Medizin Mehr und jüngere Covid-19-Intensivpatienten in Thüringen

Auf den Intensivstationen von Thüringer Kliniken steigt die Zahl der Covid-19-Patienten seit Wochen an. Zwar sind sie deutlich jünger und sterben seltener als bei der zweiten Coronawelle. Problem: Das Personal ist knapp.

Pfleger kümmern sich um einen Patienten.
Intensivstation am Uniklinikum Jena (Symbolfoto). Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Momentan ist etwa ein Drittel der Intensivbetten in den Thüringer Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt. Nach Angaben von Michael Bauer, dem Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Uniklinikum Jena, werden landesweit 205 Patienten behandelt. Davon müssen 126 beatmet werden. Bauer sagte MDR THÜRINGEN, er gehe davon aus, dass die Zahlen weiter "erheblich" steigen werden. Das sei schon seit Wochen absehbar gewesen.

Ein Arzt und ein Patient mit Mundschutz 3 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR aktuell 21:45 Uhr Di 06.04.2021 21:45Uhr 02:32 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Durchschnittsalter auf 61 Jahre gesunken

Gleichzeitig sei das durchschnittliche Alter der Intensivpatienten gegenüber der zweiten Corona-Welle im Winter deutlich gesunken. Lag es damals bei über 80 Jahren, so sind es jetzt laut Bauer im Schnitt 61 Jahre. Als Grund dafür vermutet er, dass viele Ältere inzwischen geimpft seien. Trotzdem geht er davon aus, dass die Sterblichkeit aktuell immer noch bei 25 bis 30 Prozent liegen wird. Als der Altersdurchschnitt höher war, waren es rund 50 Prozent.

Prof. Dr. Michael Bauer
Michael Bauer, Leiter der Klinik für Intensivmedizin am Uniklinikum Jena. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Momentan können noch alle Covid-19-Intensivpatienten innerhalb von Thüringen versorgt werden und müssen nicht in andere Bundesländer verlegt werden. Zweimal in der Woche gebe es dazu Schaltkonferenzen, erläutert Bauer, der im Land die Verteilung dieser Patienten koordiniert. Trotzdem spricht er von einer "bedrohlichen Situation", weil andere wichtige Eingriffe wie Herz- oder Krebsoperationen zum Teil verschoben werden müssen.

Zahl der Intensivpatienten steigt

Nach den Zahlen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) steigt die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten in Thüringen seit knapp vier Wochen stetig an - von 113 am 12. März auf jetzt über 200.

Sprecherin Nina Meckel sagte, in den Thüringer Krankenhäusern gebe es im deutschlandweiten Vergleich auch immer mehr Intensivbereiche, die mit Einschränkungen zu kämpfen hätten. Das "absolute Nadelöhr" sei dabei das Personal. Das kann auch Chefarzt Michael Bauer von der Uniklinik in Jena bestätigen. Die Beschäftigten seien seit Beginn der Pandemie und damit seit einem Jahr im Dauerstress und entsprechend "mürbe". 

Auch die Kliniken im Land reagieren auf die steigenden Zahlen. So bereitet beispielsweise das Krankenhaus in Gera den Start einer dritten Corona-Station vor. Auch das St. Georg Klinikum in Eisenach vergrößert seine Intensivstation ab Mittwoch. Dort hatte sich die Zahl der Corona-Patienten nach Angaben des Geschäftsführers innerhalb einer Woche mehr als verdoppelt.

Mehr zum Thema

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 07. April 2021 | 06:00 Uhr

Mehr aus Thüringen