Nach Merkels Stopp Ramelow appelliert an Thüringer: Osterruhe trotzdem einhalten

Ministerpräsident Bodo Ramelow stellt sich nach dem kurzfristigen Stopp der Ruhetags-Regeln zu Ostern hinter Kanzlerin Angela Merkel. Jedoch bittet er die Thüringer, Ostern möglichst zu Hause bleiben.

Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, sitzt während eines Statement zu den Ergebnissen der Beratungen von Bund und Ländern in der Thüringer Staatskanzlei.
Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow Bildrechte: dpa

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat an die Bevölkerung appelliert, die Tage über Ostern weiterhin als Ruhetage zu verstehen und keine Urlaubsreisen zu unternehmen. "Die Osterruhe ist nicht abgesagt, es sind nur keine Feiertagsregelungen für Gründonnerstag und Karsamstag gefunden worden", sagte er nach einer kurzfristig einberufenen Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch.

Ramelow stellte sich in den Entscheidungen hinter Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Diese hatte nach massiver Kritik entschieden, die am Montag getroffene Bund-Länder-Entscheidung zur sogenannten Osterruhe zu stoppen. Die Idee sei zwar richtig gewesen, sagte er, lasse sich jetzt aber nicht umsetzen. "Die rechtliche Frage nach dem Ruhetag am Gründonnerstag und Karsamstag war am Montag noch offen geblieben."

Thüringens Ministerpräsident wies daraufhin, dass die weiteren Beschlüsse aus der Bund-Länder-Schalte am Montag bestehen blieben. Auch die Kontaktbeschränkungen gelten weiterhin. Das dynamische Wachstum bei den Infektionszahlen müsse gebrochen werden, sagte er.

Heike Werner 3 min
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MDR THÜRINGEN JOURNAL Mi 24.03.2021 19:00Uhr 02:30 min

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Thüringer Wirtschaft begrüßt Rücknahme des Oster-Lockdowns

In der Thüringer Wirtschaft stößt der Stopp der Feiertags-Regelungen auf Zustimmung. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer Erfurt, Dieter Bauhaus, kritisierte aber das Hin und Her. Damit sei kein neues Vertrauen in politische Entscheidungen gewachsen. Auch die Handwerkskammer Erfurt zeigte sich angesichts der Rücknahme des Lockdowns erleichtert. Die angekündigte "Osterruhe" habe für sehr viel Unruhe und Unverständnis bei den Handwerksbetrieben gesorgt, sagte Kammerpräsident Thomas Malcherek.

Für Ute Zacharias vom Verband der Thüringer Wirtschaft war die Ruhetagsregelung von vornherein nicht durchsetzbar. "Weder rechtlich noch in der Bevölkerung." Kritik gab es auch aus der Opposition im Landtag. FDP-Fraktionschef Thomas Kemmerich sagte, die Beschlüsse hätten das politische Versagen von Ministerpräsident Ramelow aufgezeigt. "Es ist nicht seine Aufgabe, einfach nur die Wünsche der Kanzlerin abzunicken." Er habe vielmehr Konzepte vorzulegen, die Thüringen voranbrächten.

Ramelow: Impfungen wichtigster Schritt

Laut Thüringens Ministerpräsident sind neben dem intensiveren Testen, den gewohnten Hygieneregeln und der elektronischen Kontaktnachverfolgung die Impfungen der wichtigste Schritt auf dem Weg zurück zu mehr Normalität. "Die Infrastruktur in Thüringen steht", sagte er. "Wir würden der Bevölkerung liebend gern eine schnellere Immunisierung anbieten, aber dazu fehlt es noch an mehr Impfstoff."

Ramelow äußerte sich am Mittwoch auch erneut zu Mallorca-Reisen. Seiner Ansicht nach haben die Flüge ohne Testpflicht für einen Vertrauensverlust in der Bevölkerung gesorgt. Es sei der Eindruck entstanden, "dass man nach Mallorca in den Urlaub fliegen kann und in Deutschland kann man nicht in die Hotels", sagte Ramelow. Dafür sei man von den Hoteliers und von den Bürgern gleichermaßen "verdroschen" worden.

Quelle: MDR/sar, dpa

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN | MDR THÜRINGEN JOURNAL | 24. März 2021 | 19:00 Uhr

96 Kommentare

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 25 Wochen

...und plötzlich doch wieder Präsenzgottesdienste zu Gründonnerstag und Karfreitag und vielleicht auch sogar eine Palmsonntagsprozession - schon am nächsten Sonntag - statt ZOOM-Meeting ?!?

MAENNLEiN-VON-DiESER-WELT vor 25 Wochen

Eine Expertenregierung, die sich mit Sachverstand und Weitblick ums Land kümmert, wäre möglicherweise für Thüringen eine Alternative gewesen.

Natürlich bin ich ganz auf Ihrer Seite ! Alles, was er in dieser Situation unternommen hätte, wäre falsch gewesen ! So funktioniert "die Politik" nun mal ... !


Aber:

"Gegenwind aus Berlin" ? Aus den eigenen Reihen ? Nun ja, was willst erwarten....?! Es war doch wohl eher nur ein "ganz laues Lüftchen" und
der Schock über einen ganz anderen Zusammenhang. Alles in allem - rückblickend - meine ich: uns allen wurde hier nur "vorgespielt"
wie auf einer sehr mittelmäßigen Laienspielbühne...

Etwas mehr Kampfeswillen hätt' ich ihm
und den freien Liberalen im Freistaat
schon zugetraut !

...ach, " Hauptsache: die Haare liegen ! "
Im September gibts die nächste Chance ! ;-)

part vor 25 Wochen

Hallo Herrn Ramelow,
fast alle Menschen in diesem Land tragen in Geschäften, im öffentlichen Raum und nun auch an den Arbeitsstätten, Masken zur Verhinderung von Übertragungen per Aerosolen, sie desinfizieren Hände. Trotzdem steigt die Zahl der vermeintlich Infizierten, bei Testsystemen, die eher an eine Spielhalle erinnern oder an Las Vegas mit den verwertbaren Ergebnissen. Die Intensivstationen im privatisierten Gesundheitswesen waren schon immer überlastet, auch ohne Corona, weil in privater Hand statt öffentlicher Daseinsvorsorge. Wenn nun niemand mehr den Anderen anhustet, woher komme wohl diese Zahlen? Kann es sein das die überbordende Tierhaltung in den Wohnungen in Städten und Gemeinden eine Ursache für den Ausbruch und die Weiterentwicklung der Pandemie sein könnte, obwohl dies nicht ausreichend untersucht wird? Der Mensch ist zwar die Ursache aber nicht immer die Wirkung.

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