben werden. In Sachsen findet sich auf der Seite der Hinweis, dass über das Buchungsportal Termine für Kategorie 1 vergeben werden und das sich alle die nicht zu dieser Kategorie gehören etwas gedulden sollen.

Alexa007 vor 16 Wochen

Ich hoffe, wir lassen uns alle Impfen und sehen die Notwendigkeit auch ohne Impfpflicht.

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