Alter, Geschlecht, Sterblichkeit Das sagen die Daten zu Corona-Todesfällen in Thüringen

Sterben auch Jüngere mit Coronavirus? Sind Männer tatsächlich mehr gefährdet als Frauen? Und haben die Corona-Toten Einfluss auf die Sterbestatistik? Wir haben Zahlen zu Verstorbenen in Thüringen ausgewertet.

3D-Darstellung - Corona-Viren binden sich an menschliche Zellen
Bildrechte: imago images / Science Photo Library

Gefährdet sind nachweislich die Älteren: Fast 70 Prozent der Corona-Toten in Thüringen waren 80 Jahre oder älter. Das ergab eine Auswertung von MDR THÜRINGEN der Daten des Robert Koch-Instituts. Demnach wurden im Zeitraum vom 21. März bis 30. November insgesamt 431 Todesfälle in Zusammenhang mit Corona gemeldet. 297 davon befanden sich in der Altersgruppe 80-plus. 121 Verstorbene gab es demnach bei den 60- bis 79-Jährigen. Bei den unter 60-Jährigen waren es laut RKI-Daten 13 Todesfälle.

Vergleich erste und zweite Corona-Welle

Die zweite Welle forderte erheblich mehr Tote als die erste im Frühjahr. So wurden von März bis Mitte Juni 186 Todesfälle im Zusammenhang mit Corona bekannt. Von Herbstbeginn bis Ende November waren es bereits 237. Dabei sind die zahlreichen Corona-Toten in den ersten beiden Dezemberwochen noch nicht mit einberechnet.

Im Vergleich der Altersgruppen kam es zu einer leichten Verschiebung. So befinden sich in der zweiten Welle anteilig noch mehr 80-Jährige und aufwärts unter den Todesfällen. Im November gab es in Thüringen laut RKI-Daten zum ersten Mal aber auch drei Todesopfer bei den unter 35-Jährigen.

Was auffällt: In der zweiten Welle sterben im Verhältnis weniger Infizierte an oder mit dem Virus. Zwar ging die Todeszahl nach oben, allerdings vervielfachte sich zeitgleich auch die Zahl der registrierten Fälle. Dadurch sank die Sterberate. Bei der Sterberate wird der Anteil derer, die infiziert waren und daraufhin starben, ins Verhältnis zur Gesamtzahl aller gemeldeten Corona-Infektionen gesetzt.

Laut Experten sinkt die Sterberate, weil mehr getestet wird und so auch mehr Fälle entdeckt werden. Außerdem hat es in den vergangenen Monaten medizinische Fortschritte gegeben, um Covid-19-Patienten besser medizinisch versorgen zu können.

Mehr Todesfälle bei Männern

Mit Beginn der Corona-Pandemie stellte sich schnell heraus, dass Männer ein höheres Risiko tragen als Frauen. Weltweit wiesen Männer mehr schwere Krankheitsverläufe auf und waren in der Mehrzahl unter den Todesfällen. Das lässt sich auch anhand der Thüringer Statistik ablesen. Zwar wurde bei Frauen häufiger das Coronavirus registriert. Dennoch sind nur 41,5 Prozent der Verstorbenen weiblich und 58,5 Prozent männlich.

Dazu sollte man wissen: In Thüringen ist das Geschlechterverhältnis nahezu ausgeglichen - es leben etwas mehr Frauen als Männer im Freistaat. Unter den älteren Thüringern über 60 - und damit Teil der Corona-Risikogruppe - sind deutlich mehr weiblich als männlich.

Frage nach der Übersterblichkeit

Oft wird die Frage gestellt, ob die Corona-Todesfälle sich auch in der Sterbestatistik ablesen lassen. Dazu schaut man sich die aktuellen Sterbefallzahlen an und vergleicht sie mit dem Durchschnitt vorangegangener Jahre.

Auf den ersten Blick hat das Coronavirus bisher zu keiner nennenswert höheren Todesrate geführt. Nach einer Datenauswertung mit Werten des Bundesamts für Statistik lag die Zahl der Verstorbenen in den Corona-Monaten März bis Oktober 2020 auf ähnlichem Niveau wie im gleichen Zeitraum der Jahre 2016 bis 2019. Bei 65-Jährigen aufwärts lagen die Sterbefallzahlen mit 1,1 Prozent leicht über dem Durchschnitt von 2016 bis 2019. Die meisten Verstorbenen im Zusammenhang mit Corona befanden sich in dieser Altersgruppe.

Differenziertes Bild beim Blick auf einzelne Monate

Beim Blick auf einzelne Monate ergibt sich ein genaueres Bild. Auffällig ist, dass von Januar bis März 2020 deutlich weniger Menschen starben als im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019. Völlig anders ist die Entwicklung im April und Oktober, wo die Sterbefallzahlen im Jahr 2020 6,1 und 4,6 Prozent über dem Durchschnitt lagen. In Zahlen ausgedrückt: Starben im April der Jahre 2016 bis 2019 durchschnittlich 2.399 Menschen in Thüringen, so waren es im April 2020 2.546 Menschen. Im Oktober waren es von 2016 bis 2019 im Schnitt 2.314 und im Jahr 2020 2.420 Fälle.

In diesen beiden Monaten forderte die Corona-Pandemie besonders viele Tote. Blickt man nur auf die Altersgruppe der 65-Jährigen aufwärts, fällt der Unterschied mit 8,4 und 6,8 Prozent noch deutlicher aus.

In der Grafik können Sie die prozentuale Änderung nach Monaten entweder in allen Altersgruppen oder bei den 65-Jährigen aufwärts ablesen:

Wie groß der Anteil des Coronavirus dabei ist, lässt sich nicht abschließend sagen. Zu berücksichtigen ist, dass die Zahlen auch ohne Corona-Pandemie beispielsweise durch heftige Grippejahre oder Hitzeperioden stärker schwanken können. Andererseits werden bei den Corona-Verstorbenen alle Fälle erfasst - auch jene, bei denen die Infektion nicht die alleinige Ursache des Todes ist. Sicher lässt sich anhand der Thüringer Daten aber sagen, dass das Coronavirus einen Einfluss auf die Statistik hat.

Methodik

Für die Analyse der Corona-Verstorbenen in Thüringen werteten wir Daten des RKI mit Stand 10. Dezember 2020 aus. Die Zahlen basieren auf dem Meldedatum und sind vorläufig. Die Daten können sich nachträglich ändern, da die RKI-Datenbank kontinuierlich bearbeitet wird. Beispielsweise werden Fälle nachgetragen oder korrigiert.

Bei der Berechnung der Übersterblichkeit wurde als Datengrundlage die Sonderauswertung der Sterbefallzahlen des Bundesamts für Statistik verwendet. Bei der Analyse lagen die Daten bis Oktober vor. Die Sterbefallzahlen sind vorläufig und beziehen sich auf das Sterbedatum.

Quelle: MDR THÜRINGEN

Dieses Thema im Programm: MDR THÜRINGEN - Das Radio | Nachrichten | 02. November 2020 | 20:00 Uhr

33 Kommentare

Mensch vor 16 Wochen

Danke für den LInk. Auf der dort vom Auswärtigen Amt verlinkten Seite der ECDC haben wir für die Zeit vom 03. bis 14.12,2020 für Schweden 268 Tote und für Deutschland 4.852 Tote (Positiv Getestete)... q.e.d.

Ritter Runkel vor 16 Wochen

Hier ist leider statistisch, was nicht ganz sauber formuliert. Wenn ihr den 3 Jahres Durchschnitt der Sterblichkeit nehmt (2016 - 2019) könnt ihr dann nicht im nächsten Satz die absolute Zahl der Sterblichkeit von 2020 in Bezug dazu bringen.
Die Frage muss lauten, ob die Zahlen 2020 in den genannten Monaten signifikant vom Durchschnitt abweichen. Das heißt, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich nicht um Zufall handelt. Nur darüber dürfen Aussagen getroffen werden und das kann und muss man berechnen.
In dem Text liest es sich, als sei das eine signifikant höhere Sterblichkeit in 2020. Was ich aus den Zahlen nicht heraus lesen kann (und, was nicht bedeutet, dass es nicht möglich ist, dass sich die Sterblichkeit durch Corona tatsächlich erhöht hat).

MDR-Team vor 16 Wochen

Liebe User,
bitte liefern zu konkreten Argumenten auch konkrete Zahlen dazu mit, aber keine bloß globalen Verweise auf größere Statistikpakete oder Länder insgesamt.

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